Essen und Trinken

"Grenzt an Kriminalität" Warnung vor Pestizid-Trauben

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace hat vor dem Verzehr gespritzter Weintrauben gewarnt. In zahlreichen Proben aus deutschen Supermärkten seien nicht nur die Grenzwerte für Pestizidbelastungen überschritten worden, sondern in 11 von insgesamt 77 Proben auch die so genannte akute Referenzdosis (ARfD). Bereits bei einmaliger Überschreitung dieses Wertes bestehe die Gefahr von Gesundheitsschäden, sagte ein Greenpeace-Sprecher am Freitag in Hamburg. Besonders betroffen seien Kinder.

"Nie zuvor fand Greenpeace derart gefährliche Giftmengen im Obst", sagte Greenpeace-Chemieexperte Manfred Krautter. "Würde ein zwölf Kilogramm schweres Kind stark belastete Trauben von Tengelmann essen, wäre schon nach vier Einzeltrauben eine akute Schädigung des Hormon- oder Nervensystems zu befürchten. Der Verkauf solcher Früchte grenzt an Kriminalität." Kinder sind besonders gefährdet, da sie bezogen auf ihr Körpergewicht mehr verzehren und so eine höhere Pestiziddosis aufnehmen als Erwachsene.

Staatssekretär Alexander Müller vom Bundesverbraucherministerium forderte die Bundesländer angesichts der Greenpeace-Ergebnisse auf, sofort zu überprüfen, ob dieses belastete Obst noch auf dem Markt ist. "Wenn die Messwerte richtig sind, dann ist ganz klar: Solche Pestidzidbelastungen sind nicht akzeptabel." Auch der Importeure sollten mehr Stichproben machen. "Solches Obst darf nicht in den Handel gelangen, das ist gesetzlich verboten."

In den untersuchten Proben wurden zudem bis zu 18 Pestizide gleichzeitig nachgewiesen. Somit besteht die Möglichkeit, dass sich die Chemikalien gegenseitig in ihrer Wirkung verstärken. Am häufigsten wurden das Insektenvernichtungsmittel Lambda-Cyhalothrin und das in Deutschland nicht zugelassene, hormonell wirksame Pilzbekaempfungsmittel Procymidon gefunden. Auch in einer von 84 Pfirsich- und Nektarinenproben hat Greenpeace eine Überschreitung des ARfD-Wertes gemessen, hieß es. Die Früchte stammten aus der Türkei und Italien.

Der ARfD-Wert wurde Ende der 1990er Jahre von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) eingeführt. Er beschreibt laut Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) die Menge einer Substanz, die über die Nahrung innerhalb eines Tages oder mit einer Mahlzeit aufgenommen werden kann, ohne dass daraus ein erkennbares Gesundheitsrisiko für den Verbraucher resultiert. Er gilt nur für Wirkstoffe, die die Gesundheit schon bei einmaliger Aufnahme schädigen können.

Quelle: ntv.de