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"Spannender als eine Dildo-Show" Der Sündenpfuhl der Sinderellas

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Nicht nur zum Hinschauen, auch zum Hinhören: The Sinderellas.

(Foto: Matthias Steffen / Christian Barz / Warner Music / Collage n-tv.de)

Ruckedigu, Blut ist im Schuh? Von Wegen! Bei den Sinderellas steckt in den Schuhen vielmehr fünffach geballte Frauen-Power und Erotik. Auf der Bühne wie ihrem Album "Secrets And Sins" vereinen die Damen mit den imposanten Namen Eden, Julietta la Doll, Nathalie Tineo, Lily of the Valley und Belle la Donna Popmusik und Burlesque. Und die drei Letztgenannten bringen einen in der n-tv.de Beichte schon einmal gehörig ins Schwitzen. In das Album können Sie im Player rechts im Text reinhören.

n-tv.de: Die Frage wird euch bestimmt häufiger gestellt: Seid ihr die deutschen Pussycat Dolls?

Lily of the Valley: Nein, das sind wir mit Sicherheit nicht. Die Pussycat Dolls machen nicht das, was wir machen, und haben es auch noch nie. Wir sind die "Sinderellas" und müssen uns nicht mit ihnen vergleichen. Haben sich die Pussycat Dolls eigentlich ausgezogen? Nein, oder? Ich glaube, die Gemeinsamkeiten sind sehr gering.

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Nathalie Tineo

(Foto: Matthias Steffen / Warner Music)

Das, was ihr auf der Bühne macht, firmiert ja unter dem Oberbegriff Burlesque. Was macht denn eine Burlesque-Show konkret aus?

Belle la Donna: Na, wir spielen mit unseren Reizen, den weiblichen Formen und der Erotik. Und hoffentlich regen wir dabei die Phantasie der Menschen wieder an. Die Burlesque ist sozusagen die Großmutter des Striptease. Wir transportieren diesen Retro-Gedanken in die Moderne. Und setzen noch einen drauf - durch unsere eigene, innovative Show.

Lily of the Valley: Die Burlesque ist schon eine Form des Striptease, aber auf eine sehr edle und hochwertige Art. Es geht mehr um das Teasen als um den Strip an sich. Wir ziehen uns nie ganz aus. Die Menschen sollen mit dem Geschmack nach Hause gehen: "Oh, ich hätte so gern noch ein bisschen mehr gesehen. Aber das, was ich gesehen habe, war wunderschön."

Ihr tretet ab sofort im Gruenspan in Hamburg auf. Das kenne ich bisher eigentlich als Konzert-Schuppen. Ein eher ungewöhnlicher Ort für eine Show wie die eure also …

Belle la Donna: Das war eine ganz bewusste Entscheidung. Wir wollten nicht in ein Theater gehen, wie es wahrscheinlich jeder bei einer Burlesque-Show erwarten würde. Wir machen ja keine Show im Sinne von Revue, sondern vermischen alles mit neuen Elementen. Wir wollen ein Konzert und eine Burlesque-Show miteinander vereinen - deshalb das Gruenspan.

Tickets für eure Show werden mit der Altersfreigabe 16 verkauft. Da ist also noch Luft nach oben …

Belle la Donna: Ja, die Show ist nicht wirklich etwas für Kinder. Deshalb ist sie ab 16.

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Lily of the Valley

(Foto: Christian Barz / Warner Music)

Ich meinte das eigentlich eher vom anderen Ende her gedacht, also, dass die Show nicht erst ab 18 ist …

Belle la Donna: Ach so. Ja, aber ich glaube, ab 16 kann man mit dieser Art von Erotik durchaus schon umgehen. Wie gesagt: Wir ziehen uns zwar aus, aber sind nie komplett nackt.

Lily of the Valley: Es ist schon für Erwachsene oder erwachsen werdende Menschen gedacht, die einen gewissen Anspruch an erotische Unterhaltung haben. Und für Menschen, die einen außergewöhnlichen Abend verbringen und sich von uns, unserer Show und unserem Lebensstil inspirieren lassen möchten.

