Essen und Trinken

Bauch, Beine, Po Das Problem liegt im Gehirn

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Offenbar völlig stressfrei. Das bleibt aber meistens nicht so.

(Foto: Hans-Peter Reichartz_pixelio.de)

Jeder hat Problemzonen, sogar die Bundesregierung. Alle versprechen uns Lösungen: Das Fitness-Studio beim Bierbauch, die Politik für so ziemlich alles, was zwischen Altersarmut und Kinderbetreuung liegt. Das ist recht schwer zu meistern, wogegen sich andere Probleme mitunter von selbst erledigen.

Jeder sieht Problemzonen anders. Was die eine zu viel hat, unterfüttert die andere mit Silikon. Wir quälen uns auf Laufbändern und Steppern, um Bauch, Beinen und dem Allerwertesten Modelmaße zu verpassen, verpassen dabei aber oft das Schönste im Leben: den Genuss. Wir rudern wie die Blöden und stemmen Gewichte - das Winkefleisch aber bleibt uns treu. Das ist so ähnlich wie mit dem Gras in meinem Garten: Da kann ich mähen und mähen, nach 14 Tagen ist es so hoch wie vor meinem schweißtreibenden Einsatz. Da lob ich mir das "Straßenbegleitgrün" vor meinem Grundstück: Das reduziert wegen pflegerischer Missachtung sein Wachstum auf ein Minimum.

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Beim Elefanten o.k. - aber bei unseresgleichen?

(Foto: Rike_pixelio.de)

Den neidvoll auf die Stars und Sternchen Blickenden sei gesagt: Auch die haben Problemzonen. Victoria Beckham zum Beispiel kann ihr Hinterteil nicht leiden: "Er mag vielleicht in Jeans gut aussehen, aber nackt ist er wirklich hässlich", sagt "Posh Spice" über ihren Po. Das beruhigt mich ungemein. Außerdem ist meine Problemzone Nr. 1 wohl doch eher der Garten als der Hintern; obwohl … Sie sehen: Problemzonen sind vielfältig. Bei meiner verfressenen Katze Hanni ist es der stets blank geleckte Futternapf, und die Union hat die FDP. Das Problem von Hanni ist lösbar.

Unlösbar scheint mir auch das Problemchen von Nachbars spindeldürrem Töchterlein Cheyenne-Peaches zu sein. Das Kind, das dem Alter nach keines mehr ist, ist auf der Suche nach dem Sinn des Lebens. Sie wolle Model werden, verriet es mir neulich, denn alles andere "is ja woll nüscht. Und denn such ick mir ‘nen reichen Mann." Ich wollte dem Next-Model mit dem klugen Spruch meiner Freundin Fira "Die Reichen sind dick gesät, aber dünn aufgegangen" und dem Hinweis, dass das Model-Sein ein Knochenjob ist, wenigstens zu einem kleinen Nachdenkanstoß verhelfen, aber Pustekuchen. Was die These kluger Ärzte unterstützt: Die eigentliche Problemzone ist das Gehirn. 

Diäten machen krank

Meine Lieblingswerke im Bücherregal Sparte "Diäten und andere Unsinnigkeiten" sind "Diätlos glücklich" von Nicolai Worm und "Das egoistische Gehirn" von Achim Peters. Herrlich entspannend und das schlechte Gewissen wegen Rotwein und Chips löst sich in Wohlgefallen auf (wenn man nicht übertreibt). Der Lübecker Adipositas-Spezialist Peters geht nun in einem neuen Buch gegen den "Mythos Übergewicht" vor und erklärt, warum die Rundlichen länger leben als die Dünnen. Und bevor Sie nun alle Hemmnisse über Bord werfen und sich täglich auf Schweineschmalz, Cola und Sahnetorte stürzen - das bleibt ungesund, zumindest in der Masse. Peters geht es um das "Wohlfühlgewicht", also ein leichtes bis mäßiges Übergewicht, das sich laut allen Statistiken eher lebensverlängernd als verkürzend auswirkt. Enorme Fettleibigkeit bleibt ungesund und verkürzt das Leben. Peters geht es darum zu erklären, dass nicht Übergewicht per se negativ ist oder krank macht, dass es ein Irrglaube ist, dass dünne und sehr sportliche Menschen gesünder und leistungsfähiger sind als leicht bis mittel übergewichtige Personen.

Übergewicht ist laut Peters kein persönlicher Makel, sondern eine Folge von Stress - also normal und erstmal nichts Schlimmes in unserer stressigen Welt. Der Wissenschaftler geht dabei vom Energiebedarf des Gehirns aus, der von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich sein kann. Wenn der Stress überbordet und auch noch dauerhaft ist, reagiert das Gehirn mit einem Überlastungsschutz. Der aber ist hoch energetisch und so steigt der Hunger des Gehirns nach "Treibstoff" stark an - und der Mensch isst. Nur so können der Gehirnstoffwechsel und das auf Dauer krankmachende Stresshormon Cortisol ausgeglichen gehalten werden. Dicken gelingt das leichter, Dünne sind gefährdeter.

