Essen und Trinken

Unkeuscher Shootingstar Das Schattendasein hat ein Ende

Die alten Römer müssen für vieles herhalten, doch mit dem Leben und dem Lieben kannten sie sich vermutlich wirklich aus. Das geben jedenfalls etliche historische Niederschriften wieder. Vieles, was wir heute über Kräuter und Gewürze wissen, wussten auch schon die besagten "alten” Römer. Und sie wussten ihr Wissen anzuwenden.

Sicher kennen Sie Rucola. Dieses "moderne” mediterrane Grünzeug, was so eine Art Shootingstar in der neuen deutschen Küche ist. Stimmt gar nicht, denn die antiken Römer kannten natürlich auch Rucola, "eruca” hieß die Pflanze damals. Aber auch unsere eigenen Altvorderen brachten "Rucola” auf den Tisch, denn nichts anderes als Rucola ist die alte deutsche Rauke. Sie ist nur über die Jahrhunderte etwas in Vergessenheit geraten. Das hat vielleicht seine Gründe, wie Sie gleich erfahren werden.

Rom liebte diesen Geschmack (und liebt ihn noch heute): nussig, scharf und leicht bitter, in der Summe eine aufregende Würzigkeit.

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Moderne Statue Ovids in Sulmona.

(Foto: RaBoe/Wikipedia)

Vorstellbar ist, dass dabei ganz andere Ambitionen eine Rolle spielten, wenn "eruca” auf den Tisch kam. Denn seit der Antike galt der aus dem Mittelmeerraum stammende Rucola nicht nur als sehr beliebtes Gemüse und Würzmittel, sondern er wurde auch als Aphrodisiakum sehr geschätzt. Nicht von ungefähr empfahl Publuis Ovidius Naso in seiner "Remedia amoris” die "geilmachenden Rauken” zu meiden, falls "Mann" mal frei sein wollte von Liebesverlangen. Ob der gute Mann das im Selbstversuch erfahren hat, ist unkannt, bekannt ist er aber als Dichter Ovid und Fachmann in Liebesdingen.

Keine Bange, die Mengen, die hierzulande an Rucola verzehrt werden, reichen ganz sicher nicht, um aus dem Ruder zu laufen. Ohnehin sollte Rucola wegen seines hohen Nitratgehalts nicht in Unmengen verzehrt werden. Um den Nitratgehalt des Salates zu verringern, sollte Rucola nur ganz frisch und vorsichtig dosiert verwendet werden. Wenn Sie die dicken Stiele entfernen, reduzieren Sie ebenfalls den Nitratgehalt.

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Auch die kleinen weißen Rucola-Blüten sind essbar.

(Foto: © hans-thomas / PIXELIO)

Die Beimischung von Rucola in grünen Salaten ist typisch für die italienische Küche, vor allem in der Toscana wird Rucola in vielen Gerichten verwendet. Von dort kommt auch der Name "ruca" oder eben die Verkleinerungsform "rucola".

Bis zu ihrer Wiederentdeckung als Rucola führte die Rauke in unseren Landstrichen eher ein Schattendasein. Sie war auch wegen ihres leicht bitteren Geschmacks und der etwas harten Blätter nicht sonderlich beliebt. Bekannt ist Rauke allerdings schon sehr lange, hatte aber offenbar durch die Jahrhunderte hindurch einen schlechten Ruf. Zwar würdigte man im Mittelalter ebenso wie schon der römische Arzt Galen auch die heilenden Kräfte der Rauke, im Mittelpunkt stand aber stets die Eigenschaft, dass Rauke zur Unkeuschheit "reytze", wie man im 16. Jh. noch genauso lesen konnte wie bei Ovid. Der Leibarzt von Jacob I. von England Matthias Lobelius wusste zu berichten: "Einst bot ein Charlatan den Samen der Senfrauke den Mönchen eines Klosters feil und pries ihn als Mittel gegen die Trägheit an. Die Mönche nahmen ihn und wurden genötigt, ihr Gelübde zu brechen."

Die "aufregende" Wirkung der Raukesamen war im Kloster natürlich nicht beabsichtigt, denn eigentlich heilten die Mönche damit Husten und behandelten Quetschungen. Die Samen geben nämlich besonders viel Senföle ab. Senföl (auch in den lanzettartigen, gezackten Blättern enthalten) wirken antibakteriell und verdauungsfördernd. Rucola ist außerdem reich an Vitamin C und Beta-Carotin. Kalium und Natrium sorgen für eine harntreibende Wirkung.

Zögern Sie also nicht und bringen Sie Rauke auf den Tisch - wohl dosiert natürlich wie in einem "Pilz-Risotto mit Rucola”:

Zutaten (4 Personen):

400 g Risotto-Reis
200 ml trockener Weißwein
500 ml Geflügelfond
500 g Champignons
250 g Austernpilze
3 Schalotten
4 EL Olivenöl
2 EL Butter
75 g Rucola
40 g geriebener Parmesan
4 TL Zitronensaft
Salz, Pfeffer, Muskatnuss

Zubereitung:

Die Schalotten sehr fein würfeln. 2 EL Olivenöl erhitzen, die Schalottenwürfel und den Reis etwa 2 Minuten darin andünsten. Mit dem Weißwein ablöschen und reduzieren lassen. Nach und nach den Geflügelfond zugeben und unter Rühren bissfest garen.

Champignons in feine Scheiben schneiden und die Austernpilze und mundgerechte Stücke teilen. Die geputzte Rucola in feine Streifen schneiden.

Die restlichen 2 EL Öl erhitzen und die Pilze in 3 bis 5 Minuten knusprig braten. Mit Salz und Pfeffer würzen und 2/3 davon gemeinsam mit der Butter und dem geriebenen Parmesan unter das Risotto mengen. Alles mit Salz, Pfeffer und geriebener Muskatnuss abschmecken. Portionieren, die geschnittene Rucola darauf streuen und die restlichen Pilze darauf verteilen. Mit Zitronensaft beträufeln und servieren.

Viel Spaß wünscht Ihnen Heidi Driesner - und beherzigen Sie bitte Ovids Warnung!

Quelle: ntv.de