Essen und Trinken

Viel Lärm um ein gewisses Etwas Das Ei ist hart!

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Loriots berühmtes Eiergezänk ziert eine Briefmarke.

(Foto: Wikipedia)

Kaffeewasser aufgießen und Eier in die Pfanne hauen kann jeder. Oder doch nicht? Loriots maulenden Hermann kennen wir alle. Ein bisschen Kunstfertigkeit sollte frau schon einsetzen, um den Mann ihrer Träume weichzukochen. Katharina die Große kannte derlei Geheimnisse gut, sie wusste genau, was zur Stimulierung oder auch als Restaurationsmittel an die Bettkante kam.

Wer heutzutage heiratet, kauft nicht mehr die Katze (oder den Kater) im Sack. Jedenfalls in unseren Breitengraden. Da weiß man vorher, ob er zumindest Kaffee kochen kann und sie Eier. Wobei frau natürlich wieder mal den schwierigeren Part abbekommen hat, denn was sich so einfach anhört, ist eine Kunst. Denken Sie nur an Loriots "Das Ei", wobei es irgendwann weniger um das Unvermögen geht, ein Ei richtig zu kochen, sondern vielmehr darum, völlig aneinander vorbeizureden. Der Disput am Frühstückstisch gipfelt bekanntermaßen in Bertas Erkenntnis "Gott, was sind Männer primitiv!" und in Hermanns Mordgelüsten. Der Sketch ist so bekannt und beliebt, dass 2011 die Deutsche Post sogar eine Briefmarke mit einem Szenenbild aus dem Zeichentrickfilm herausgab. Übrigens als Wohlfahrtsmarke.

Eier so zu kochen oder zu braten, dass sie die richtige Konsistenz haben, ist also eine Kunst. Noch mehr Können verlangt die Zubereitung eines Omelettes und Spitzenkunst ist es, ein Soufflee zuzubereiten und es zu servieren, bevor es zusammenfällt. Für Alexandre Dumas ist ein Omelette für die haute cuisine, was ein Sonett für die Poesie ist. Die Hühnerprodukte verlangen sanfte Behandlung - sprudelnd kochendes Wasser oder rauchendes Fett nehmen sie sehr übel. Im 16. Jahrhundert schrieb der Historiker Benedetto Varchi sogar eine ganze Abhandlung darüber, wie Eier zu kochen sind. Es gab Zeiten, in denen mussten Köche, die sich um eine Anstellung bewarben, Eier zur Probe kochen. Getreu dem Motto: "Ehe dir ein Koch beschieden, gib ihm erst ein Ei zu sieden. Kann er's - bist du stets zufrieden." Bevor Sie sich also fest binden, machen Sie die Eierprobe!

Kochkunst ohne Eier ist einfach undenkbar, und nicht nur das. Seit der Frühzeit ist das Ei Symbol für Fruchtbarkeit, steht für Manneskraft und Fleischeslust. Wenn da auch viel (Aber)glaube im Spiel ist, so ganz von der Hand zu weisen ist die Libido fördernde Wirkung von Eiern nicht. Unter der Schale - und es ist egal, ob die Eier von Hühnern, Straußen oder Wachteln stammen - verbirgt sich Protein in hohen Mengen, und das ist bekanntermaßen dem Liebestrieb sehr zuträglich. Und so hält sich seit Jahrhunderten die Überzeugung, dass Eier lahmen Lenden wieder Schwung verleihen. Ungeachtet von Kultur und Epochen werden deshalb rohe Eier geschlürft, mal mit Rotwein, mal mit etwas Cognac, mal mit scharfen Gewürzen verrührt. Die Ausführungen von Scheik Nefzaui in seinem "Garten der Düfte" lassen an der Potenz der Eier keinerlei Zweifel: "Wer eine ganze Nacht tätig sein möchte … brate eine gute Anzahl Eier in frischem Fett und Butter, und wenn sie durchgebraten sind, mische er Honig darunter. Isst er davon mit einem Stück Brot so viel er kann, dann wird er die ganze Nacht hindurch imstande sein, zu lindern und zu erfreuen." Der weise Scheich setzte sicherheitshalber hinzu: "Mit der Hilfe Allahs."

