Unterhaltung

In den USA "hungern fette Kinder" Stewart-Nachfolger bringt deftigen Humor

trevor noah.jpg

Noch sei er nicht bereit für die Reaktionen der Zuschauer. Aber den Mut, sein Ding durchzuziehen, habe er auf jeden Fall.

(Foto: AP)

16 Jahre lang baute Jon Stewart die amerikanische Kabarettsendung die "Daily Show" von einem Nischenprogramm zu einer Institution auf. Sein Nachfolger Trevor Noah ist in Johannesburg längst ein Star. Er scheint keine Tabus zu kennen.

In den USA kennt ihn noch kaum jemand. "Trevor wer?" scherzt der südafrikanische Comedy-Star Trevor Noah selbst.  Neulich sei er erstmals auf einer großen Gala in New York eingeladen gewesen und habe die Sängerin Rihanna in Fleisch und Blut gesehen.  "Es ist echt unentspannt, in einem Club zu sein, wenn alle Leute, zu deren Songs man tanzt, auch dabei sind." Er sei noch nie so gestresst gewesen, lacht er.

Der 31-Jährige tritt in große Fußstapfen: Er wird ab Ende September Nachfolger des legendären US-Moderators Jon Stewart als Gastgeber der liberal-bissigen "Daily Show". Wenn er es schafft, mit seinem Humor auch das amerikanische Publikum in seinen Bann zu ziehen, dann werden Rihanna und alle anderen wohl bald Schlange stehen, um bei ihm zu Gast sein zu dürfen.

"Ins Gefängnis kommen nur Schwarze"

noah.jpg

(Foto: picture alliance / dpa)

Doch die Fallhöhe ist hoch. Jon Stewart hat die "Daily Show" in 16 Jahren erfolgreich von einem Nischenprogramm zu einer Institution ausgebaut. Selbst US-Präsident Barack Obama war sich nicht zu schade, in die Show zu kommen, um Stewart auf seine Kosten Witze machen zu lassen.  In Südafrika, wo Hautfarbe und Klassenunterschiede Alltagsthemen  sind, gibt es kaum Tabus für Noah. "Weiße werden nie aus Versehen von der Polizei ins Gefängnis gesteckt, das passiert nur Schwarzen", witzelt er während eines Konzerts seiner Abschiedstournee in Südafrika Ende Juni.

Wenn Schwarze auf eine Polizeikontrolle zufahren, schreiben sie ihrer Familie schnell noch eine Abschieds-SMS. Weiße hingegen bereiten sich schon darauf vor, den Polizeibeamten anzuschnauzen. "Gibt es ein Problem, officer?", grölt er, den südafrikanischen Akzent imitierend.  Der vollbesetzte Saal in Johannesburg biegt sich vor Lachen. Ob Noah, der Sohn einer schwarzen Mutter und eines weißen Vaters, sich den feisten Humor bar jeder politischen Korrektheit auch im US-Fernsehen erlauben können wird, ist noch offen. Nach seiner Nominierung im März erhob sich in den USA schnell ein Sturm der Entrüstung wegen angeblich frauenfeindlicher und antisemitischer Twitter-Beiträge des Kabarettisten.

In Südafrika ist er ein Star

"Ich bin noch nicht bereit für das, was die Leute über mich sagen werden", sagte Noah in einem Interview mit dem südafrikanischen Radiosender 792. Er sei entschlossen, einfach sein Ding zu machen. Der Karriereschritt in die erste Fernsehliga der USA gleicht für ihn einem Sprung von der Klippe: Mut braucht er allemal, ob er Erfolg haben wird, ist noch nicht absehbar. Für seine Shows im Juni und Juli in Johannesburg waren kaum Tickets zu ergattern, es wurden auch noch Zusatztermine anberaumt.

Seine Auftritte in den USA ab Juli hingegen sind jedoch nicht ausverkauft.  Ab 28. September löst er Jon Stewart ab. Wenn er sich dann genauso viel traut wie während seines Gastauftritts in der "Daily Show" im Dezember, dann wird es sicher deftig. Damals feixte er, in Afrika mache man sich aufgrund der drastischen Einkommensungleichheit in Amerika inzwischen wirklich Sorgen. "Wissen Sie was afrikanische Mütter jetzt ihren Kindern erzählen? "Sei dankbar für das, was Du hast, weil in Mississippi jetzt fette Kinder hungern!"

Quelle: n-tv.de, Jürgen Bätz, dpa

Mehr zum Thema