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DAS meint Professor Peters nicht mit Wohlfühlgewicht.

(Foto: imago)

Die Gewichtszunahme sei allerdings kein Symptom einer Stresserkrankung, so Peters, sondern bereits ein Teil der Problemlösung, weil sich das Gehirn so vor den negativen Auswirkungen von Stresshormonen schützt. Wer nun meint, seinen Problemzonen mit einer Diät zu Leibe zu rücken und so "zu gesunden", der bewirkt genau das Gegenteil: Er wird noch kränker, weil er die Schutzfunktion des Gehirns unterläuft. Infolge dessen fährt das Stress-System hoch und das Risiko zum Beispiel für Herzinfarkte und Schlaganfälle steigt deutlich. Eine Langzeitstudie weist erstmals nach, dass toxischer Stress die Lebenserwartung um mehrere Jahre verkürzt. Etwa die Hälfte aller Menschen wird bei toxischem Stress dick. Peters rät Betroffenen zur Ursachenerforschung und -bekämpfung: Was stresst mich und wie kann ich das abstellen? Und außerdem ganz wichtig: Mit der in die Jahre gekommenen und veränderten Figur Frieden schließen, denn alles andere fährt den Stress noch mehr hoch.

Die Reduktion von Stress ist also das, was der Gesundheit wirklich dient. Damit kann sich übrigens auch das "Normalgewicht", das durchaus höher als der BMI liegen darf,  wieder einpendeln und das ganz ohne stressige Diäten. Zugegeben, die Dicken sind nicht so beweglich und haben Schwierigkeiten vor allem mit den Kniegelenken, bekommen Arthrose. Aber die Dünnen erleiden häufiger Infarkte und Schlaganfälle, und das ist viel schwerwiegender. Peters Fazit: "Die dünnen Menschen sterben früher, die Dicken leben länger. Das Dickwerden ist der Preis, den sie für die Stressabwehr zahlen."

Eine super Methode, innerlichen Stress abzubauen, ist übrigens das Kochen. Nicht für 20 Mann, aber für zwei oder auch vier. Süppchen-Rühren ist unheimlich entspannend. Ich habe mir mal die Mühe gemacht und versucht, meine Lieblings-Thai-Suppe nachzukochen. Ich habe sie erstmals im besten Thai-Restaurant, das ich rings um Berlin kenne, in Wildau geschlürft und seitdem bin ich süchtig danach: Chilischarf, limettensauer und zitronengrasfrisch, einfach himmlisch und absolut stressfrei. 

Tom Yam Gai (Thailändische Zitronengrassuppe)

Zutaten (2 - 4 Pers):

1 l Geflügel- oder Gemüsebrühe
3 cm Thai-Ingwer (Galgant)
6 Kaffir-Limettenblätter
2 St Zitronengras
2 St Frühlingszwiebeln
2 St Koriander mit Wurzeln
2 Hähnchenbrustfilets
10 St kleine Champignons
3 St grüne oder rote Thai-Chilis
3 EL Limettensaft
2 EL Fischsauce
1 Prise Zucker

Zubereitung:

Gemüse und Kräuter säubern und putzen. Vom Koriander die Wurzeln abtrennen, das Kraut hacken und beiseite stellen. Galgant in dünne Scheibchen schneiden. Champignons vierteln, Zitronengras und Frühlingszwiebeln in 2 -3 cm lange Stücke schneiden. Die Filets der Länge nach halbieren und dann in dünne Scheiben schneiden. Die Brühe (bitte frische und keine gekörnte o. ä.) mit Galgant, Korianderwurzeln, Kaffirblättern, Zitronengras, Frühlingszwiebeln und Chilis zum Kochen bringen und etwa 5 Minuten leise sieden lassen. Vorsicht mit den Chilis: Die Suppe soll zwar scharf, aber nicht zu scharf werden.

Nun die Pilze, das Fleisch und die Fischsauce zufügen, aufkochen und etwa 5 Minuten gar ziehen lassen. Mit Limettensaft und etwas Zucker abschmecken. Die Suppe soll scharf, sauer und leicht salzig sein. Die Balance müssen Sie selbst finden, indem Sie mit Limettensaft, Fischsauce, Chili und Zucker variieren.

Die fertige Suppe mit dem gehackten Koriander bestreuen. Als Vorsuppe reicht die Menge für 4 Personen. Als sättigende Portion reicht sie nur für 2, dann auch noch Duftreis dazu reichen und gegebenenfalls mehr Fleisch und Pilze einsetzen.

So punktgenau wie "bei meinem Thai" habe ich die Suppe nicht hinbekommen. Sie schmeckt etwas anders, aber nicht minder lecker. Vielleicht verrät mir die Köchin ja mal ihr Rezept.

Viel Spaß beim entspannenden Köcheln wünscht Ihnen Heidi Driesner.

Quelle: ntv.de