Essen und Trinken

Schwarze Witwen und tote Tanten Lieber mal in den Koffer gucken

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Eine "Tote Tante" hat durchaus etwas Belebendes.

(Foto: picture-alliance/ dpa/dpaweb)

Reisen bildet. Von den Erlebnissen zehrt man lange, mitunter länger als einem lieb ist. Fotos und Filme landen irgendwann in der Schublade, neue Reisen stehen an. Aber nicht alle Mitbringsel verschwinden sang- und klanglos, manche bringen sich hartnäckig in Erinnerung und bleiben ein Leben lang.

Haben Sie Ihre Sommerreise schon "verdaut"? Oder lauern Sie noch auf den Rest der nicht mitgereisten Familie, um sie mit Fotos und Filmen zu überschütten? Die Adventszeit bietet dafür gute Gelegenheit; es müssen ja nicht immer Krümelkekse auf dem Tisch liegen.

Reisen bildet, das weiß jeder, dessen Herz nicht im Ballermann-Takt schlägt. Die Bekanntschaft mit fremden Kulturen und Landschaften, das Kennenlernen anderer Völker, ihrer Gewohnheiten, ihrer Speisen und Getränke weitet unseren Horizont. Auf der Rückreise sind die Koffer schwerer, nicht nur wegen der Schmutzwäsche, sondern vor allem wegen der vielen Mitbringsel. Mitunter sind darunter welche, die wiegen gar nicht viel, aber dennoch schwer. Die Auswirkungen können so massiv sein, dass es unsere Vorstellungskraft sprengt.

Täglich erreichen fremde Pflanzen und Tiere unseren Lebensraum, den die Eingereisten flugs erobern. Die meisten kommen per Auto, Schiff oder Flugzeug. Nicht alle reisen unbewusst in Kisten und Koffern mit, häufig nehmen Urlauber Samen und Pflanzen mit nach Hause und setzen sie in ihren Garten. Von dort aus verbreiten sich die Exoten weiter, manchmal ziemlich rasant, denn mangels natürlicher Feinde haben sie freie Bahn. Das hatte niemand bedacht, als der Setzling geklaut wurde. Auch Fische, Reptilien, Käfer, Spinnen und andere exotische Tierarten werden illegal mitgeschleppt – werden die "Lieblinge" ihren Besitzern zu groß, setzen sie sie einfach aus. Wissenschaftler gehen davon aus, dass in Deutschland mittlerweile 700 bis 2000 Arten aus unterschiedlichen Tiergruppen (ohne Wasserbewohner) heimisch geworden sind. Es ist also immer gut, nach Fernreisen Koffer und Klamotten über der Badewanne auszuschütteln, und sei es nur aus dem Grund, mitgereiste Kakerlaken loszuwerden. Die allerdings stellen keine Gefahr für unsere Gefilde dar, denn sie sind einfach überall zu Hause.

Bioinvasion ist alltäglich

Die Bioinvasion ist natürlich nicht durch das Ausschütteln über der Badewanne zu stoppen. Sie ist überhaupt nicht zu stoppen, höchstens einigermaßen zu verlangsamen, denn die meisten "blinden Passagiere" kommen im Saatgut, stecken im Verpackungsholz, in Obst- und Gemüsekisten. Die sogenannte Containerbegasung mit Insektenschutzmitteln im Starthafen ist aus Umweltschutzgründen nicht unproblematisch. Der zunehmende Welthandel bietet die beste Voraussetzung für die Verbreitung neuer Arten. Das wärmere Klima hierzulande macht es ihnen leichter, heimisch zu werden. Allein im Hamburger Hafen werden jährlich fünfeinhalb Millionen Container umgeschlagen und in jedem kann etwas darauf warten, endlich ins Freie zu gelangen.

Dass neue Tiere (Neozoen) und Pflanzen (Neophyten) einwandern, ist an sich nichts Neues, allerdings nehmen Vielfalt und Verbreitungsgeschwindigkeit rasch zu. So zählen ursprünglich nordamerikanische Waschbären längst zur einheimischen Fauna. Wenn die Müllcontainer geplündert werden, sind es weniger die Füchse, sondern vielmehr diese eigentlich niedlichen Kleinbären. Zu verdanken haben wir die wachsende Waschbärpopulation dem Nazi-Fiesling Hermann Göring, der 1934 zwei Pärchen in Hessen freisetzen ließ. Ähnlich kam die Bisamratte zu uns, die ein böhmischer Adliger 1905 des Pelzes wegen aus Alaska mitbrachte und auf seinen Ländereien bei Prag freiließ. Selbst Papageien und Sittiche, die ihren Käfigen entkamen, können dank der wärmeren Winter in freier Natur überleben. In Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein kann man sogar auf Nandus treffen, seit ein paar Hähnen und Hennen die Flucht aus einem Privatgehege gelang, sie dem Kochtopf-Schicksal entkamen und sich munter und recht erfolgreich vermehren. Inzwischen sollen es um die 300 Tiere sein, die sowohl Bauern als auch Naturschützern Kopfschmerzen bereiten. Selbst im Bundestag war mal der Nandu schon präsent, das Thema verlief aber wie so viele andere im Sand.

