Essen und Trinken

Nicht alles glauben! Des Deutschen liebstes Kind

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(Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb)

Es ist gesund, macht entgegen landläufiger Überzeugung keinen dicken Bauch oder Hintern, soll als Badezusatz Wunder wirken und eignet sich notfalls als Haarfestiger.

Es gibt Legenden, die sind nicht totzukriegen: das explodierte WC, die tote Oma auf dem Autodach oder der von einer wütenden Witwe für einen Euro verkaufte Mercedes. Es gibt Spinneneier in Kaugummis, Axtmörder auf dem Auto-Rücksitz und explodierte Haustiere in Mikrowellen. Spätestens seit dem Teenie-Horrorfilm "Urban Legend" von 1998 dürften die bekanntesten Legenden geläufig sein.

Sie haben sicher auch Bekannte, die jemanden kennen, der von seinem Freund gehört hat, dass dieses oder jenes dem Freund/Freundin/Nachbarn des Freundes WIRKLICH passiert ist… Nicht alles dieser sogenannten Urban Legends bleibt im Gedächtnis hängen, aber so manches: Denn wer kann schon mit Sicherheit behaupten, dass sich in Hamburgern keine Ratten und in Coladosen keine Mäuse befinden?

Im Internetzeitalter nehmen diese "wahren" Geschichten immer mehr zu und schwirren als sogenannte Hoaxes tausendfach durchs Netz: In Kettenbriefen wird vor dem Handy, das beim Aufladen explodiert, gewarnt oder vor HIV-Nadeln in Kinositzen.

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Na, da glauben wir mal, dass das ein Alkoholfreies ist ...

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Hunderte Gerüchte über Promis kursieren im Internet, bei einigen ist der "Wahrheitsgehalt" sogar glaubhaft: So soll das Lovenstein Institute mit Sitz in Scanton herausgefunden haben, dass George W. Bush mit einem IQ von 91 der dümmste unter allen US-Präsidenten sei (Bill Clinton steht mit 182 an der Spitze. Barack Obama war zur Zeit der "Datenerhebung" 2001 noch nicht US-Präsident.) Der Witz an der Sache: dieses Lovenstein Institute gibt’s gar nicht … Aber in der Medienwelt landauf, landab wurden die "Ergebnisse einer Studie des renommierten Lovenstein Institute in Scanton (Pennsylvania)" publiziert und der "weltbekannte Soziologe Dr. Lovenstein" zitiert.

Eine andere "urban legend", der man WIRKLICH tagtäglich auf der Straße begegnet, ist der Bierbauch. Es gibt ihn tatsächlich, sogar im Duden. Auch den Gegenpol finden wir dort: "Bierarsch - derb für breites Gesäß".

Dicke Bäuche und Ä... gibt’s zuhauf, doch kommen sie nicht vom Bier. Das ist sogar von real existierenden Wissenschaftlern bewiesen worden.

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Übergewichtige junge Männer haben übrigens ein doppelt so hohes Sterberisiko wie Männer ohne zu viele Kilos.

(Foto: picture alliance / dpa)

Das Londoner University College veröffentlichte 2003 eine Studie, bei der Tschechen im Alter zwischen 25 und 64 Jahren untersucht wurden. Die 891 Männern und 1.098 Frauen tranken entweder gar keinen Alkohol oder aber ausschließlich Bier. Bei den Männern lag der durchschnittliche wöchentliche Konsum bei 3,1 Litern, bei den Frauen waren es 0,3 Liter Bier.

Die Wissenschaftler maßen das Taille/Hüft-Verhältnis (WHR) und den Body-Mass-Index (BMI) der Studienteilnehmer und stellten die Daten dem jeweiligen Bierkonsum gegenüber. Das Ergebnis: "Bei Männern stehen Bierkonsum und BMI in keinem Zusammenhang", so die Forscher. Bei den Frauen sind die Ergebnisse sogar noch erstaunlicher: Denn Frauen, die moderat Bier trinken, sind im Durchschnitt sogar etwas dünner als ihre abstinent lebenden Geschlechtsgenossinnen.

Woher kommt aber nun der "Bierbauch"? "Bier hat nach Wasser und Tee die wenigsten Kalorien, daran liegt es also nicht", meint der ebenfalls wirklich vorhandene Prof. Dr. Manfred Walzl von der Landesnervenklinik Graz. Aber: Biertrinker seien "sozial integrierter und kommunikativer als Abstinenzler, sie sind gesellige Menschen. Und wer gern ausgeht, hat ja auch manchmal Hunger. Davon kommen die Kalorien. Das Bier ist ganz und gar unschuldig - den Bierbauch, den gibt's gar nicht."

