Essen und Trinken

Luther, Venus und der große Zeh Wie man ein guter Liebhaber wird

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Ein bisschen warmmachen für zu Hause kann ja nicht schaden.

(Foto: picture-alliance / dpa)

Sie wissen sich zu helfen, sollte die Liebe mal schlapp machen: Casanova, Shakespeare und auch Woody Allen. Zusätzliches Gottvertrauen, eine dreimalige Drehung im Kreis und ein siebenmaliges Untertauchen in fließendem Gewässer bei Vollmond helfen zwar nicht weiter, schaden aber auch nicht.

Der Mann von heute greift zu blauen Pillen, wenn er will, aber nicht kann. Kann er, hat aber zu oft keine Lust darauf, geht er zum Sexualtherapeuten. Ratsuchende Männer werden laut Statistiken übrigens immer mehr, denn unsere schnelllebige Zeit gibt der Sinnlichkeit immer weniger Raum. Erstmal die Mails checken, dann noch zum Sport, der Einkauf steht auch noch an, die Kinder ins Bett bringen - schlechte Zeiten für die Liebe! Keiner weiß, wie oft oder selten "normal" ist. Was für den einen oft ist, ist für den anderen möglicherweise selten, für den dritten mitunter zu viel. Normal ist zumindest, dass keiner immer Lust haben muss. "In der Woche zwier, schadet weder ihm noch ihr", verkündete schon der große Reformator Luther. Andere Erkenntnisse sind seither offenbar nicht dazugekommen.

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Wahl der falschen Unterwäsche kann im Fiasko enden.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

An Tipps für Mitmenschen, was Männer stark und Frauen schwach macht, fehlt es seit Jahrhunderten und bei allen Völkern dieser Welt nicht. Seit Urzeiten wurden - und werden regional immer noch - Aphrodisiaka als Lustmacher benutzt. Erste schriftliche Hinweise finden sich auf sumerischen Keilschrifttafeln und altägyptischen Papyrusrollen. Kräuter und Gewürze, Obst und Gemüse, Pilze, Käse, Eier und so manches, was zwei oder vier Beine hat, Flügel, Flossen oder Schalen - der (Aber-)Glaube machte (und macht) vor fast nichts Halt. Das "Lexikon der Liebesmittel" beschreibt auf fast 700 Seiten rund 400 Pflanzen, Mineralien und Tierextrakte, die als liebesfördernd gelten.

Ein Mann ist nun mal kein Nashorn

Das Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens verzeichnet allein 40 tierische Aphrodisiaka. So manche Tierart brachte derartiger Glaube an den Rand des Aussterbens. Weil man (oder Mann) die drei bis vier Stunden langen Liebesdienste des Nashorns gern auf sein eigenes Vermögen übertragen hätte, wird seit Jahrhunderten das Horn der Rhino-Bullen pulverisiert und als Potenzmittel gehandelt. Allein dafür werden Nashörner bis heute gemeuchelt und fast ausgerottet - völlig sinnlos: Eine tatsächliche Wirkung des Pulvers beim Menschen-Männchen wurde niemals nachgewiesen. Ein zusätzliches Gebet zum Erzengel Gabriel macht die Sache auch nicht besser. Auch eine dreimalige Drehung im Kreis oder ein siebenmaliges Untertauchen in fließendem Gewässer bei Vollmond sind sinnlos. Viel hilfreicher ist es, an sich selbst zu glauben, denn das wichtigste "Sexualorgan" des Menschen ist immer noch das Gehirn. Woody Allen zum Beispiel kommt offenbar ganz und gar ohne jedwede Hilfe aus: "Ich bin ein so phantastischer Liebhaber, weil ich täglich mit mir selbst trainiere."

Bei vielen der historischen Mittelchen kann einem heutzutage der kalte Schweiß des Entsetzens oder des Ekels ausbrechen: Getrocknete Hoden von Stier, Hirsch oder Hahn im Wein, Spatzenhirn (das gibt zu denken …), Fasanenkot, Blut der Kobra und zerriebene Mumien, um nur einige der leckeren Sachen zu nennen.

Das Mumienpulver "Mumia" wird angeblich seit über 2000 Jahren als Aphrodisiakum verwendet; nach Europa kam das Pülverchen erstmals im 12. Jahrhundert. Noch bis etwa 1920 gehörte es zum Angebot jeder gut sortierten Apotheke. Folglich kann man sich dem Gerücht, dass wegen Mangels von Mumien aus altägyptischen Gräbern auch heimische Moorleichen herhalten mussten, nicht ganz entziehen.

Spanische Fliegen und der große Zeh

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Dummerweise wird die Spanische Fliege leicht überdosiert...

(Foto: Siga, cc-by-sa)

Auch die berühmt-berüchtigte Spanische Fliege ist schon seit Jahrhunderten am Liebesspiel beteiligt. Bei Selbstversuchen sollte man sich immer vor Augen halten, dass bereits die Einnahme von 30 Milligramm des Tierchens genügen, um sich in einen anderen Himmel als den siebenten zu katapultieren: Das Zentralnervensystem wird angegriffen, es kommt zum Versagen von Nieren und Leber, der Kreislauf bricht zusammen. Im antiken Griechenland zum Beispiel wurden Todesurteile mit der Spanischen Fliege vollstreckt. Die pulverisierten Käfer wurden auch ganz gerne bei Mordanschlägen verwendet.

