Essen und Trinken

Jan im Sack Namen sind nicht immer Programm

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Nicht nur Noah macht große Augen, sondern auch sein Frosch.

(Foto: picture alliance / dpa)

Eltern halten ihre Kinder für einzigartig, das ist ihr gutes Recht, und so gibt es diverse außergewöhnliche Namen. Manche sind per Gerichtsbeschluss erlaubt wie "Mienaatchi", andere nicht wie "Mechipchamueh". Auch Schlüpferstürmer und Tote Oma geben wenig Auskunft über den Träger. Und Froschaugen haben nicht immer etwas mit Lurchen zu tun.

Nomen est omen, doch das stimmt nicht immer. Werdende Eltern haben die Qual der Wahl: Wie nennen wir unser Kind??? Zum Glück ist hierzulande die Zahl ausgefallener Namen nicht allzu groß, dafür sorgen Standesämter und, falls die Eltern klagen, in der Folge auch Gerichte, denn allzu exotische Namen werden zum Schutz des Kindes abgelehnt. Cosma-Schiwa und Emma Tiger sind inzwischen erlaubt, nicht nur bei Promis.

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Keine Angst, Fröschlein! Du kommst nicht in die Suppe.

(Foto: Krizz/pixelio.de)

Auch das Mädchen Mienaatchi darf so heißen. Das Kind mit deutschem Pass trägt den Namen der Gattin des Hindu-Gottes Shiwa; so bestimmten es die srilankischen Eltern. Die Gerichte gaben aus religiösen Gründen statt. Eine große Ausnahme dürfte der Name "Frieden mit Gott allein durch Jesus" bleiben: 1998 erkannte das Oberlandesgericht Bremen diesen Vornamen für einen gebürtigen Südafrikaner an, weil der damals 15-Jährige diesen Namen rechtmäßig im Ausland erworben hatte. Nach deutschem Namensrecht dürfte er nicht gewählt werden. Dass die Meinungen selbst der Gerichte zum Teil weit auseinandergehen, zeigen Mechipchamueh und Winnetou: Das Landgericht Gießen befand, dass ein Kind mit dem indianischen Namen Mechipchamueh der Lächerlichkeit preisgegeben würde. Das Amtsgericht Darmstadt ließ Winnetou als männlichen Vornamen zu. Karl May sei Dank! Cheyenne und Dakota sind übrigens ebenfalls erlaubt, Navajo aber nicht.

Bei Ortsbezeichnungen für Vornamen tun sich die deutschen Gerichte schwer, so fand Woodstock bislang keine Gnade. Vielleicht ändert sich das ja, denn ein Sohn von Fußballprofi Beckham heißt schließlich Brooklyn. Beweise deutscher Heimatgefühle wie Meck-Pomm oder Castrop-Rauxel dürften aber chancenlos sein. Auch Titel wie Lord oder Prinz sind tabu, wogegen König und Königin gestattet sind - allerdings in Fremdsprachen: Roi (französisch für König) ist laut Landgericht Augsburg zulässig, weil schließlich Regina Königin heißt, lateinisch jedenfalls. Tiere und Sachen sind ebenfalls problematisch. Sie dürfen zwar Ihren Wellensittich Heidi nennen, Ihre Tochter aber mitnichten Möwe. Tiger ist nun, wie schon erwähnt, zumindest als Zweitname zugelassen, wenn der Erstname geschlechtsspezifisch ist. Feuerwehr oder Baum, Stone oder Tom Tom fallen durchs Raster; einfach Tom geht natürlich.

Nicht nur das Geschlecht des Kindes muss zweifelsfrei erkennbar sein; zweite Bedingung der Gerichte ist, dass der Name die Würde des Kindes nicht verletzt. So bleiben geistige Irrungen wie Pfefferminze, Borussia, Verleihnix, Wegwanipiu und Rosenherz auf der Strecke. Emelie-Extra und Sundance fanden jedoch erstaunlicherweise Gnade vor Gericht, auch Windsbraut, Pumuckl und Fanta. Aber Achtung: Das gilt nicht überall! Ein Jazzmusiker darf seinen Jungen Jazz nennen, zumindest in Dortmund. Jesus ist für das Oberlandesgericht Frankfurt ein weltweit gebräuchlicher Name, in Mönchengladbach gilt er als nicht eintragungsfähig. Sind Sie Fan von Tom Cruise und Katie Holmes und wollen Ihre Tochter auch Suri nennen, dann machen Sie lieber Urlaub nur in Indien und nicht in Japan. Was im Indischen "Göttin" heißt, bedeutet im Japanischen leider "Taschendieb". Also Vorsicht bei der Namenswahl! Auch die Kombination des schönen nordischen Namens Siv mit dem englischen Phillis zum Doppelnamen sollte aus naheliegenden Gründen tunlichst vermieden werden. Ebenso gibt es zahlenmäßige Einschränkungen: Zwölf Vornamen gehen ja nun gar nicht. Von den Namen "Chenekwahow, Tecumseh, Migiskau, Kioma, Ernesto, Inti, Prithibi, Pathar, Chajara, Majim, Henriko und Alessandro" ließ das Oberlandesgericht Düsseldorf nur die fünf ersten zu. Immerhin erkennbar: eindeutig männlich.

