Essen und Trinken

Windchill-Alter Auch der Herbst hat schöne Tage

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"Indian summer" im Luisenpark in Mannheim.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Man(n) (und frau) muss zu seinem Alter stehen, alles andere macht’s nur noch schlimmer. Am besten hilft immer noch ein Quentchen Selbstironie.

Es gibt so Tage, da kann man Bäume ausreißen oder Berge versetzen oder alles beides zugleich, "For Ever Young” geht einem nicht aus den Ohren. Dann gibt es aber auch Tage, da fühlt man sich nicht mal so alt, wie man wirklich ist (Gegen das tatsächliche Alter gibt‘s ja jede Menge Chemie.), sondern sogar um mindestens zehn Jahre älter. Kann jeder verstehen, wenn’s um so unangenehme Sachen wie eine Magen-Darm-Grippe geht. Da sieht man am sonnigen Vormittag um elf immer noch aus wie früh um fünf. Diese Tage meine ich nicht.

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Omas backen heutzutage nicht nur den besten Kuchen: Knapp ein Drittel der Senioren hierzulande ist laut einer Umfrage inzwischen online.

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Sondern jene, an denen die Anmeldung beim Orthopäden sagt: "Sie sehen aber jung aus für Ihr Alter.” Ich bekomme dann immer so hervorquellende Augen - und sehe vermutlich tatsächlich so aus wie bei der erwähnten gewissen Unpässlichkeit. Und dabei kennt die mich nicht mal von früh um fünfe!

Diese Komplimente mit "aber” haben es in sich. Man muss damit umgehen können. Das ist reine Übungssache, und nach Midlife-Crisis und diversen Panik-Attacken wächst man irgendwann (früher oder später) über sich hinaus und denkt in der Sauna oder am FKK-Strand: "Na und? Den Herzinfarkt kriegen die anderen.”

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Auch der Herbst des Lebens lässt sich genießen!

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Denn die Tatsache, dass wir älter werden, ist eine der letzten, auf die man sich total verlassen kann. Nicht nur zu Zeiten von Bundestagswahlen, sondern immer. Es gibt halt sogenannte "ewige” Wahrheiten, daran kann man nichts ändern.

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Agenturchefin Christa Hoehs von "Seniormodels" hat rund 1000 ältere Männer und Frauen in ihrer Kartei, die für Werbespots oder Zeitungsanzeigen gebucht werden können. Immer mehr Senioren arbeiten als Statisten und Models.

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Wer glaubt, Super-Models sehen tatsächlich aus wie Super-Models, kennt die Macht der Technik nicht: Ausleuchten, Weichzeichner, Retusche etc. pp. Im normalen Leben haben die auch Pickel und Augenringe! Das Humorvollste und Ehrlichste, was ich jüngst dazu gelesen habe, stammt von der britischen Schauspielerin Sienna Miller, 27 Jahre jung und absolut sexy: "Für Nacktszenen leuchten sie einen endlos aus um sicherzustellen, dass man all die Dellen und Pickel nicht sieht, und zuletzt pudern sie einem noch den Hintern ab. Sexsymbol? Von wegen! Eines Tages werde ich aufwachen und merken, dass ich fett geworden bin und mein Hintern bis zum Boden hängt.” DAS ist Charakter! Und Humor, der als Schwimmgürtel bis zum Ende des Lebens trägt. An der Stelle mit dem Hintern muss ich übrigens immer in Paris Hilton denken. An die zukünftige P. H. natürlich. Eine gewisse Häme inbegriffen. Wie gesagt, man muss dazu stehen: Nur ein Viertel der Frauen kauft die Jeans, die sie in die Umkleidekabine mitgenommen haben …

Frauen finden sich übrigens immer zu dick, vermutlich galt das dazumal selbst für "Twiggi”. Bei einer Studie der Universität Pennsylvania schätzten 25 Prozent der befragten Damen ihre Hüften, Brust und Taille dicker ein als sie in Wirklichkeit waren. Wer da denkt, das hänge mit dem im Vergleich zu Männern angeblich schlechter entwickelten räumlichen Denken zusammen, der irrt gewaltig: Die gleichen Frauen schätzten bei einer Kontrollaufgabe die Maße einer Kiste ziemlich genau!

Dabei reden sich Ernährungswissenschaftler schon geraume Zeit den Mund fusselig, dass ein paar richtig portionierte Pölsterchen schlau, sensibel, sexy und gesund machen. Und wer will denn mehr?

Greifen Sie also hemmungslos zu, und zwar an diesem Wochenende zu einem feurigen "Mexikanischen Chili-Hähnchen":

Zutaten (4 Personen):

1 Brathähnchen
100 g durchwachsenen Speck
2 Orangen
4 Möhren
5 Chili-Schoten
5 entsteinte Backpflaumen
5 süße Mandeln
4 Nelken
4 Pfefferkörner
1 Stange Zimt
Je 1 Prise Thymian und Majoran
1 TL Salz

Zubereitung:

Die Chilischoten aufschlitzen und von Kernen und Scheidewänden befreien (wird sonst allzu scharf) und im Herd oder in einer Pfanne rösten, bis die Haut blasig wird.

Den Bauchspeck in hauchdünne Streifen schneiden, in einer Kasserolle auslassen und fast das gesamte ausgebratene Fett in eine Schüssel geben. Die Speckscheiben warm stellen. In dem restlichen Fett in der Kasserolle zunächst die Chilies, dann die Mandeln, Pflaumen, die Gewürze und Kräuter braten, in einem Sieb abtropfen lassen und auch in die Schüssel zu dem Fett geben.

Die beiden Orangen auspressen und zusammen mit etwa 0,2 l Wasser pürieren, bis eine dickliche glatte Soße entsteht. Die Soße salzen. Die Möhren säubern und in Stücke schneiden.

Das gesäuberte Hähnchen portionieren, ringsum mit Salz einreiben und in dem Restfett in der Kasserolle von allen Seiten goldgelb anbraten. Dann die Fleischstücke in eine feuerfeste Form legen, am besten eng aneinander, die Möhrenstücke ringsherum legen, das Gewürz-Fett aus der Schüssel darüber gießen. Die Form gut verschließen und in der auf 180 Grad vorgewärmten Herdröhre etwa 1,5 Stunden schmoren.

Ist das Fleisch gar, die Stücke herausnehmen und warm stellen. Den Bratfond mit der Orangen-Soße ablöschen und kurz durchkochen und dabei gut verrühren.

Die Fleischstücke in die fertige Soße wieder einlegen, den ausgelassenen mageren Speck darüber krümeln und alles mit Tortillas oder Reis auf den Tisch bringen.

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Bunt verfärbt sind die Weinberge um Gimmeldingen bei Neustadt an der Weinstraße.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Viel Spaß im "goldenen Herbst" wünscht Ihnen Heidi Driesner.

Quelle: ntv.de