Essen und Trinken

Die Farben des Frühlings Mit allen Sinnen genießen

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Auf noch kahlen Wiesen künden Krokusse vom nahenden Frühling.

(Foto: picture alliance / dpa)

Noch haben es die Frühlingsgefühle schwer, sich Luft zu verschaffen - die Jacken sind einfach zu dick. Doch die Wetterfrösche versprechen bereits bessere Tage. Bis wieder mehr Haut im Stadtbild zu sehen ist, üben wir einfach ein bisschen.

Die Jacken werden dünner und die Hosen farbenfroher - der Lenz ist im Anmarsch! Sinne und Gefühle beenden ihren Winterschlaf, das Serotonin macht dem Melatonin Beine. Auch küchenwärts machen sich Änderungen breit: Die Sehnsucht nach einer heißen und möglichst gehaltvollen Suppe nach dem Sonntagsspaziergang weicht einem unbändigen Appetit auf leichte Kost mit viel Grün.

Noch haben die meisten Frühlingsblüher kalte Füße, als erste farbige Tupfer erscheinen Schneeglöckchen und Krokusse auf dem noch grauen Land. Es wird noch ein wenig dauern, bis die Wiesen wieder grün sind und Narzissen gelbe Inseln bilden: Intensives Grün und sattes Gelb sind die bestimmenden Farben des Frühlings. Sie machen gute Laune und glücklich, beleben Körper und Geist.

Grün und …

Grün gilt als die Farbe des Lebens und der Pflanzen, sie ist Zeichen der jährlichen Erneuerung der Natur und des Triumphs des Frühlings über den kalten Winter. Grün symbolisiert Hoffnung und Unsterblichkeit. Kein Wunder, dass Grün früher die beliebteste Farbe in Wohnzimmern und Salons war.

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Ein Blick ins weite Grün tut den Augen gut.

(Foto: picture alliance / dpa)

Eine Heilwirkung der Farbe Grün für Körper und Seele wurde bereits von Hildegard von Bingen im Mittelalter erkannt: Grün wirkt beruhigend und harmonisierend. Wandtafeln in Schulen und die Spielfelder von Billardtischen sind grün, weil die Farbe für die Augen angenehm ist. Nicht umsonst empfehlen Ärzte, wenigstens einmal in der Stunde für zehn Minuten die Augen vom PC-Bildschirm zu heben, aus dem Fenster auf möglichst auf grüne Bäume und Büsche zu blicken und zwischen Nah- und Fernsicht die Augen hin- und herschwingen zu lassen.

Dass Grün die Farbe von Hoffnung und Überleben ist, zeigt sich in unterschiedlichen Kulturen und Religionen. Der Prophet Mohammed soll gesagt haben, das Anschauen des Grünen sei Gottesdienst. Daher ist Grün die Kultfarbe des Islam. Christen holen sich im Winter als Symbol der Hoffnung und neuen Lebens einen immergrünen Weihnachtsbaum ins Zimmer. Auch in den Nationalfahnen der meisten Wüstenstaaten findet sich Grün: Das Überleben im endlosen Wüstensand ist nur gesichert, wenn man rechtzeitig eine grüne Oase erreicht.

… Gelb und …

Bei Gelb scheiden sich die Geister. Gelb steht sowohl für das Gedeihen als auch für die Reife - also für Frühling und Herbst gleichermaßen. Obwohl Gelb eine warme Farbe ist, weil mit ihr Sonne und Licht, Wachheit und Kreativität assoziiert werden, wird sie in unseren Breitengraden nur selten zur Lieblingsfarbe gewählt: Sie wird nämlich auch mit Neid, Geiz, Eifersucht, Verlogenheit und Egoismus in Verbindung gebracht. Das ist schon seit dem Mittelalter so. Auch stehen den wenigsten Menschen quietschgelbe Kleidungsstücke gut zu Gesicht. In China dagegen ist Gelb die Farbe der Harmonie und der Weisheit, und im Hinduismus symbolisiert Gelb Wahrheit und Unsterblichkeit.

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Wenn der Löwenzahn in sattem Gelb auf den Wiesen prangt, dann stecken wir mitten im Frühling.

(Foto: picture alliance / dpa)

Obwohl man Gelb allerlei Negatives nachsagt, gilt es dennoch als "Gute-Laune-Farbe": Wer kann sich schon der Heiterkeit eines Sonnenblumenfeldes entziehen? Gelb ist die leuchtendste Farbe im Farbenkreis und steht für Freude und Freiheit, für Gedankenkraft und Erinnerungsvermögen. Gelb soll das Gehirn stimulieren, wachsam und einen klaren Kopf machen und das Nervensystem stärken. Mit Gelb wird das Denken leichter und Lösungen lassen sich schneller finden. Deshalb werden Büroräume gern in einem hellen Gelb gehalten. Gut für Menschen, denen nichts mehr einfällt …

… Grün und Gelb

Nimmt man Grün und Gelb zusammen, dürfte sich ein ganz hübsches Sümmchen an Frühlingshaftem und Positivem ergeben. Der grün-gelbe Klassiker in der Küche ist wohl Spiegelei auf Spinat. Zumal auch das Ei an sich ebenfalls ein Symbol für Ursprung und Schöpfung, Leben und Werden ist, das Fruchtbarkeitssymbol schlechthin.

