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Die größte Band zum Nachlesen "Depeche Mode - Kultband für die Massen"

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Einige von ihnen machten sogar eine Banklehre.

(Foto: LFI)

Sie singen über Sex, Religion und Tod, füllen seit Jahrzehnten die Arenen der Welt und es sieht nicht so aus, als würde diese genug bekommen von Gahan, Gore, Fletcher und Wilder. Ein Bildband beleuchtet das Phänomen Depeche Mode und erzählt eine spannende Bandbiografie.

Ich bin 2017 für Depeche Mode bis nach Athen gefahren, weil ich sie in Deutschland verpasst hatte. "Die treten doch immer wieder auf", könnte man sagen, stimmt, aber in diesem Moment musste es Depeche Mode sein, musste es Athen sein, musste es ganz einfach dieser Moment sein. Und obwohl alles anders war als gedacht, es regnete in Strömen und der Platz war vollkommener Matsch, ist es eines der schönsten Konzerte, das ich je gesehen habe. Voller Bedeutung, voller Symbolik, voller Liebe, voller Erlebnisse. Das geht nicht nur mir so, schon gut, es geht allen so, die zu Depeche Mode auf ein Konzert gehen. Und selbst mein Konzertbegleiter, der vorher kein großer Fan, kein Anhänger und schon gar kein Verehrer der Band war, taumelte glückselig in die Nacht und hörte fortan alles von Depeche Mode, was er bis dahin versäumt hatte.

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"Wir machten uns auf den Weg, um mit Vorschlaghämmern auf Metallstücke zu schlagen." (Gore)

(Foto: Howard Tyler)

Falls Sie also Fan sind, falls Sie Fan werden wollen oder jemanden kennen, auf den diese Beschreibungen zutreffen, dann haben wir hier ein Schmankerl für Sie. Ein Buch, voll mit Fotos von jungen Männern, die sich einmal dachten, dass sie eine Band gründen wollen, wie so viel andere das auch getan haben und immer wieder und immer noch tun. Nur mit dem Unterschied, dass diese Jungs es geschafft haben, zu überleben. Im Showgeschäft, aber auch das Leben an sich.

Die größte deutsche Band ...

Denn eine Band wie Depeche Mode, die hat nicht nur Musik gemacht, die hat ein ganzes Lebensgefühl geliefert, die hat Storys erlebt, die weiß von Leben und Tod, von Sex, Drugs and Rock 'n Roll, von Frauen und Kindern und Konzerten und letztendlich dann auch vom Genuss. Eine Band wie Depeche Mode nimmt den Erfolg nicht einfach hin, sondern ist erfüllt von Dankbarkeit - und das geben sie ihren Fans bei jedem einzelnen Konzert, immer und immer wieder, zurück. Tausendfach.

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"Wir bauten bewusst Atmosphären auf." (Gahan)

(Foto: Jason Sheldon)

Eine Person verbindet man ganz besonders mit Depeche Mode - auch diejenigen, die keine Fans sind, wissen, wer Dave Gahan ist! Der charismatische Sänger feiert 2020, dass er vor 40 Jahren zum Synthesizer-Projekt von Martin Gore und Andrew Fletcher dazustieß. Er war es, der den Namen für die Band fand: Depeche Mode. Der Rest ist Geschichte. Kurz darauf wurden die jungen Soundtüftler entdeckt und schon 1984 feierte die Band mit "People Are People" ihren ersten Nummer-1-Hit in Deutschland. Die Beziehung zu Deutschland sollte während der ganzen Bandkarriere eine ganz besondere bleiben: Nirgendwo sonst auf der Welt kamen mehr Depeche-Mode-Singles in die Top 10. Daniel Miller, ihr Entdecker, soll sogar einmal gesagt haben: "Depeche Mode sind die größte deutsche Band."

Nun - inzwischen könnte Robbie Williams der Band den Rang als größter deutscher Sänger den Rang abgelaufen haben, denn nirgendwo anders als in Deutschland feiert der Brite solche Erfolge und löst solche Hysterie aus, sobald er nur den Raum betritt. Da verzeiht man ihm sogar die eine oder andere Duett-Partnerin. Anyway - Robbie hin oder her, wir schauen hier auf Depeche Mode und ihre beispiellose Karriere, die neben ungeahnten kommerziellen Erfolgen und kreativen Höhenflügen auch von persönlichen Zerwürfnissen und Schicksalsschlägen geprägt war. Aber irgendwie haben sich die Jungs aus einem Kaff namens Basildon, irgendwo zwischen London und Birmingham, immer wieder zusammengerauft.

Unverwechselbar!

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Süüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüß!!

(Foto: Ilpo Musto)

Ian Gittins, der Autor von "Depeche Mode - Kultband für die Massen" schreibt dann auch ganz bezeichnend: "In ihren frühen Jahren waren Depeche Mode alles andere als cool. Sie stammten aus einer farblosen Stadt am Ende der Welt und verkörperten für viele Provinzialität in Reinform." Vielleicht aber ist genau das der Schlüssel dafür, sich so in ihre Fans hineinversetzen zu können. Ihr Hintergrund war spießig, sie waren schüchtern, und bevor aus Dave Gahan ein Sex-Gott wurde und aus den anderen die Macher kühler Elektronik gepaart mit höchst emotionalem Gesang, also bevor Depeche Mode zur weltweit einflussreichsten Synthiepop-Band wurden, mussten sie erstmal ihren eigenen Stil finden. Diesen Stil, der Industrial-Elemente mit packenden Melodien verband und der dafür sorgte, dass sie bei allen späteren Soundexperimenten dennoch unverwechselbar blieben.

Das liegt unter anderem an Dave Gahans markanter Stimme, aber auch an dem besonderen Talent Martin Gores als Songwriter, der mit seinen Ausflügen in tiefste seelische Abgründe den Nerv seiner Zuhörer trifft wie kein anderer. Viel Text und Information bietet "Depeche Mode - Kultband für die Massen", aber wer nicht lesen möchte, der guckt Bilder - ein großes Vergnügen! Von den Milchbubis zu Pop-Göttern - das muss ihnen erstmal einer nachmachen.

Auf 240 Seiten schildert Musikjournalist Ian Gittins die Stationen ihrer Karriere, von den Anfängen bis zur triumphalen "Global Spirit"-Tour, auf der Depeche Mode vor insgesamt 2,3 Millionen Fans spielten und die im Juli 2018 mit zwei ausverkauften Konzerten in der Berliner Waldbühne zu Ende ging. Sie werden sehnlichst zurückerwartet.

Quelle: ntv.de