Ihr betont den Anspruch und das "Edle" und "Hochwertige" an eurer Show. Lassen sich die Menschen in Zeiten von "YouPorn" für so etwas überhaupt noch begeistern oder sind sie dafür nicht längst viel zu abgestumpft?

Belle la Donna: Stimmt, die Leute sind abgestumpft. Aber die Frage ist doch: Wollen sie das wirklich sein? Es geht uns ja genau darum, die Fantasie wieder anzuregen und zu wecken. Und darum, nicht nur drei Minuten zu beglücken, sondern zwei Stunden zu beglücken und zu entzücken. Ich denke, der Mensch fühlt sich immer von dem angezogen, was er nicht ganz haben und nicht gleich ganz sehen kann. Diese Neugier ist unsere Message: Back to the roots - und weniger ist mehr.

Lily of the Valley: Ich persönlich finde, dass eine Frau, die einfach nur einen Handschuh auszieht, viel sinnlicher und spannender sein kann als eine Frau, die vielleicht eine Dildo-Show macht. Wir wollen natürlich, dass die Menschen unsere Art von Erotik genießen. Und wer auf Pornos steht … Stimmt, davon gibt es im Internet und überall genug. Aber uns gibt's jetzt erst! (Allgemeines Gelächter)

Gleichwohl bist du, Lily, aber doch als "Lolla Lux" auch in Pornos zu sehen …

Lily of the Valley: Nein, das stimmt nicht. Ich stehe sehr gerne vor der Kamera und habe SM- und Fetisch-Filme gedreht. Für mich sind das aber keine Porno-Filme. Ich war Domina und lebe meine SM-Seite auch immer noch aus - derzeit auf unserer Bühne und im Schlafzimmer. (lacht) Ich mache aus der Sache kein Geheimnis. Ich bin sehr stolz darauf. Und in unserer Show gibt es, sagen wir mal, auch Einflüsse davon zu sehen. Wer vielleicht auf kleine, düstere, erotische Highlights steht, ist bei uns auf jeden Fall auch richtig.

Für mich als Mann ist der Reiz einer Show wie der euren natürlich durchaus nachvollziehbar. Aber was ist eigentlich für euch der Reiz der Show vor lauter sabbernden Kerlen?

Lily of the Valley: Uns selbst zu zelebrieren. Wir lieben uns als Frauen und als Künstlerinnen. Und wir haben Spaß daran, so eine Kunstform auf die Bühne zu bringen.

Belle la Donna: Wir fühlen uns selbst sehr wohl in unseren Körpern. Wir lieben es, zu teasen und Andeutungen zu machen und die Reaktionen des Publikums darauf zu sehen, damit zu arbeiten und zu spielen. Im ersten Moment gibt es eventuell ein paar geschockte Gesichter. Sie dann wieder einzufangen und für sich zu gewinnen, dass sie es genießen können, macht uns allen die vielleicht größte Freude.

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Belle la Donna

(Foto: Matthias Steffen / Warner Music)

Aber die Zuschauer sind schon zum ganz überwiegenden Teil Männer, oder?

Belle la Donna: Nein, eben nicht! Ich würde sagen, das Verhältnis Männer-Frauen liegt so bei 60:40, oft sogar schon bei 50:50. Das größte Kompliment für uns ist es eigentlich immer, wenn danach die Frauen zu uns kommen und sagen: "Ihr wart toll. Ich würde das auch gern machen, ihr habt mich inspiriert."

Lily of the Valley: Ich glaube, jede Frau ist ein bisschen burlesque in sich. Viele trauen sich nur nicht, das so extrem auszuleben wie wir das auf der Bühne machen. Dass wir das Ausziehen immer edel und nie billig präsentieren, wissen gerade die Frauen sehr zu schätzen. Und auch die Kostüme, die Haare und das Make-Up - das hat etwas von dieser Prinzessinnen-Vorstellung. Frauen finden das toll und ästhetisch anspruchsvoll. Sie wissen das zu schätzen, auch wenn sie es für sich selbst nicht machen wollen.

