Kino

Nicht mehr jugendgefährdend? "Der blutige Pfad Gottes"

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Gott, beschütze uns vor dem Bösen ...

(Foto: Capelight)

Wenn Schläger der Russenmafia am St. Patrick's Day einen irischen Pub schließen wollen, kommt ihr Tod nicht überraschend. Aber wie ist es geschehen? Das FBI rückt an und verdächtigt zwei Brüder. Das Problem dabei: Gott höchstpersönlich hat sie gesandt, um unter den Mafiosi der Stadt gewaltig aufzuräumen.

Die Iren spinnen. Sie haben schlichtweg eine Macke. Das weiß der geneigte Filmzuschauer spätestens seit Mel Gibsons Meisterwerk "Braveheart" und dem "verrückten Iren" Stephen (David O'Hara). Der kommunizierte mit Gott, weil der Allheilige der Einzige ist, mit dem ein Ire auf Augenhöhe sprechen kann ("Wenn ein Ire jemanden sucht, der ihm gleichwertig ist, dann muss er wohl zu Gott reden."). Ähnlich sehen es auch die beiden Brüder Connor (Sean Patrick Flanery; "Borderline", "Saw 3D") und Murphy (Norman Reedus; "8mm", "Blade II") MacManus.

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Die MacManus-Brüder: cool wie Bolle.

(Foto: Capelight)

Die beiden sind Zwillingsbrüder, leben in Boston und wollen am St. Patrick's Day einfach nur in ihrem Stammpub ein paar Bierchen kippen und feiern. Doch die gemütliche Ruhe wird gestört: Einerseits eröffnet ihnen der Eigentümer schweren Herzens, dass er den Pub schließen muss. Und plötzlich tauchen ein paar Schläger der Russenmafia auf, die dafür Sorge tragen wollen, dass der Pub auch wirklich für immer dicht macht - allerdings früher als gedacht. Einer kurzen Diskussion folgt eine kleine Schubserei. Schnitt.

Die Wege des Herrn sind unergründlich

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Willem Dafoe spielt den FBI-Agenten Paul Smecker, der mit den "Boondock Saints" sympathisiert.

(Foto: Capelight)

Der FBI-Agent Paul Smecker (Willem Dafoe; "The Hunter") betritt einen Mordschauplatz. In einer heruntergekommenen Gasse liegen zwei übel zugerichtete Leichen. Die örtliche Polizei vermutet ob der Wunden der beiden einen "ziemlich großen Mann" als Täter. Smecker sieht das anders. Er ist der Typ Klugscheißer, den man in den CSI-Serien so oft vorfindet. Er schaltet seinen Walkman an (jawoll, keinen iPod), klassische Musik ertönt und er fängt an, um die Leichen herumzutänzeln. Er schaut sich eine der umliegenden Hauswände an, blickt nach oben, dann auf die Leichen - und schon teilt er seine ganz persönliche Theorie der Polizei mit: Zwei Täter waren am Werk.

Und die beiden Täter stellen sich: Connor und Murphy. Beide nicht in der besten Verfassung. Sie haben das Russen-Duo verprügelt und einem der beiden den Hintern verbrannt. Das ließ dieser nicht auf sich sitzen. Er suchte die beiden heim, fesselte einen mit Handschellen an die Kloschüssel und nahm den anderen Zwilling mit, um ihn vor der Tür zu erschießen. Doch irgendwie schafft es Zwilling Nummer eins, sich zu befreien, aufs Dach des Hauses zu gelangen und sich mitsamt der schweren Kloschüssel vom fünften Stock direkt auf den Kopf des einen Russen zu befördern. Es kommt, wie es kommen musste: die Kloschüssel gewinnt den Kampf mit dem Russenschädel - und die beiden Brüder kommen davon.

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Roccos Finger ist ab, ohne Arzt hilft da erst einmal nur ein Bügeleisen ...

(Foto: Capelight)

Agent Schmecker hört ihnen zu, wegen Selbstverteidigung werden die beiden freigelassen und ziehen von da an - mit Gottes Hilfe - durch die Verbrecher- und Mafiakreise der Stadt. Die Einwohner und die örtliche Presse sprechen von den Boondock Saints, doch Smecker tappt lange Zeit im Dunkeln. Ein Mafioso nach dem anderen beißt ins Gras, segnet das Zeitliche, muss vor dem Herrn Beichte ablegen. Connor und Murphy fühlen sich unverwundbar, von Gott gesandt, um dessen gerechtes Werk auf Erden zu tun. Mit Rocco (David della Rocco) schließt sich ihnen ein Laufbursche der italienischen Mafia an, der von seinem Boss nicht ganz für voll genommen wird. Zu dritt und ohne Gnade lichten sie die Reihen der Bostoner Mafiosi, wie Moses einst das Rote Meer teilte.