Neozoen und Neophyten können einheimische Arten verdrängen und ganze Landstriche verändern. Zum Beispiel ist unser rotbraunes Eichhörnchen gegenüber dem amerikanischen Grauhörnchen im Hintertreffen, es ist kleiner und weniger robust. Die Grauen plündern die Vorratslager der Roten, die dann schlimmstenfalls verhungern.

Schwarze Witwe vor der Haustür

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Eine Südliche Schwarze Witwe, die vor allem in südöstlichen Bundesstaaten der USA vorkommt.

(Foto: Wikipedia)

Als hätten wir nicht schon "eigene" Spinnen genug – immer mehr dieser Krabbeltiere reisen aus fernen Ländern an und fühlen sich bei uns zu Hause. Erst dieser Tage sorgten Meldungen über wabernde Horden von eingewanderten Riesen-Weberknechten für Gänsehaut. Zumeist sind die Zugereisten für den Menschen harmlos, denn sie machen lieber Jagd auf ihresgleichen oder Insekten. Doch auch immer häufiger werden Kräuselspinnen gesichtet; es sind Giftspinnen und ihr Biss ist schmerzhaft. In den vergangenen 150 Jahren sind bereits 87 neue Spinnenarten nach Europa eingeschleppt worden. Wissenschaftler rechnen damit, dass sich in naher Zukunft pro Jahr eine fremde Spinnenart hier ansiedeln wird, darunter vermehrt giftige.

Noch hat sich die Schwarze Witwe nicht etabliert, doch vermutlich ist das nur eine Frage der Zeit. Denn vorbeigeschaut hat sie ab und zu schon, sich vermehrende Populationen sind jedoch nicht bekannt. Noch nicht … Und das kann dann richtig unangenehm werden.

Vorzugsweise reisen Schwarze Witwen in Bananenkartons, tote Tanten bevorzugen dagegen Kakaokisten. Die Tante ist übrigens weitaus ungefährlicher als die Witwe; sie ist nicht bissig, nicht giftig, was aber nicht zu einem sorglosen Umgang verleiten sollte. Denn auch eine "Tote Tante" hat es in sich!

Eng verwandt ist die Tote Tante mit dem Pharisäer – beides sind nordfriesische Leckereien und an frostigen Wintertagen (natürlich auch an nasskalten Herbsttagen) bestens geeignet, Hände und Seele zu erwärmen. Auf Föhr wird erzählt, dass eine ausgewanderte Insulanerin in der Heimat beerdigt werden wollte und vermutlich mangels finanzieller Mittel in einer Kakaokiste aus Amerika in die alte Heimat verschifft wurde. Auf der Beerdigung von "Tante Elfriede" gab’s dann diesen wunderbar wärmenden Kakao mit Sahnhäubchen – und einem kräftigen Schuss Rum, denn Elfriede war schließlich eine waschechte Friesin:

Tote Tante

Zutaten (pro Person):

1/8 l Milch
1 TL (gehäuft) Kakaopulver
1 TL Zucker
4 cl dunkler Rum (mind. 40 Vol%)
ungesüßte Schlagsahne

Zubereitung:

Kakaopulver mit dem Zucker vermengen. Die Milch erhitzen und die Kakaomischung einrühren. Den Rum erwärmen und in einen Pott gießen, mit dem Kakao auffüllen und mit einer Haube aus Schlagsahne bedecken. An Rum und Sahne sollte keinesfalls gespart werden!

Wer die Tante exotischer haben möchte, hilft mit ein wenig Zimt oder Vanille, Ingwer, Chili oder Orangenschale nach.

Übrigens: Wer genügend Tote Tante getrunken hat, gruselt sich nicht so leicht vor Spinnen! Viel Spaß wünscht Ihnen Heidi Driesner.

Quelle: ntv.de