Nur nicht abschrecken lassen!

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Die Sagoperlen müssen noch als solche zu erkennen sein.

(Foto: Wikipedia/mccheng)

"Hübsche" Namen gibt es übrigens auch für eine Vielzahl von Gerichten. Etliche davon wie Königskuchen, Schillerlocken, Windbeutel, Falscher Hase, Arme Ritter, Witwenküsse, Kalter Hund, Liebesknochen, Strammer Max oder Berliner Luft sind nicht nur regional bekannt. Schlüpferstürmer (Eierlikör mit Kirschsaft), Tote Oma (Blutwurst, Kartoffelbrei und Sauerkraut), Karre Mist (Münsterländer Mettauflauf), Besoffene Jungfern (bayerische Mehlspeise), Jan im Sack (norddeutscher Serviettenkloß aus Reis mit Trockenobst), Blaue Zipfel (Bratwurst in Essigsud), Käsefüße (pikantes Käsegebäck) oder Frauenschenkel (türkische Buletten) dürften dem Großteil der Essgemeinde unbekannt sein. Auch Pinkel, Scheißerle und Orgasmus sind nicht immer das, was Sie sich gerade vorstellen.

Eine Suppe lässt mich immer an meine Kindheit denken. Hätte ich damals gewusst, wie die süße Kirschsuppe landläufig genannt wird - ich hätte sie auf keinen Fall gegessen, sondern mich vermutlich vor dem Namen geekelt. Da ich es aber nicht wusste, aß ich sie sehr gern und hatte auch noch meinen Spaß dabei. Denn sehr zum Leidwesen meiner Oma verführten mich die im Mund hin und her glibbernden Sagokörner zu diversen Spielereien. Führen Sie doch Ihre Kinder mit dieser Suppe in Versuchung, egal ob die Sprösslinge Anna und Paul oder Galaxina und Birkenfeld heißen:

Froschaugensuppe

Zutaten (4 Pers):

800 g Sauerkirschen
1 l Wasser
4 EL Sago
4-6 EL Zucker
1 Pä Vanillezucker
½ Stange Zimt
Schale einer ½ Bio-Zitrone

Zubereitung:

Kirschen waschen, entstielen, entkernen und in einen großen Topf geben. Wasser dazugeben, ebenso die Zimtstange und Schale einer ungespritzten Zitrone, den Zucker (nach Geschmack) und den Vanillezucker. Alles etwa 15 Minuten köcheln lassen. Zimt und Zitronenschale entfernen. Sago dazugeben und so lange weiterköcheln, bis die Perlen nicht mehr weiß, sondern durchsichtig geworden sind. Ab und zu umrühren; Sago setzt sich gerne am Topfboden fest. Die Suppe kann kalt oder lauwarm serviert werden.

Die Suppe sollte nicht zu lange kochen, sonst haben Sie keine Froschaugensuppe, sondern eine dicke Pampe. Die kleinen glasigen Stärkekügelchen müssen noch zu erkennen sein. Auch zu viel Sago ist nicht gut, dann bekommen Sie nämlich keine Suppe, sondern einen Pudding.

Wer will, kann die Suppe noch mit Grießklößchen oder Eischneenocken aufpeppen. Falls keine Kinder mitessen, wird die Suppe besonders lecker, wenn die Hälfte des Wassers durch Weißwein ersetzt und die fertige Suppe mit Rum oder Kirschwasser verfeinert wird.

Für die Suppe lassen sich auch Sauerkirschkonserven verwenden: Die Kirschen abtropfen lassen, den aufgefangenen Saft mit Wasser bis zu 1 Liter auffüllen und wie beschrieben kochen. Die abgetropften Kirschen erst zum Kochende zugeben; sie würden sonst zu matschig werden.

Viel Erfolg wünscht Ihnen Heidi Driesner.

Quelle: ntv.de