Das Wissen um die potenziell tödlichen Nebenwirkungen der Krabbeltiere hielt jedoch weder Kaiser noch Kurtisanen von deren Einsatz bei ihren Liebesspielen ab, zumal eine gewisse Potenzsteigerung durchaus sichtbar ist: "Wenn man die große Zehe des rechten Fußes mit Öl, in welchem Spanische Fliegen zerkochet, salbet, so wird das membrum virile wunderwürdig starren." Das in den Käfern enthaltene Nierengift Cantharidin reizt die Harnwege massiv und kann somit tatsächlich eine lang anhaltende Erektion hervorrufen, allerdings wenig lustvoll weil schmerzhaft. Dauererektion nicht ausgeschlossen! Dass die Lust auf der Strecke bleibt, hält dennoch nicht vom Glauben an die Spanische Fliege ab. Die in Deutschland verkauften Präparate enthalten den Wirkstoff allerdings in homöopathischen Dosen; in den USA sind Verkauf und Anwendung von Cantharidin-Präparaten verboten.

Was "die Venus aufwiegelt"

Schon immer wurde die Wirkung von Aphrodisiaka den exotischen und damit besonders teuren Mitteln nachgesagt. Im 16./17. Jahrhundert machte man sich mit Kartoffeln und Tomaten scharf, beides auch "Liebesäpfel""genannt. Die Gewächse waren damals so selten und kostspielig wie heutzutage Hummer und Kaviar. Bei den beiden Protein-Kraftpaketen dürfte vermutlich vor allem der Preis erotisierend sein.

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Ein ganzer Kerl: Der Zuchtbock "Casanova" sorgte im Tierpark Berlin für reichlich Nachwuchs bei den Zwergziegen.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Der wohl berühmteste Liebhaber aller Zeiten schwor jedenfalls auf Austern und Wein. Casanova empfahl den Herren der Schöpfung, gut 50 Austern im eigenen Saft zu schlürfen, um die Manneskraft zu steigern. Neben Proteinen enthalten Austern reichlich Zink, das die Produktion des Sexualhormons Testosteron fördert. Und Alkohol senkt bekanntlich die Hemmschwelle und kann dadurch die sexuelle Neugier anstacheln. Aber Vorsicht ist geboten: Bereits bei 0,5 Promille Blutalkohol leidet die Erektionsfähigkeit vieler Männer!

Um 1600 glaubte man in England, dass die Kartoffel "die Venus aufwiegelt". Die Knollen waren selten, teuer und vor allem exotisch, und das genügte bereits für diesen Ruf. William Shakespeare wollte sogar den "Himmel Kartoffeln regnen lassen", obwohl der "süße Schwan von Avon" vermutlich eine Kartoffel weder gesehen noch gegessen hatte. Es wird eher der Topinambur gemeint sein, der im damaligen England als Füllung für Konfekt diente. Auch der Dramatiker hielt die süße Kartoffel für ein teures Aphrodisiakum.

Beim Einsatz von einem Kilo Kartoffeln kommen Sie heutzutage vergleichsweise billig weg. Doch bedenken Sie: Ein vollgefutterter Bauch macht nicht sexy, sondern schläfrig. Auch wenn uns heute der Glaube an "aufwiegelnde" Kartoffeln nur ein müdes Lächeln abringt - gesund sind die tollen Knollen allemal. Und in Kombination mit Nüssen - natürlich ein Aphrodisiakum! - bekommt ein Grillabend bei Vollmond möglicherweise eine ungeahnte Fortsetzung:

Kartoffelsalat mit Nüssen

Zubereitung:

Zutaten (4 Pers)

1 kg kleine Frühkartoffeln
60 g gehackte Haselnüsse
1 Bd Lauchzwiebeln
4 EL Nuss- oder Olivenöl
1 Orange
½ Bd glatte Petersilie
½ TL Dijon-Senf
Salz, Zucker, schwarzer Pfeffer

Die geputzten Frühlingszwiebeln schräg in feine Ringe schneiden. Die Orange auspressen, die Petersilie hacken.

Die Kartoffeln sauber bürsten und in der Schale kochen. Köcheln, bis sie gar sind, dann abgießen, ausdämpfen und halbieren.

Das Öl in einer Pfanne erhitzen und die Nüsse darin kurz rösten. Die Zwiebelringe zufügen und 2 Minuten mitdünsten. Dann den Orangensaft zugeben, aufkochen und 1 Prise Zucker und den Senf darunter rühren. Vom Herd nehmen und die Petersilie unterrühren. Mit Salz und frisch gemahlenem schwarzen Pfeffer abschmecken. Alles heiß über die Kartoffeln geben, kurz durchziehen lassen und servieren. Schmeckt besonders gut zu gegrilltem Geflügel.

Bewundernswerten Erfolg wünscht Ihnen Heidi Driesner.

Quelle: ntv.de