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Warm anziehen für neue AMC-Serie "The Terror" bringt das kalte Grausen

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Die "HMS Terror" und "HMS Erebus" auf dem Weg ins eiskalte Verderben.

(Foto: AMC Networks)

Diese Seefahrt ist nicht lustig: Mitten im ewigen Polareis bleiben die Schiffe der Franklin-Expedition stecken. Dort haben die Seemänner bald mehr zu bekämpfen als nur Kälte. Die Serie "The Terror" erzählt dazu eine nervenaufreibende Geschichte.

Mitten im arktischen Eis gelingt kanadischen Forschern im Herbst 2016 eine Sensation: Nach intensiver Suche stöbern sie in der Victoria Strait vor der King-William-Insel das Wrack der "HMS Terror" auf. Noch immer ist nicht vollständig geklärt, warum das einstige Vorzeigeschiff der britischen Royal Navy vor mehr als 170 Jahren spurlos verschwand. Nun erzählt der US-Sender AMC in seiner neuen Serie "The Terror" seine Version der Geschichte.

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Im englischen Portsmouth ist Frühling, als die Schiffe "HMS Terror" und "HMS Erebus" 1845 auslaufen. Die Pläne der sogenannten Franklin-Expedition sind ambitioniert. Als erste wollen Konteradmiral Sir John Franklin (Ciarán Hinds) sowie seine beiden Kapitäne Francis Crozier (Jared Harris) und James Fitzjames (Tobias Menzies) den nördlichen Seeweg vom Atlantik in den Pazifik, die Nordwestpassage, finden. Für Königin und Vaterland, den Handel und ewigen Ruhm.

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Endstation Packeis: Für die 129 Seemänner beginnt der Kampf ums Überleben.

(Foto: AMC Networks)

Einer Polarexpedition solchen Umfangs sind die "Terror" und die "Erebus" aber nicht gewachsen. Nach wenigen Wochen im Arktischen Ozean ist die Kraft der 129 Seemänner vonnöten, um das Eis zu brechen, zu zerhacken, zu zersägen. Doch die Mühe nützt nichts. Bei Temperaturen um minus 20 Grad Celsius bleiben die Schiffe im Packeis stecken und schließlich eingeschlossen.

Nackte Angst im eiskalten Labyrinth

Die Zahl derer, die sich an der Schönheit des ewigen Eises und der Polarlichter erfreuen können, schwindet rapide. Mit der allmählich wachsenden Einsicht, dass das Eis unbezwingbar ist, schwindet in der Einsamkeit die Hoffnung auf Rückkehr. Nicht nur der Kompass dreht durch, Unmut und Skorbut breiten sich aus. Die Vorräte gehen zur Neige. Woran es den Seemännern nicht mangelt, ist Eis. Und Angst.

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Im Innern der "Terror" haben es Konteradmiral John Franklin (Ciarán Hinds, l.) und Kapitän Francis Crozier (Jared Harris) schön warm.

(Foto: AMC Networks)

Dem Tod sind nicht nur diejenigen geweiht, die ins eiskalte Wasser fallen. Es dauert nicht lange, bis den ersten Matrosen solch ein Schicksal ereilt - es ist ein schönes im Vergleich zu dem seiner Kameraden. Denn irgendwo dort draußen im ewigen Eis lauert der Tod. Zunächst fühlten sich viele Expeditionsteilnehmer nur unbehaglich. Nun packt sie die nackte Angst. Sie scheinen nicht die Ersten zu sein, die an diesem Ort sind. Und damit sind nicht die Inuit, von den Seemännern abschätzig als "Eskis" bezeichnet, gemeint. Mysteriöse Dinge geschehen und irgendetwas Blutrünstiges stellt ihnen nach. Fortan kämpfen sie ums Überleben - und versuchen, im arktischen Labyrinth vor einem unbekannten Wesen zu fliehen.

Ridley Scotts neuester Streich

Nach Erfolgsproduktionen wie "Breaking Bad" oder "The Walking Dead" bringt AMC mit "The Terror" nun einen weiteren Kracher auf den Serienmarkt. Basierend auf dem gleichnamigen Bestseller von Dan Simmons inszeniert Regisseur Edward Berger das mysteriöse Verschwinden der Franklin-Expedition auf eine Weise, die den Zuschauer fesselt.

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Durch die Nächte im ewigen Eis hallen ängstliche Schreie.

(Foto: AMC Networks)

Auch wenn sie zunächst lediglich wie eine aufregende Abenteuergeschichte anmutet, wandelt sich die erste Staffel der Serie ab der zweiten Folge zu einem furchterregenden Thriller. Spätestens als Schmerzensschreie die Nacht durchbohren und das Rätsel um ein unbekanntes Wesen beginnt, entfaltet "The Terror" eine eindrucksvolle, nervenaufreibende Wucht.

Unmissverständlich vermittelt die Serie, in Deutschland bei Amazon Prime Video zu sehen, dass im Angesicht des weißen Todes eine düstere Atmosphäre herrscht. Und die kreiert Berger exzellent. Eine Vielzahl verschiedener Kameraeinstellungen - von der Drohnen- bis hin zur Unterwasseraufnahme ist alles dabei - sorgt für starke Bilder, die das blanke Entsetzen, die Angst und die Verzweiflung der Franklin-Crew dokumentieren. Zudem hat der kluge Einsatz von Akustik erheblichen Anteil daran, dass die eiskalte und beklemmende Atmosphäre direkt ins Wohnzimmer gelangt. So ist Musik nur selten zu hören. Stattdessen intensivieren das Knarren der Balken, das Knacken des Eises und die für sich stehenden Dialoge das Serienerlebnis.

Ach, und dann ist da noch Ridley Scott. Womöglich liegt es an dem Star-Produzenten aus Hollywood, dass "The Terror" sichtbar aufwendig produziert ist. Oder daran, dass die Serie auf einer wahren Geschichte beruht. Zwar wird dies im Horror-Genre inflationär und oft nur semi-wahrheitsgetreu behauptet, doch "The Terror" tut dies bekanntermaßen zu Recht. Das macht die Serie reizvoll. Obwohl die Überreste der "HMS Erebus" und "HMS Terror" 2014 und 2016 gefunden wurden, rätseln Wissenschaftler bis heute, was genau der Franklin-Expedition am eiskalten Ende der Welt widerfahren ist. "The Terror" wird ihnen dabei nicht behilflich sein. Im Gegenteil: Diese Serie fügt der Liste von Legenden ein weiteres, schauriges Kapitel hinzu.

Die erste Staffel von "The Terror" ist abrufbar über Amazon Prime Video.

Quelle: n-tv.de

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