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"Satisfaction" nur mit Fremden? Wenn Sex mit Dritten die Ehe rettet

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Tote Hose? Wir wüssten da was ...

Was passiert, wenn Liebe alt wird? Grace Truman beantwortet sich ihre Unsicherheit mit einem männlichen Escort. Womit sie jedoch nicht gerechnet hat: Dem jungen Adonis könnte ihr eigener Mann bald den Job streitig machen.

Neil (Matt Passmore) und Grace Truman (Stephanie Szostak) sind seit beinahe zwanzig Jahren verheiratet und haben eine gemeinsame Tochter im Teenageralter. Sie sind wohlhabende, weiße US-Amerikaner, doch sie sind unzufrieden. Auf den ersten Blick mag das Setting des jüngsten USA-Network-Dramas ein bisschen flach scheinen. Doch weit gefehlt: "Satisfaction" ist die Serien-Überraschung des Sommers. Auf reizvollem Unterbau entwickeln die Macher der Show ein komplexes System von Moral. In der vergangenen Nacht endete die erste Staffel.

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Was tun, wenn die Luft raus ist?

(Foto: Robert Ascroft/USA Network)

Ein Ausraster im Flugzeug macht Neil über Nacht zum Youtube-Star. Er schmeißt den gut bezahlten Job hin, eilt zu seiner Frau, findet diese leidenschaftlich verrenkt mit einem fremden Mann zwischen den Beinen, Simon (Blair Redford), den sie für Sex bezahlt. Gerade, als man meint, die Geschichte zu kennen - Grace, die Grausame, Neil, der Gehörnte -, geschieht jedoch das Unerwartete. Ein Zufall spielt Neil Simons Handy zu und er beginnt, in dessen Rolle zu schlüpfen und schließlich Simons Kundinnen zu treffen.

Moralisch bewegen sich die Hauptcharaktere in "Satisfaction" nun gleichermaßen auf unsicherem Boden - und damit auf Augenhöhe. Sie sind Suchende, ihr Ziel ist Veränderung. Wonach sie sich sehnen, wissen sie jedoch nicht. "Satisfaction" ist ein düsteres Format, das irgendwie betrübt. Doch das darf gar nicht anders sein. Schließlich scheint eine langjährige Ehe vor dem Aus zu stehen und es ist angenehm erfrischend, ein TV-Format ausnahmsweise mal nicht zynisch-humorvoll auf das Zerbrechen einer Liebe blicken zu sehen. "Satisfaction" ist mehr als die Montage sexueller Begierden. Ihre Macher stellen die provokante Frage: Wie viel Zerstörung ist erlaubt, um eine Liebe zu retten?

If you love somebody set them free

Weder für Grace noch für Neil geht es einfach nur um Sex. Rückblenden erklären das Offensichtliche: Für die Familie hat Grace zurückgesteckt, ihre beruflichen Ambitionen sind verkommen. Ihr Mann versinkt in Arbeit, die Tochter pubertiert. Die Menschen, die ihr die Wichtigsten sind und denen sie doch ebenfalls die Wichtigste sein sollte, haben das Gespür für ihre Belange verloren. "Satisfaction" tut klug daran, jedwedes Urteil zu meiden. Niemand will Grace Böses. Die Show erkennt an, dass Dinge "auch einfach mal so passieren" können, dass es nicht immer Schuldige gibt.

Auch Neil lebt seine neu entdeckte Sexualität nicht nur als regelmäßigen Samenerguss. Wenn er sich mit einsamen Hausfrauen wälzt, dann will er wissen, was sie dazu gebracht hat, für Sex zu bezahlen. Indem er von ihren Beziehungen erfährt, will er über seine eigene lernen. Er beginnt, Grace neu wertzuschätzen, und diese reagiert umgehend auf die unerwarteten Aufmerksamkeiten. "Satisfaction" gelingt es, plausibel darzustellen, weshalb zwei, die sich hintergehen, dann doch vollkommen zueinander bekennen. Neil und Grace wollen ihr Glück nicht alleine finden, doch sie suchen es jeder auf seine Weise. Ist es die Ironie einer postmodernen Liebesgeschichte, dass der Betrug die Liebenden erst näher zusammenbringt?

Gut und böse gleichzeitig

"Satisfaction" studiert die Natur der Ehe in einem Stadium, in dem die Kinder quasi aus dem Haus sind. Die Charaktere sind filigran gezeichnet, extra so konstruiert, um zu zerbrechen. Sie sind gut und sie sind böse gleichzeitig. Vor allem jedoch sind sie authentisch.

So absurd das "Satisfaction"-Szenario zunächst scheinen mag, so aus dem Leben gegriffen ist der Konflikt, den die Protagonisten der Show anbieten, wohl leider nicht. In einer Zeit, in der etwa die Hälfte aller Ehen geschieden werden, fragt man sich schon: scheitern die Paare am Konzept der Monogamie oder scheitern sie tatsächlich aneinander? Scheitern sie vielleicht an Selbstsucht und kann man Rücksichtnahme lernen? Überhaupt: Kann Liebe wirklich neu entflammen und wie kann man sich ihrer versichern? "Satisfaction" stellt die richtigen Fragen, hält sich mit Antworten jedoch bedeckt. Die Geschichte hätte einen hervorragenden Film ergeben, vielleicht eine Mini-Serie. Ob die Handlung mehrere Staffeln trägt, bleibt abzuwarten - und ob sie es in die deutschen Fernsehgeräte schafft, leider auch.

Quelle: n-tv.de

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