Essen und Trinken

Im Bett, im Büro und anderswo Brutstätten des Lasters blühen überall

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Stillleben mit Kaffee: Einem solchen Genuss kann sich kaum einer entziehen.

(Foto: Marianne J./pixelio.de)

Fast alle tun es. Immer wieder. Manche sind süchtig danach, andere glauben an ein Geschenk Gottes. Suchenden verhilft das Laster möglicherweise zu neuen Horizonten, zu einem neuen Lebensgefühl. Dazu muss man weder ein erfahrener Schlucker noch ein liederliches Weibsbild sein.

Manchmal ist die nächtliche Frage "Kommst du noch auf einen mit nach oben?" der Beginn von etwas Wunderbarem, von etwas ganz Neuem. Leider kann die Umsetzung der Frage in die Tat auch das Ende einläuten. Und das kommt nicht nur auf die Güte des Kaffees an!

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Der "Türkentrank" ist das Lieblingsgetränk der Deutschen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Das schwarze Gesöff begleitet uns - jedenfalls die Kaffeetrinker - von morgens bis abends. Die Nachfrage machte den Kaffee zum zweitwichtigsten Handelsgut nach Erdölprodukten. Der steile Aufstieg war zum Teil gekennzeichnet von Überproduktion und Kaffeeverbrennung, um den Preis zu halten. Während der beiden Weltkriege sank der Konsum und die Preise brachen ein. In Deutschland wurde Kaffee nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges zu einem Symbol des "Wirtschaftswunders": Kaffeetrinken hieß, sich wieder etwas leisten zu können. Inzwischen ist Kaffee nach Angaben des Deutschen Kaffeeverbandes mit einem jährlichen Pro-Kopf-Verbrauch von 150 Litern das Lieblingsgetränk der Deutschen.

Von 1962 bis 1989 galt ein Weltkaffeeabkommen, um die Kaffeepreise zu stabilisieren. Dieses relativ sozialverträgliche Abkommen wurde bis heute nicht wieder installiert, und die Kaffeepreise unterliegen seitdem dem freien Spiel von Angebot und Nachfrage.

Der Unterschied zwischen Ziegen und Menschen

Über die Entdeckung der anregenden Wirkung des Kaffees gibt es viele Legenden. So soll schon um 850 herum ein Hirtenjunge in Äthiopien bemerkt haben, dass seine Ziegen besonders lebhaft herumhopsten, wenn sie Beeren von bestimmten Sträuchern gefressen hatten. Mönche kosteten daraufhin die Früchte, waren aber von dem bitteren Geschmack enttäuscht und warfen sie ins Feuer. Dann geschah das Wunder: Es verbreitete sich ein köstlicher Duft! Die Mönche klaubten die nun gerösteten Beeren aus dem Feuer und probierten noch mal einen Aufguss, der vorzüglich mundete und munter machte. Sie priesen ihn als Geschenk Gottes, weil sie durch das Gebräu beim Beten nicht einschliefen.

In einer anderen Geschichte waren es jemenitische Ziegen im 13. Jahrhundert, die die Wirkung des Kaffees verspürten. Aber das ist wohl der "zweite Aufguss" der Kaffee-Legende, denn die Heimat des Kaffees ist nun mal Äthiopien. Vermutlich zu Zeiten Mohammeds gelangte die Kultur des Kaffeetrinkens nach Arabien. Der neue "Wein des Islam" begeisterte die Perser durch seine anregende Wirkung, denn echter Wein ist gläubigen Moslems verboten. Die Bezeichnung Kaffee stammt vom altarabischen Wort Qahwah - "das Erregende" - ab.

1615 brachten venezianische Kaufleute die ersten Kaffeesäcke nach Westeuropa. Das geschäftstüchtige Bürgertum feierte den "großen Ernüchterer", der aus Trunkenbolden zuverlässige Arbeiter machte. Es dauerte noch bis 1683, bis der Kaffee nach Wien kam. Als die Türken ihre Belagerung der Stadt abbrechen mussten, ließen sie 500 Säcke Kaffee zurück und ein findiger polnischer Kaufmann eröffnete damit das erste Wiener Kaffeehaus.

Nur Verstand oder auch Libido?

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Dem Kaffee wird nachgesagt, den Verstand zu beflügeln.