Katharinas Geheimnis

Auch Damen von gewissem Ruf wussten Eier sowohl zur Stimulierung als auch als Restaurationsmittel nach großen sexuellen Leistungen einzusetzen. Sogar die russische Zarin Katharina II. bediente sich der aphrodisierenden Kraft der Eier. Die Monarchin, der man zahlreiche Liebhaber nachsagte (mehr als 20 sind namentlich bekannt), erfreute sich ein Leben lang einer erstaunlichen Vitalität und bester Gesundheit. Bis zum Ende ihrer Tage mit 67 Jahren stand sie um 5 Uhr früh auf um zu regieren und sie regierte Russland immerhin über 30 Jahre. Spät abends reichte ihre Energie dennoch für etliche Liebesspielchen aus. Ihr letzter Liebhaber war bei Katharinas Tod etwa 40 Jahre alt.

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Das Porträt der Zarin von Richard Brompton hängt in der Eremitage in St. Petersburg.

(Foto: Wikipedia)

Das Frühstück der Zarin bestand übrigens aus einem Kaviaromelette und Tee mit Wodka. Den Wodka können Sie ja weglassen, falls das am Morgen fehl am Platze erscheint. Aber die kleinen Fischeierchen nicht, denn die sind eines der berühmtesten Aphrodisiaka. Katharinens Eierspeise ist also nur zu empfehlen, liegen doch damit gleich zwei Muntermacher auf dem Teller. Die frivolsten Gedanken über ein Omelette fand ich bei Isabel Allende: "Eine frisch gebackene Omelette kann Gesang für den Geist sein, vergleichbar nur der Flöte des Fakirs, wenn die Schlange vor ihm aus dem Korb hochsteigt, aufrecht und kraftvoll. Auf den Straßen Indiens sah ich aus weiser Entfernung mehrere dieser Kobraverzauberer und musste immer denken, wenn sie diese Macht über eine Schlange haben, was könnten sie noch mit ihrer Musik hochhexen?"  Versuchen Sie’s ganz einfach mal mit einem

Omelette der Zarin

Zubereitung:

Zutaten (2 Personen):

6 frische Hühnereier
4 Scheiben Räucherlachs
1 Schalotte
2 EL Butter
2 EL Creme fraiche
50 g Kaviar
Salz, Pfeffer, Toastbrot

Die Eier mit Salz und Pfeffer verquirlen. Die Schalotte putzen und sehr fein hacken. Die Hälfte der Butter in einer großen Stielpfanne bei Mittelhitze zerlassen. Die zweite Hälfte in einem extra Pfännchen zerlassen.

Die verquirlten Eier in die große Stielpfanne hineingeben. Wenn die Masse am Boden halb gar ist, lösen Sie das Omelette vorsichtig vom Pfannenboden. Auf eine Hälfte die Lachsscheiben legen, darauf die Schalottenwürfelchen. Die zweite Hälfte darüberklappen. Könner ihres Fachs schleudern nun das Omelette hoch in die Luft, fangen es umgedreht wieder auf und braten es goldbraun von beiden Seiten. Ich sehe mich dazu außerstande, es sei denn, eine Renovierung der Küche oder ein Friseurbesuch stehen an. Ich lasse das zugeklappte Omelette noch ein wenig in der Pfanne und drehe es dann behutsam auf die andere Seite und lasse es bei ausgeschalteter Herdplatte noch etwas ziehen. Es darf im Innern aber nicht zu fest werden (Denken Sie an Loriot!) Ein gutes Omelette ist innen pflaumig-weich, alles andere wäre eine Schuhsohle. Von außen soll es goldig-braun sein, nicht zu dunkel.

Das fertige Omelette mit der zerlassenen Butter bestreichen und auf einen vorgewärmten Teller legen. Den Kaviar auf das Omelette geben und mit frischem Toastbrot und der Creme fraiche servieren. Und dann müssen Sie mit dem Partner teilen oder von einem Tellerchen essen oder gleich zwei Omelettes herstellen. Übrigens muss es nicht der echte Kaviar vom Stör sein, Forellen- oder Lachskaviar sind auch recht lecker.

Viel Erfolg wünscht Ihnen Heidi Driesner.

Quelle: n-tv.de

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