Unterhaltung
Donnerstag, 10. Februar 2005

Süße Kanonenkugel: "Ich bin ein Berliner"

"Berliner" gibt's überall in Deutschland - nur nicht in Berlin. Hier heißen die "Berliner" nämlich Pfannkuchen. Verlangt ein Berliner in Düsseldorf einen Pfannkuchen, bekommt er zu seinem Entsetzen einen Eierkuchen, der in der Pfanne gebacken wurde, möglichst noch mit Speck und Zwiebeln. Verlangt ein Düsseldorfer in Berlin einen "Berliner", kriegt er meistens eine freche Antwort: "Icke bin een Bärlina, aber wenn Se eenen essen wolln, müssen Se in'n Fannkuchen beißen."

Der "Berliner Pfannkuchen" soll übrigens 1756 "erfunden" worden sein. Ob die Entstehungsgeschichte stimmt, weiß ich nicht. Aber sie ist ganz lustig: Während des Siebenjährigen Kriegs wurde auch ein junger Berliner eingezogen, der aber als wehruntauglich befunden wurde. Er musste jedoch als Bäcker beim Regiment bleiben. Dort erfand er das neue Gebäck, dem er die Form von kleinen Kanonenkugeln gab. Und so dick und rund sind sie noch heute: Ein lockerer Hefeteig, mit Zuckerkruste und Marmeladenfüllung. Es tut der Leistung des verhinderten Artilleristen keinen Abbruch, dass schon im alten Rom ein ähnliches Gebäck existierte, ohne dass es in Berlin bekannt wurde.

Ob Berliner, Pfannkuchen, Krapfen, Kreppel oder Fasnetküchle - die Faschingszeit ist ohne das Schmalzgebäck fast unvorstellbar. Als die Fastenvorschriften noch strenger waren als heute, wollte man bis Aschermittwoch alle noch im Haus befindlichen Eier und Fettvorräte verbrauchen und es sich noch einmal richtig schmecken lassen. So entstand wohl auch der Name "Schmalziger Samstag": An diesem Tag wurde ein großer Vorrat an Krapfen gebacken, der bis Faschingsdienstag reichen musste: "Lustig ist die Fasenacht, wenn die Mutter Küchlein bacht. Wenn sie aber keine bacht, pfeif' ich auf die Fasenacht."

Echte Berliner Pfannkuchen

Zutaten
500 g Mehl
100 g Zucker
100 g Butter
1 Pä Vanillezucker
2 Eier
1/8 l Milch
4 bittere Mandeln oder 1/2 unbehandelte, abgeriebene Zitronenschale
30 g Hefe
Pflanzenfett oder Schmalz zum Ausbacken
Konfitüre oder Pflaumenmus zum Füllen
Kristallzucken zum Wenden

Zubereitung
Die Hefe in lauwarmer Milch verrühren. Diese mit dem gesiebten Mehl, Zucker, Butter, Vanillinzucker, den geriebenen Mandeln oder der abgeriebenen Zitronenschale, 1 Prise Salz und den Eiern zu einem glatten Teig verkneten.

Den Teig in der Schüssel zugedeckt und vor Zugluft geschützt an einem warmen Ort 90 Minuten aufgehen lassen. Noch einmal durchkneten. Etwa 20 gleichgroße Stücke aus dem Teig bereiten, zu Kugeln formen, mit dem Daumen ein Loch hineindrücken und mit Konfitüre/Marmelade füllen (nicht zu viel nehmen!), den Teig über der Füllung wieder gut verschließen. Auf ein bemehltes Brett/Blech legen und 10 bis 20 Minuten gehen lassen. Dann in dem heißen Fett (ca. 180 Grad) unter Wenden ausbacken. Mit der Schaumkelle herausnehmen, abtropfen lassen und in Kristallzucker wenden.

Meine Oma hat übrigens zur Faschingszeit und zu Silvester Pfannkuchen immer so fabriziert: Der Teig wurde ausgerollt und mit einem Weinglas wurden runde Formen ausgestochen. In die Mitte kam der Klecks Marmelade, der Rand wurde mit lauwarmer Milch bestrichen und ein zweiter Deckel kam darüber. Der Rand wurde gut angedrückt. Die gezackten Reste zwischen den runden Formen wurden als "Kräppelchen" wie die Pfannkuchen ausgebacken und von uns Kindern immer noch halb warm weggenascht. Bis die Bauchschmerzen von den zu vielen und noch nicht ausgekühlten Kräppelchen kamen

Viel Spaß wünscht Ihnen Heidi Driesner.

Quelle: n-tv.de