(Foto: picture alliance / dpa)

Verweilen wir ein wenig bei der Erregung, denn da scheiden sich wieder einmal die Geister. Das Anregende im Kaffee ist das Koffein, ein Alkaloid mit starker Wirkung. Mitunter heißt es, Koffein wirke allgemein stimulierend, steige nicht nur zu Kopfe. "Kaffee belebt die Phantasie", beschrieb der amerikanische Maler und Illustrator Frederick S. Cozzens (1846-1928) die Empfindungen nach dem Genuss des Getränks. Ob aber das Koffein nicht nur Treibstoff für den Intellekt, sondern auch das Erregende für die sexuellen Kräfte ist, ist wohl mehr als fraglich. Das hieße ja, jedes Büro wäre eine Brutstätte des Lasters! Denn außer in Kaffeehäusern wird Kaffee am meisten in Büros getrunken. Und da sollten doch tatsächlich mehr Geist und Phantasie sprühen als Sex … Der zu Hause ans Bett gebrachte Morgenkaffee gehört in eine andere Kategorie, dieses Geschehen kann durchaus stimulieren, was aber weniger am Kaffee, sondern mehr an der Servicekraft liegt.

Aus dem alten Persien war sogar die Kunde vom absoluten Gegenteil gedrungen: Kaffee sei ein "Mittel gegen die Geilheit". Um 1700 veröffentlichte ein "zimlich erfahrner Caffe-Schlucker" ein Büchlein "Caffe- und The-Logia, oder Kurtze Anzeigung und Beschreibung dieser Geträncke, worinnen enthalten, wie die Liebhaber des Caffe- und The-Trinckens sich aufführen, und ihre Wasser-Debauchen auff den Caffe-Häusern verrichten". Der erfahrene Schlucker verbreitete darin die persische Erkenntnis, dass sich starker Kaffee "als vortreffliches Antidotum amoris oder Vertreibung des Liebes-Kitzels" bewährt habe. Da können ja alle Büro-Chefs beruhigt aufatmen.

Doch von der anti-erotischen oder gar niederschlagenden Wirkung des Kaffees fand sich in den Kaffeehäusern von Paris, Wien und Den Haag Ende des 17. Jahrhunderts keine Spur - im Gegenteil, sie galten als Brutstätte des Lasters. Ein "Frauenzimmer-Lexicon" warnte vor den losen Damen: "Kaffeemenscher heißen die liederlichen Weibsbilder, so in Kaffeehäusern das Mannsvolk bedienen und ihm alle willigen Dienste erweisen."

Freudige Gefühle garantiert

Möglicherweise rührt die Vorstellung, Kaffee sei ein Aphrodisiakum, von der Art der arabischen Zubereitung her - nämlich mit Gewürznelken, Safran und Kardamom, die bekanntlich zu den Aphrodisiaka gehören. Ist das nur eine Geschmacksfrage oder soll damit die "niederschlagende" Wirkung neutralisiert werden? Das wissen nur die (Kaffee-)Götter.

Vermutlich sind es überhaupt die Zutaten, die Eros aus der Reserve locken könnten: nicht nur Gewürze, sondern auch ein Cognac oder ein Whisky, Kirschlikör oder Kakao finden sich mitunter in den Kaffeetassen. Ein britischer Sir T. H. Herbert entzog sich 1629 mit seinem Bekenntnis zum Kaffee recht elegant einer Festlegung auf an- oder erregend: Kaffee "vertreibt Melancholie, trocknet Tränen, mildert Ärger und erzeugt freudige Gefühle." Belassen wir's dabei. Bleibt die Erkenntnis, dass Kaffee ein geselliger Trank ist - und das ist ja mitunter der Beginn von etwas Wunderbarem…

Kaffee trinkt man entweder heiß oder ganz kalt. Was so an gekühlten Kaffeegetränken in den Supermarkt-Regalen steht, ist tatsächlich "kalter Kaffee" und bewegt sich an der Grenze des Zumutbaren. Probieren Sie doch mal an heißen Tagen einen

Café Frappé speciale

Zubereitung:

Zutaten (pro Person):

50 ml starken Espresso
10 ml kalte Milch
3 cl Irish Cream
5 g Zucker
4 Eiswürfel
1 EL Schlagsahne (geschlagen)
evtl. Schokoladensauce

Geben Sie die Eiswürfel in einen Mixbecher und gießen Sie den frisch gebrühten heißen Espresso dazu. Schütteln Sie den Becher einige Sekunden, damit sich der Kaffee sofort abkühlt. Geben Sie den gekühlten Espresso, den Zucker, den Likör und die Milch in einen elektrischen Mixer und schäumen Sie alles gut durch. Den Frappé in ein Glas füllen, ein Schlagsahnehäubchen aufsetzen und nach Belieben mit der flüssigen Schoko-Sauce verzieren.

Viel Spaß beim Genießen wünscht Ihnen Heidi Driesner.

Quelle: ntv.de