Essen und Trinken

Der Neandertaler in uns Käpt'n Keble verbietet "Teufelszeug”

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Charles, Prinz von Wales, und Camilla, Herzogin von Cornwall, zu Besuch bei Schrebergärtnern. Camilla bekommt zu ihrem Geburtstag einen riesigen Gemüse-Korb geschenkt.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Beim Essen scheiden sich die Gemüter, nicht nur die von Vegetariern und Steakliebhabern. Auch bei Kohl oder Knoblauch, Gas- oder Holzkohlegrill, Wein oder Bier scheiden sich die Geister. Spanische Forscher fanden heraus, dass sich der Geschmack von prähistorischen und modernen Menschen ziemlich ähnelt. Das ist vermutlich kein Wunder, belegt doch das Leipziger Neandertaler-Genom-Projekt, dass der wohl weltweit populärste Urmensch zwischen einem und vier Prozent zu den Genen der heutigen Bevölkerung in Europa und Asien beigetragen hat.

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Dieser ältere Neandertaler steht im Neanderthal-Museum in Mettmann (NRW).

(Foto: picture alliance / dpa)

Die Wissenschaftler des spanischen Forschungszentrums CSIC fanden nun im Erbgut der ausgestorbenen Spezies ein Gen, das genau wie beim modernen Menschen dafür sorgt, dass sein Träger eine Abneigung gegen den Bitterstoff Phenylthiocarbamid besitzt. Dieser Stoff ist zum Beispiel in Rosenkohl, Brokkoli und in einigen Früchten enthalten.

Nach Einschätzung des CSIC lassen die Ergebnisse darauf schließen, dass die Geschmackswahrnehmung für bittere Stoffe schon vor etwa 500.000 Jahren entwickelt war. Beim Neandertaler als auch beim modernen Menschen gibt es aber auch eine rezessive Variante des entsprechenden Gens, die dafür sorgt, dass sein Träger den Bitterstoff - der eigentlich vor dem Verzehr giftiger Pflanzen schützen soll - nicht schmecken kann. Warum diese Variante überlebt hat, ist nach Angaben des CSIC ein "Geheimnis der Evolution”.

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Erntereifer Rosenkohl auf einem Feld im schleswig-holsteinischen Helse.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Warum nun der britische Marinekapitän Wayne Keble Rosenkohl hasst und deshalb das "Teufelsgemüse” verdammt hat, ist unbekannt. Keble bestätigte lediglich, dass er Rosenkohl "hasst” und deshalb die Zubereitung des Gemüses auf seinem Schiff "HMS Bulwark” mit 390 Mann Besatzung verboten hat. Die Behauptung, er fürchte die durch den Genuss verursachten Verdauungsgase unter den beengten Verhältnissen an Bord, wies Keble von sich. Rosenkohl sei "ein Teufelsgemüse und das Einzige, was ich nicht mag und wirklich hasse”, so der Seemann. Über die "Nebeneffekte” des Kohls wisse er nichts, da er ihn nicht esse. Vielleicht ist es ja doch die Neandertaler-Abneigung gegen Phenylthiocarbamid, die Keble zu solche rabiaten Maßnahmen greifen lässt.

Der Brite steht mit seinem Rosenkohl-Hass beileibe nicht alleine da: Kurt Tucholsky hasste nicht nur Nazis, Militär und Lärm - sondern auch Rosenkohl. Wohl prominentester Rosenkohl-Verehrer ist kein Geringerer als der britische Thronfolger. Natürlich liebt Prinz Charles in erster Linie Camilla, das wollen wir gar nicht dran zweifeln, aber eben auch Rosenkohl und Porree.

Tucholsky ist mir zwar näher als der Queen-Sohn, und Käpt’n Keble kenne ich nicht. Beim Rosenkohl allerdings halte ich es mehr mit Charles, dem mein "Rosenkohl mit Walnüssen" vielleicht auch schmecken würde. Er kann sich ja von Camilla noch ein Minzsößchen dazu reichen lassen:

Zutaten (4 Personen):

400 g Rosenkohl
1 mittelgroße Zwiebel
80 g Walnüsse
50 g Butter + 1 EL extra
2 EL Zitronensaft
einige Stiele Majoran

Zubereitung:

Den Rosenkohl in wenig Salzwasser 10 bis 15 Minuten garen. Er sollte gar sein, aber noch bissfest.

Verwenden Sie Feinfrost-Rosenkohl, richten Sie sich bitte nach der Anleitung auf der Packung - kochen Sie ihn aber kürzer als angegeben. Das Gemüse soll nämlich mit Zwiebeln und Zitronensaft fertig garen.

Einige Majoran-Stängel waschen, trocken schütteln, die Blättchen abzupfen und fein hacken. Mit 50 g Butter verkneten und kühl stellen.

Zwiebeln fein hacken und in 1 Esslöffel heißer Butter auf kleiner Flamme anschwitzen. Die Zwiebelwürfel sollen etwas gedünstet sein, aber keine Farbe annehmen. Die Walnusskerne in einer Nussmühle grob zerkleinern oder mit einem scharfen Messer hacken.

Den garen Rosenkohl abtropfen lassen und die gedünstete Zwiebel und 2 EL Zitronensaft zufügen. Den Topf wieder auf die Flamme stellen und das Gemüse vorsichtig umrühren. Dabei die gehackten Nüsse unterziehen.

Die Majoran-Butter in 4 Portionen teilen und auf jeder Rosenkohl-Portion eine Scheibe platzieren.

Zu dieser Gemüsebeilage schmecken Lammkoteletts ganz hervorragend. Vegetarier verzichten auf die Fleischbeilage und nehmen nur Salzkartoffeln oder Kartoffelpüree zum Rosenkohl.

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Die Bulwark" ist ein stolzes Schiff - und rosenkohlfreies Gebiet.

(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Viel Spaß wünscht Heidi Driesner.

Quelle: ntv.de