Essen und Trinken

Meine Tage, deine Tage, unsere Tage Ich gedenke, also bin ich?

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Ehre, wem Ehre gebührt.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Frauen haben ihre Tage, Männer auch. Nur anders. Mitunter gemeinsam (Hochzeitstag!), was aber ganz gerne mal vergessen wird. Doch es gibt tatsächlich Tage, denen muss man einfach entkommen.

Was ist heute eigentlich für ein Tag? Samstag, der 18. Februar 2012 - und nichts weiter? Das ist kaum vorstellbar, weil doch eigentlich die 365 Tage eines Jahres alle mit irgendwelchen nationalen, internationalen, regionalen oder religiösen Erinnerungen, Ehrenbekundungen oder Aktionen belegt sind. Offenbar sind doch noch einige "frei", denn zwischen dem 13. Februar, erst in diesem Jahr von der Unesco als Welttag des Radios ausgerufen (bis dato ebenfalls noch unbesetzt), und dem Internationalen Tag der Muttersprache am 21. Februar findet sich weiter keine weltumspannende und vor allem spannende Aktion.

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Mehrere Kirchen behaupten, die Valentinsreliquien zu verwahren, so auch Santa Maria in Cosmedin (Rom).

(Foto: Berthold Werner, cc-by-sa)

Ja, ja, ich weiß - dazwischen lag der 14. Februar, und da bricht immer noch der Valentinstag über uns herein. Vorkämpfer für den "Tag der Verliebten" verweisen gern auf eine historische Dimension dieses Datums, dabei ist der Beginn eher gruselig als romantisch. Der römische Priester Valentinus wurde nämlich am 14. Februar 269 enthauptet. Er soll im heidnischen Rom Rosen an Verliebte verschenkt und verbotene christliche Trauungen vollzogen haben. Erst seit dem 15. Jahrhundert gilt der 14. Februar nicht mehr als Unglückstag. Valentinus von Terni wurde zum Heiligen der Kranken und Verliebten (was mitunter aufs Gleiche hinausläuft). Heutzutage ist der Valentinstag mehr ein Super-Tag für Blumenläden, Pralinenhersteller und Parfümerien, obwohl der gemarterte Valentinus nie mit Rosen und Weihrauchfass, sondern nur mit Hahn und Schwert dargestellt wird.

Hosenbeine, Schlafmützen und globales Knutschen

Der 18. Februar ist also wirklich noch verschont geblieben von dem Wunsch nach ehrendem Gedenken etwa an die Jogginghose (21. Januar), die Luftpolsterfolie (jeweils am letzten Januarmontag), die Tiefkühlkost (6. März) oder das hochgekrempelte Hosenbein (18. August).

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Auch noch so viel Nachdenken offenbart nicht den Sinn einiger Gedenktage.

(Foto: Daniel Stockman, cc-by-sa)

Wobei sich bei mir der Gedenke, ich meine natürlich Gedanke, einschleicht, dass es den Erfindern der jeweiligen Ehrentage weniger um den Kotau vor dem zu Ehrenden, sondern mehr um einen eigenen Tag der Tage geht. Sonst hätte man getrost mit ein paar Zusammenlegungen noch einige gedenkfreie Tage mehr schaffen können: Das hochgekrempelte Hosenbein würde doch wunderbar zum Tag des Fahrrades am 3. Juni passen oder der Tag des Kusses am 6. Juli zum Weltknuddeltag (21. Januar). Zwischen dem (deutschen) Tag des Schlafes und dem (internationalen) des öffentlichen Dienstes liegen im Juni gerade mal zwei Tage. Das hätte man doch verhindern können! Weltschlaftag ist übrigens jeder 3. Freitag im März. Ein Weltbeischlaftag muss noch erfunden werden. Ist der 29. Februar noch frei?

Auch Welt-Veganer (1. November) könnten sich bei ein wenig gutem Willen mit Welt-Vegetariern (1. Oktober) verbrüdern. Immer dieses Kasten(ge)denken! Ebenso könnte man das Auf und Ab der Leibesfülle an einem Tag abfeiern und den Weltnudeltag (25. Oktober) mit dem Internationalen Anti-Diät-Tag (6. Mai) verknüpfen. Gönnerhaft könnten die Verfechter ungetrübter Lebensfreude die Anhänger einer gesunden Ernährung mit ins Boot nehmen und kurzerhand den von diesen besetzten 7. März freischaufeln. Natürlich für ein anderes Gedenken. Das haben Butterbrot und Kaffee schließlich auch geschafft und sich auf den letzten Freitag im September geeinigt.

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Erfinderin des Weltputzfrauentages ist die Schriftstellerin Gesine Schulz, deren Romanfigur Karo Rutkowsky putzen geht und nebenbei Kriminalfälle löst.