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Die bei den Araucana-Indianern entdeckten Hühner, die grünliche Eier legen, sind nicht für Käfighaltung geeignet. Ein grünes Ei aus der Legebatterie ist nicht zu erwarten.

(Foto: picture alliance / dpa)

Das Ei ist ein wahrer Alleskönner - ob als ganzes Ei, als Eigelb oder steif geschlagener Eischnee, egal ob im süßen Kuchen oder deftig mit Speck gebraten; die meisten Rezepte kommen ohne Eier nicht aus. Dabei macht es geschmacklich keinen Unterschied, ob ein Ei groß oder klein, die Schale weiß oder braun ist. Ich habe neuerdings sogar Eier mit einer zart- grünlichen Farbe im Kühlschrank, die ich vom "Bauern meines Herzens" aus dem brandenburgischen Gräbendorf in der Nähe von Berlin hole. Diese Eier werden von Araucana-Hühnern gelegt, die gemeinsam mit weißen Leghorn und braunen "Italienern" glücklich im Hof herumscharren. So bin ich sicher, dass ich gute, gesunde und frische Eier kaufe, die von Hühnern stammen, die nicht mit importiertem Fertigfutter gefüttert werden und in Käfigen eingezwängt vegetieren müssen.

Im Kühlschrank halten sich frische Eier gute zwei Wochen, danach sind sie weitere drei bis vier Wochen haltbar, sollten nun aber nur noch zum Backen verwendet werden. Nur wirklich frische Eier sind leckere Frühstückseier. Die Frische kann man folgendermaßen testen: Geben Sie in ein schmales hohes Gefäß einen halben Liter kaltes Wasser, dem Sie drei Esslöffel Salz zusetzen. Dann legen Sie die Eier hinein: Frische Eier sinken sofort nach unten, ein etwa acht Tage altes Ei stellt sich leicht schräg, noch ältere Eier schwimmen im Wasser. Das liegt daran, dass sich im Laufe der Zeit in dem Ei die Luftkammer vergrößert hat. Auch an einem aufgeschlagenen Ei lässt sich die Frische abschätzen: Beim frischen Ei sind Dotter und Eiweiß hoch gewölbt. Mit zunehmendem Alter zerläuft das Eiklar immer stärker, das Eigelb wird flacher.

Beweisen Sie frühlingshafte Kreativität und wandeln Sie das urdeutsche Gericht Spinat mit Spiegelei einmal ab:

Pochierte Eier auf Blattspinat

Zubereitung:

Zutaten (4 Personen):

8 sehr frische Eier
100 ml Essig
2 Lorbeerblätter
1 TL Gewürznelken
1 TL Pfefferkörner
Salz, etwas Zucker

800 g Spinatblätter (oder 600 g Feinfrost)
2 Zwiebeln
2-4 Knoblauchzehen
2 EL Butter
Salz, Pfeffer, Muskatnuss, etwas Sahne

Den frischen Spinat gut waschen und tropfnass in einem großen Topf unter Wenden zusammenfallen lassen. In einen Durchschlag geben und sehr gut abtropfen lassen. Oder leicht abkühlen lassen und ausdrücken. (Verwenden Sie tiefgefrorenen Spinat, erübrigen sich diese Vorarbeiten.)

Die Zwiebeln fein würfeln, ebenso den Knoblauch. Den Knoblauch beiseite stellen.  In einem großen Topf die Butter zerlassen und die Zwiebelwürfel darin glasig dünsten. Den Spinat und die Knoblauchwürfelchen zugeben und alles unter Wenden anschwitzen. Mit Salz, Pfeffer und Muskatnuss kräftig abschmecken. Zum Schluss etwas Sahne unterheben.

Tipp fürs Pochieren

Das gerinnende Eiweiß sollte das Eigelb vollständig umschließen, was ein wenig Übung verlangt. Am besten gelingt das, wenn Sie mit einem Schneebesen das Essigwasser kräftig rühren und so für einen Wirbel sorgen. Jeweils 1 Ei direkt in die Mitte des Strudels gleiten lassen und darauf hoffen, dass sich das Eiweiß durch die Rotation rings um das Eigelb legt.

Für die Eier 3 Liter Salzwasser mit dem Essig, 1 Prise Zucker und den Gewürzen zum Kochen bringen und 10 Minuten köcheln lassen. Den fertigen Sud durch ein Sieb gießen und erneut aufkochen.

Die Eier einzeln in Tassen aufschlagen; dabei darauf achten, dass das Eigelb ganz bleibt. Die Eier vorsichtig in den kochenden Sud gleiten lassen und bei milder Hitze 3 bis 5 Minuten ziehen lassen. Vorsichtig mit einer Schaumkelle herausnehmen und auf dem Blattspinat platzieren.

Dazu passen am besten mehlige Salzkartoffeln. Und es schmeckt noch besser, wenn alles mit ein wenig gebräunter Butter beträufelt wird.

Viel Spaß und einen guten Start in den Frühling wünscht Ihnen Heidi Driesner.

Quelle: n-tv.de

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