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Perlen des Lokaljournalismus Wenn sich die Lepra-Gruppe auflöst

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Die Sammlung ist für 9,90 Euro im Buchhandel erhältlich.

Menschen und Frauen, neue Hundekotspender und jeder Dritte stirbt: Die Welt, besonders die Welt des Journalismus, steckt voller Wunder.

Stellen Sie sich vor: Sie hatten heute schon vier Termine, über die sie jeweils einen Text abliefern mussten, Sie mussten Fotos auswählen und Dutzende Texte von Kollegen korrekturlesen. Sie mussten das Layout für diverse Zeitungsseiten erarbeiten, Mails beantworten, ans Telefon gehen, die Redaktion ist ohnehin völlig unterbesetzt und jetzt, kurz vor Feierabend, brauchen Sie dringend noch diese Überschrift. Ohne die können Sie nicht nach Hause. Also: Die örtliche Lepra-Gruppe hält ihre Treffen bald nicht mehr ab. Denken Sie kurz nach: "Lepra-Gruppe hat sich aufgelöst" – warum nicht?

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Ralf Heimann (li.) und Jörg Homering-Elsner

Später, zu Hause, fällt es Ihnen dann wie Schuppen von den Augen, was Sie verzapft haben. Doch die Druckerpressen sind bereits angelaufen. Ralf Heimann und Jörg Homering-Elsner können sich das gut vorstellen. Beide haben lange Jahre in der Lokalpresse gearbeitet und kennen den Druck in Lokalredaktionen, unter dem weitaus öfter Kandidaten für die "Spiegel"-Rubrik "Hohlspiegel" als Diamanten entstehen.

Heimann und Homering-Elsner haben Zeitungsartikel mit Überschriften wie "Beinamputierter auf freiem Fuß", "Veganes Sommerfest im Schlachthof" oder "Ältester Wahlhelfer freut sich auf Dienst an der Urne" gesammelt – bisher in der Facebook-Gruppe "Perlen des Lokaljournalismus". Nun sind sie auch als Buch erschienen. Rund 200 der absurden Meldungen hat der Verlag Heyne in kompaktem Format abgedruckt.

Keine Medienkritik

Die Namen der Urheber der Fundstücke haben die Autoren Heimann und Homering-Elsner geschwärzt. Es gehe ihnen nicht darum, jemanden auszulachen, schreiben sie im Vorwort des Büchleins. Auch hätten sie selbst einige der "Perlen" verzapft. "Menschen machen Fehler. Im Prinzip hat man nur die Wahl, sich darüber zu ärgern oder darüber zu lachen", heißt es dort.

Dass die Ursache von Fehltritten dieser Art oft darin liegt, dass Zeitungsredaktionen angesichts schwindender Auflage personell zum Teil völlig unterbesetzt sind und unter enormen wirtschaftlichen Druck stehen, darauf will das Buch aber nicht hinweisen. "Die Fehler kommen ja nicht nur dadurch zustande, dass die Leute keine Zeit haben", sagt Ralf Heimann. "In dem Buch geht es - wie auf der Facebook-Seite 'Perlen des Lokaljournalismus' auch - nur um den Spaß. Also: keine Medienkritik", schließt sich Jörg Homering-Elsner an.

Fazit der Lektüre: Eine Zusammenstellung absurder Polizeimeldungen ("Unbekannter reißt Zweige von Strauch ab"), ungeschickter Überschriften-Formulierungen ("Kondomautomat mit Ständer geklaut") und vermutlich nicht unbeabsichtigten Texten mit Augenzwinkern ("Auch ohne Kleidung im öffentlichen Raum unterwegs: Nacktschnecke"). Wenn der "Hohlspiegel" Sie zum Schmunzeln bringt, wird Sie dieses Buch ernsthaft zum Lachen bringen.

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Quelle: n-tv.de