Die Mafia erinnert sich an "Il Duce" (Billy Connolly; "Last Samurai"), einen Auftragskiller ohne Gnade - es sei denn, es geht um Kinder oder Frauen. "Il Duce" soll die beiden Iren mit dem Gottestick und ihren italienischen Handlanger aus dem Weg räumen.

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"Il Duce": Er soll die beiden Brüder aus dem Weg räumen. Am Ende macht er mit ihnen gemeinsame Sache.

(Foto: Capelight)

Und "Il Duce" schreitet zur Tat, lauert den MacManus-Brüderm und Rocco auf. Als Agent Smecker kurz darauf den Tatort betritt, denken sich alle, dass sie hier am Ort eines blutigen Bandenkrieges seien, mit mindestens sechs Schützen. Smecker geht wieder in sich, schaut sich alles an, kommt zum Schluss, dass dem nicht so ist und entdeckt in einem Busch einen abgeschossenen Finger. Roccos Finger. Von da an ist er im Bilde, wer hinter der Säuberungsaktion in Bostons Verbrecherwelt steckt. Und er ist hin- und hergerissen. Soll er die drei festnehmen oder sie ihre blutige Arbeit verrichten lassen? Schließlich muss sich ja irgendjemand die Hände an dem Mafiapack schmutzig machen.

Rocco kriegt spitz, dass Smecker ihnen auf den Fersen ist. Er will den Agenten umbringen, die beiden Iren wollen das aber nicht. In ihren Augen ist Smecker einer der Guten. Kurze Zeit darauf ist es soweit - es kommt zum endgültigen Kampf: der oberste Mafiaboss, seine Handlanger, "Il Duce", Smecker, Rocco und die Boondock Saints. Wer wird überleben?

Gottes Finger am Abzug

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"Der blutige Pfad Gottes" ist bei Capelight erschienen, inklusive einer Special-DVD mit der 82-minütigen Dokumentation "Overnight".

(Foto: Capelight)

"Der blutige Pfad Gottes" (im Original: "Boondock Saints") stammt aus dem Jahr 1999. Regisseur Troy Duffy hat damit sein Meisterstück abgeliefert. Der Film landet in Deutschland 2001 auf dem Index der FSK, der Freiwilligen Selbstkontrolle der Filmwirtschaft, der Film ist zu gewalttätig und deshalb jugendgefährdend. Elf Jahre steht er da, darf nicht verkauft werden und entwickelt sich so zum Kultfilm. In diesem Jahr beantragt Capelight bei der Bundesprüfstelle die Listenstreichung. Ihr wird stattgegeben und Capelight bringt den Film als DVD und Blu-ray in ungeschnittener Version in den Handel.

Das Warten darauf hat sich auf jeden Fall gelohnt. Über die Gewaltszenen lässt sich natürlich streiten - ebenso wie über die FSK-16-Einstufung für den Terrorthriller "Cleanskin" oder die FSK-18-Eistufung für den schwedischen James-Bond-Thriller "Agent Hamilton". Dass eine aus dem fünften Stock fliegende schwere Toilettenschüssel nicht ganz ungefährlich für einen Menschenschädel ist, kann man sich vorstellen. Auch die Schießereien und einige Folterszenen sind nicht ganz ohne. Alles in allem ist die Freigabe durch die Bundesprüfstelle aber gerechtfertigt.

"Der blutige Pfad Gottes" erinnert an klassische Quentin-Tarantino-Filme, gekreuzt mit Guy-Ritchie-Streifen. Man findet auch etwas von "Falling Down" darin und etwas von "Dogma". Der Film sprüht vor Ironie und britischem Humor. Der Zuschauer steht von Anfang an auf der Seite der irischen Zwillingsbrüder und auch das Zögern des FBI-Agenten Smecker, die "Saints" zu stoppen oder ans Messer zu liefern, ist vollkommen nachvollziehbar in einer Welt, wo gute Anwälte jeden Drecksack mit einem Strafregister so dick wie ein New Yorker Telefonbuch problemlos vor dem Gefängnis bewahren können.

Die Gerechtigkeit liegt in dem rasant gedrehten Film mit jeder Menge Action einzig in Gottes unfehlbarer Hand - und die hat den Finger immer am Abzug der "Boondock Saints". So unergründlich wie die Wege des Herrn ist auch das Ende des Films. Das nicht wirklich ein Abschluss ist. Troy Duffy freut's, die Videospielfans auch, denn sie können bald selbst als schießwütige Heilige durch die Unterwelt ziehen. "Der blutige Pfad Gottes" ist für Tarantino-Fans, Ritchie-Jünger und Liebhaber knallharter Action mit einem Schuss tiefschwarzen Humors (Warum gibt es nicht mehr dieser verrückten Iren?) ein absolutes Muss - die vielen Jahre auf dem Index sind ein klares Kaufargument - und die irren Iren!

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Quelle: ntv.de