Nathalie Tineo: Man muss vielleicht auch nochmal klarstellen: Wir verwirklichen uns auf viele Weise künstlerisch. Sei es bei den Kostümen, bei den Ideen für die Show, bei der Inszenierung oder bei den Songs, die wir ja auch selbst geschrieben und komponiert haben. Noch dazu singen wir alle. Es geht also nicht nur - in Anführungszeichen - um das Ausziehen, sondern um den Weg dorthin.

Apropos Musik: Vor zwei Jahren gab es mal diesen Film namens "Burlesque" mit Christina Aguilera. Habt ihr den gesehen?

Lily of the Valley: Ja, aber der hatte mit Burlesque wenig zu tun. Jedenfalls mit dem, was wir machen und darunter verstehen.

Belle la Donna: Das war eher ein Christina-Aguilera-Musikvideo als eine Darstellung des urbanen Burlesque. Trotzdem habe ich den Film genossen.

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Julietta la Doll

(Foto: Matthias Steffen / Warner Music)

Der derzeit wohl bekannteste Burlesque-Star ist ja Dita von Teese, mit der Julietta auch bereits mehrfach gemeinsam auf der Bühne gestanden hat. Ist sie ein Vorbild für euch?

Lily of the Valley: Vorbild würde ich nicht sagen, aber Inspiration auf jeden Fall. Dita hat vor allem Türen geöffnet und Burlesque salonfähiger gemacht. Sie macht alles sehr klassisch. Das ist superschön und wir wissen das sehr zu schätzen. Wir treiben die Sache aber ein Stück weiter. Wir sind moderner, wir singen und wir haben eine aus sechs starken Männern bestehende Live-Band mit uns auf der Bühne. Von daher ist unsere Show nicht unbedingt mit einer von Dita zu vergleichen, auch wenn es gewisse gemeinsame Elemente gibt.

Ihr habt schon angesprochen, dass ihr ja auch eure eigenen Songs auf der Bühne präsentiert. Zeitgleich zum Auftakt eurer Shows in Hamburg erscheint euer Album "Secrets And Sins". Was war eigentlich eher da - die Idee zur Show oder die zur Musik?

Lily of the Valley: Das ist ein bisschen wie die Frage nach der Henne und dem Ei. Wir wollten ein Gesamtkonzept. Deswegen war es eine zeitgleiche Entwicklung. Wir haben gemeinsam Ideen gesammelt und mit verschiedenen Songwritern zusammengearbeitet. Manche Lieder sind zu einer Show-Idee entstanden. Manchmal war es andersherum. Alles in allem war das ein sehr langer Prozess - und jetzt sind quasi Zwillinge zur Welt gekommen.

Während die anderen vier ja bereits auf Burlesque-Bühnen gestanden und sich darüber kennengelernt haben, kommt Nathalie aus dem Musik-Umfeld. Wie bist du, Nathalie, denn auf die anderen "Sinderellas" gestoßen?

Nathalie Tineo: Ich habe zumindest Teile des Burlesque 2007 für mich entdeckt, als ich im Friedrichstadt-Palast (Revuetheater in Berlin, Anm. d. Red.) als Hauptdarstellerin gearbeitet habe. Als ich dann anfing, in Hamburg eine Swing-Band zusammenzustellen, beschäftigte mich der Gedanke, etwas mit Burlesque zu machen, immer mehr. Da haben wir uns einfach gegenseitig angezogen. Belle habe ich als erste kennengelernt, dann Julietta im "Queen Calavera" (Burlesque-Bar in Hamburg, Anm. d. Red.). Es war das richtige Timing und das richtige Projekt.