Die Kalorientabelle zeigt es wirklich: Bier ist weniger gehaltvoll als Apfelsaft, Milch oder Rotwein. Vergleicht man den Gerstensaft mit fester Nahrung, wird die Sache noch deutlicher: Eine einfache Scheibe Roggenbrot mit Butter und Mortadella bringt es mit 357 kcal auf mehr als das Vierfache eines Glases Bier. Das Schlimme aber ist: Bier macht Hunger! Und wer viel Hunger hat, isst meistens mehr als gut ist.

Verantwortlich für den Hunger ist der im Bier enthaltene Hopfen, eine eigentlich gesunde Zutat, denn seine Wirkstoffe schützen vor Zellschäden. Xanthohumol soll sogar (möglicherweise) eine Krebs heilende Wirkung haben. Allerdings: Um eine eventuell pharmakologische Wirkung zu erzielen, müsste man 30 bis 50 Liter pro Tag trinken…

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In der Klosterbrauerei Neuzelle (Brandenburg) wird spezielles Badebier hergestellt. Sechs Liter Schwarzbier, Kräutersud und Bierhefe werden mit dem Wasser in der Wanne vermischt.

(Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb)

Dem Hopfen wird eine appetitanregende Wirkung zugeschrieben, weil er die Magensäureproduktion anregt. Er verführt also den Biertrinker dazu, kräftig zuzulangen. Ob das - neben dem Alkohol im Bier - gut für die Gesundheit ist, muss jeder selbst entscheiden (Alkoholiker sterben 20 Jahre früher!).

Ich entscheide mich an diesem Wochenende für Essen und Trinken in Maßen (am Montag dafür nur Wasser und trocken Brot) und besuche mit Freunden das 14. Internationale Bierfestival in Berlin. Wir probieren natürlich nur einen Bruchteil (versprochen!) der rund 2000 Bierspezialitäten, die mehr als 300 Brauereien aus 86 Ländern auf der 2,2 Kilometer langen Strecke an der Karl-Marx-Allee zwischen Strausberger Platz und Frankfurter Tor bieten.

Wie jedes Jahr gilt es, einen Trick zu beherzigen: Wir treffen uns Samstagmittag und bleiben nur so lange, wie die Besuchermassen überschaubar sind. Denn am späten Nachmittag endet der "Volksfestcharakter" und die Familien mit Baby im Kinderwagen und Opa im Rollstuhl verschwinden. Wenn die Biermeile immer voller wird und dieser Zustand auch auf immer mehr Besucher zutrifft - gehen wir nach Hause. Dann bleibt noch Zeit für den Wochenendeinkauf für den "Berliner Bierbraten" am Sonntag:

Zutaten (4 Personen):

1 kg Kotelettstück mit Knochen
1 Fl Berliner Pilsner (0,33 l)
1 Tl getrockneter Majoran
5 Wacholderbeeren
1 Knoblauchzehe
3 Zwiebeln
Salz, Pfeffer
2 EL Öl
4 EL Schmand
2 TL Speisestärke

Zubereitung:

Den Knochen aus dem Fleischstück schälen und in Stücke trennen. Das Fleisch mit Salz, frisch gemahlenem schwarzen Pfeffer und dem Majoran kräftig einreiben. Zwiebeln und Knoblauch schälen und würfeln.

Öl im Bratgeschirr recht stark erhitzen und das Fleisch sowie die beigelegten Knochenstücke von allen Seiten gut bräunen. Zum Schluss die Zwiebelwürfel (ohne Knoblauch) dazugeben, etwas mitbräunen und mit etwas Bier ablöschen.

Hitze reduzieren, nun erst den Knoblauch (stark gebräunter Knoblauch schmeckt bitter) sowie die zerdrückten Wacholderbeeren zugeben und den Braten bei schwacher Hitze zugedeckt ganz langsam gar schmoren. Dabei immer wieder Bier zugießen und das Fleisch mit dem heißen Fond beschöpfen.

Ist der Braten gar (etwa nach 90 min), das Fleisch aus dem Bratfond nehmen und warmhalten. Knochen entfernen. Den Fond aufkochen (gegebenenfalls etwas Wasser oder noch Bier zugeben), Rückstände von Pfannenwand und -boden ablösen und durch ein Sieb gießen. Speisestärke und Schmand verrühren und den durchgesiebten Bratensaft damit binden. Aufkochen und eventuell nochmals mit Salz und Pfeffer abschmecken.

Das Fleisch portionieren, auf vorgewärmter Platte servieren und die Sauce extra dazu reichen. Dazu passen Salzkartoffeln oder Klöße sowie Sauerkraut, Rahmwirsing oder Rosenkohl.

Tipp: Natürlich können Sie auch ein Kotelettstück ohne Knochen verwenden. Dann brauchen Sie nur 800 Gramm. Die mitgeschmorten Knochen geben der Sauce aber noch zusätzlich Geschmack. Und natürlich können Sie anstelle des Berliner Pilsners auch jedes andere Vollbier verwenden!

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(Foto: © Günter Havlena / PIXELIO)

Viel Spaß beim Bier wünscht Ihnen Heidi Driesner.

Quelle: n-tv.de

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