(Foto: dapd)

Gedenken zu erfinden ist gar nicht so schwierig (Tag des Erfinders ist übrigens am 9. November). Dass man weder das Grundgesetz der Bundesrepublik noch die UN-Menschenrechtscharta bemühen muss, um einen Ehrentag auf die Menschheit loszulassen, hat längst eine Essenerin bewiesen, die den Welt-Putzfrauentag für den 8. November ausrief. Am 21. März gibt es allerdings schon den Welttag der Hauswirtschaft. Aber die ganze Wirtschaft ist ja mehr als nur Putzen…

Nichts und niemand bleibt verschont

Fast alle haben ihre Tage: Putzfrauen, Huren und Hebammen, Schneemänner und Zöllner, Lehrer und Wissenschaftler, Fremdenführer und Verbraucher, Bier und Buch und das geistige Eigentum; Organ- und Blutspender und alle Ehrenamtlichen sowieso. Krankheiten von Alzheimer und Asthma über Bluthochdruck, Diabetes und Hepatitis bis Rheuma und Schlaganfall sind versammelt. Der menschliche Körper bietet in seiner göttlichen Vielfalt so einiges: Nieren, Venen, Lungen, Augen, Zähne (…) haben ihre Tage. Was bin ich froh, dass die Leber (20. November) nicht mit dem Vatertag (Himmelfahrt) verwurstet wurde! Obwohl: gepasst hätt‘s schon…

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Freiheit für alle Käfighühner! Auch ohne Gedenktag.

(Foto: picture-alliance/ dpa/dpaweb)

Frauen (8. März) an sich und Mütter ( 2. Sonntag im Mai) im Speziellen haben ihre Tage. Auch Männer werden mehrmals bedacht, nicht nur am "Tag des Herrn": Einen Internationalen Männertag gibt es am 19. November und einen Weltmännertag am 3. November (???). Der plausible Unterschied: Ersterer wurde 1999 von Trinidad und Tobago eingeführt, der Männergesundheit wegen. Der am 3. November kam ein Jahr später auf Initiative von Anthropologen der Uni Wien und unter Schirmherrschaft von Michael Gorbatschow in die Kalender. Wegen der Männergesundheit - what else?

Natürlich wird auch mehrmals der Kinder gedacht: An alle am 1. Juni (gleichzeitig Weltmilchtag), an die alkoholgeschädigten am 9. September und ein eigener Tag wird der Eltern-Kind-Entfremdung am 25. April eingeräumt. Aktionstage haben Zugvögel und gequälte Labortiere, Schildkröten und Katzen, Feuchtgebiete allerarten, außer den literarischen, der Baum und noch mehr Bäume, nämlich der Wald und außerdem noch der in den Tropen, Berge und Meer, Wind, Sonne, Boden, Wasser und Dürre, die Ozonschicht, das Wetter und die Erde insgesamt - sieht da jemand noch durch?

Von der ganzen Recherche habe ich jetzt Rücken (15. März), Kopfschmerzen (5. September) und brauche unbedingt 1. Hilfe - aber nicht erst am 2. Samstag im September. Der Tag des Notrufes ist leider mit dem 11. Februar schon vergangen. Ich ziehe jetzt den Internationalen Tag der Händehygiene zeitlich vor (sinnig: 5.5. wegen der 5 Finger an jeder Hand), wasche mir selbige gründlich und schmaddere ein bisschen mit einem ehemals glücklichen Hühnchen herum. Ich pfeife auf den vergangenen und vergessenen Valentinstag und erkläre den morgigen Sonntag zum "Tag des scharfen Huhns", denn es gibt

"Chicken à la Cajun"

Zubereitung:

Zutaten (4 Personen)

1 küchenfertiges Hähnchen oder Hähnchenteile
2 Zwiebeln
2 Tomaten
1 kleine Sellerieknolle
1 Glas trockener Weißwein
2 Knoblauchzehen
3 EL Olivenöl
1 TL Honig
4 TL Cajun-Gewürzmischung
etwas Salz

3 EL Olivenöl mit 1 TL Honig und den gepressten oder sehr klein gehackten Knoblauchzehen in einer Schüssel verrühren. Cajun-Gewürzmischung selbst herstellen (siehe Kasten) oder fertig gekaufte verwenden.

Die gesäuberten Hähnchenteile in einen Gefrierbeutel legen, großzügig mit Cajun-Gewürzmischung bestreuen und die Öl-Honigmischung in den Beutel dazu geben. Alles schön von außen durch den Beutel gut einmassieren, so dass das Fleisch überall von dem Gewürz und dem Öl bedeckt ist. Den Beutel zudrehen und das Fleisch im Kühlschrank über Nacht marinieren.

Cajun-Gewürzmischung

2 getrocknete Chilischoten (oder mehr...)
1 TL weiße Pfefferkörner
1 TL schwarze Pfefferkörner
1/2 TL Kreuzkümmel
1 TL getrockneter Thymian
1 TL getrockneter Oregano

Alle Gewürze außer Thymian und Oregano ohne Fett leicht anrösten, bis sie duften. In einem Mörser fein zerstoßen oder in einer Mühle mahlen. Mit dem Thymian und dem Oregano mischen und in einem Glas gut verschlossen und dunkel aufbewahren.

Am nächsten Tag das Fleisch in dem Beutel salzen und nochmals durchkneten. Tomaten, Zwiebeln und die Sellerieknolle würfeln und in eine Auflaufform geben. Den Weißwein angießen.

Darauf die Hähnchenteile platzieren (Haut nach oben). Die Form mit Alufolie abdecken und alles im Ofen bei 180 Grad 45 Minuten garen. Die Folie entfernen und alles bei 200 bis 250 Grad bis zum gewünschten Bräunungsgrad grillen.

Dazu schmeckt am besten Reis oder einfach frisches Weißbrot. Viel Erfolg an ganz normalen und sehr speziellen Tagen wünscht Ihnen Heidi Driesner.

Quelle: ntv.de