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Eden

(Foto: Matthias Steffen / Warner Music)

Du hast schon mal ein Album mit Dieter Bohlen aufgenommen und warst zum Beispiel auch bereits Background-Sängerin von DJ Bobo. Das würde man im Zusammenhang mit den "Sinderellas" nun nicht unbedingt erwarten …

Nathalie Tineo: Ich bin professionelle Sängerin seit 15 Jahren. Und ich habe nicht nur mit DJ Bobo gearbeitet, sondern auch mit Mick Hucknall von Simply Red, mit Bobby Kimball von Toto und hundert weiteren, die ich dir aufzählen könnte. Ich liebe das Singen. Das ist meine Leidenschaft und mein Beruf. Ich habe lange gesucht, was ich musikalisch machen und wie ich mich darstellen möchte. So bin ich bei den Mädels gelandet. Außerdem habe ich am Album sehr viel mitgeschrieben. Jetzt bin ich da, wo ich musikalisch schon immer sein und wie ich schon immer klingen wollte. Ich bin unheimlich froh, dass das in Erfüllung gegangen ist.

Belle la Donna: Wir auch!

Lily of the Valley: Wir sind alle total glücklich, dass wir uns gefunden haben.

Nathalie Tineo: Und ich bin auch ganz stolz auf die Mädels. Sie haben vorher ja nie gesungen. Aber sie machen das echt super und professionell. Mit einer Liveband auf der Bühne zu stehen, mit In-Ear-Monitoring, mit Choreografie und allem anderen, was dazu gehört, ist eine große Herausforderung. Das haben sie wirklich toll gemeistert.

Das Album ist gut gelungen. Aber ich muss zugeben, dass ich eingangs nicht viel davon erwartet hatte. Natürlich hat man das Klischee im Kopf: Okay, ein paar Mädels, die wenig anhaben, singen halt ein bisschen …

Lily of the Valley: Dazu muss ich gleich mal etwas sagen: Viele Menschen haben das Vorurteil, dass eine Frau, die sich auszieht, sonst nichts kann. Das wollen wir natürlich brechen. Dass eine Frau sich auszieht und zu ihrem Körper steht, muss nicht heißen, dass sie dumm oder untalentiert ist. Wer noch nicht überzeugt ist, kann gern zu unserer Show kommen und sich mit uns über Philosophie unterhalten.

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Man könnte mit ihnen natürlich auch über Philosophie diskutieren ...

(Foto: Christian Barz / Warner Music)

Belle la Donna: Aber sag doch noch mal, wie schön du das Album findest …

Ich finde es wirklich gut.

Lily of the Valley: Und wir haben noch viele weitere Songs, die gar nicht mehr auf das Album gepasst haben, in der Show. Da kann man von uns also auch noch andere Seiten hören.

Im Text der Single aus dem Album heißt es ja: "My Mother used to tell me … just go to school do something with your life." Was sagen denn eure Mütter im echten Leben zu dem, was ihr macht?

Nathalie Tineo: Ich habe den Song für meine Mama geschrieben. Sie ist Tänzerin und hat mich inspiriert. Ihre Eltern haben ihr immer gesagt, dass sie etwas Vernünftiges lernen solle, weil das mit dem Tanzen doch nichts sei. Im Gegensatz dazu hat meine Mutter mich immer unterstützt und gesagt: "Mache, was du willst, Kind. Du musst nur an dich glauben und hart dafür arbeiten. Dann wirst du es auch erreichen. Gib niemals auf!" Das habe ich getan - und hier sitze ich.

Das Album wiederum heißt "Secrets & Sins". Geheimnisse interessieren mich. Verratet ihr mir eins, das sonst keiner kennt?

Belle la Donna: Oh, wir haben ganz viele.

Lily of the Valley: Aber wir sind ja nicht alleine.

Doch, natürlich …

(Allgemeines Gelächter)

Nathalie Tineo: Wenn man das Album hört, wird ja schon das eine oder andere Geheimnis gelüftet.

Belle la Donna: Und ansonsten: Genug Fantasie haben, Eigeninitiative ergreifen - und Kopfkino!

Mit Nathalie Tineo, Lilly of the Valley und Belle la Donna sprach Volker Probst

Das Album "Secrets And Sins" von den Sinderellas bestellen

Die Sinderellas treten mit ihrer Show in den kommenden Wochen live im Hamburger Gruenspan auf. Nähere Informationen finden Sie hier.

Quelle: ntv.de