Kino

Pop-Lolita in Super-8-Optik Lana del Rey, leicht verdorben

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Lana del Rey

(Foto: Screenshot Promo-Video)

Sie hat das Zeug zum Star. Sie sieht klasse aus, ihre Stimme hat etwas Verbotenes. Sie hat auch etwas Falsches, denn es wirkt, als hätte sie von allem zu viel. Zu viel Mund, zu viel Haar, vielleicht sogar zu viel Talent. Man wird an Lana del Rey in der nächsten Zeit jedenfalls nicht vorbeikommen.

Wenn Sie eine Frau sind, und ein Mädchen wie Lana del Rey wäre in Ihrer Klasse gewesen ... Hätten Sie sie zu Ihrer besten Freundin gemacht? Wenn Sie ein Mann sind, und ein Mädchen wie Lana del Rey wäre in Ihrer Klasse gewesen, hätten Sie Ihren besten Freund vor ihr gewarnt? Wenn Sie eine Mutter sind, und Ihre Tochter bringt ein Mädchen wie Lana del Rey mit nach Hause – würden Sie Ihren Mann dann mit ihr alleinlassen? Und wenn Ihr Sohn ein Mädchen wie Lana del Rey mit nach Hause bringt – fangen Sie schon an, die Hochzeitsglocken zu hören oder sehen Sie eher Verderben und Höllenqualen auf Sie und Ihre Lieben zukommen?

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Sie erinnert an Vollweiber wie Lana Turner oder ...

Mhh, alles blöde Vorurteile, könnte man meinen, aber sehen Sie doch selbst: große Augen, große Lippen, große Frisur, großartige Figur. Und die Stimme! Sie kommt aus der Tiefe, sie kann ganz hoch und mädchenhaft werden, sie liebt, sie leidet, sie zittert und bebt, sie frohlockt, sie stößt zurück und sie macht auf schüchtern. Sie macht einen verrückt. Sie könnte für James Bond singen, sie klingt, wie ein Tarrantino-Film aussehen muss, und sie könnte, auch wenn sie bisher eher scheu agiert,  in "Wild At Heart 2" eine neue Lula sein, die Sailor um den Finger wickelt.

Del Rey entführt uns in eine andere Zeit. Aber in welche? Nicht unbedingt in eine bessere, aber wir fühlen uns angezogen von dem Unbekannten, Gefährlichen, Dunklen darin. In ihrem wie selbstgeschnippelt wirkenden Musik-Clip zu "Video Games", einem wunderschönen, melancholischen Song, sehen wir ein Amerika, das wir aus "Lassie"-Zeiten zu kennen glauben: lachende, schöne Menschen mit weißen Zähnen, das Meer, grandiose Häuser mit noch grandioseren Pools, tolle Autos, Leuchtreklame und flirrende Hitze in Kalifornien, das noch keinen Gouvernator kannte und keine Probleme. Wir sehen aber auch mehr als deutlich, dass alles, wie in Hollywood üblich, überarbeitet ist. Möchte man wirklich in diese schöne, falsche Welt zurück?

Direkt aus dem "Tal der Puppen"

Und was macht die 24-Jährige da, um die sich bereits jetzt, Monate vor Erscheinen ihres Albums, Sagen und Mythen ranken wie sonst einst nur um so sensationelle Pop-Geschöpfe David Bowie und Konsorten? Wie falsch beziehungsweise wie echt ist sie? Warum hat sie sich die Lippen auf Rettungsboot-Größe aufpumpen lassen? Und wie viel Selbstironie kann eine 24-Jährige haben, damit wir nicht befürchten müssen, dass ihr das ein falscher Freund, Manager oder Plattenboss angeraten hat?

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... Brigitte Bardot. Allerdings ist Lana sehr viel schmaler, und das ist noch nett ausgedrückt.

Immerhin: Alle wollen sie, und was macht sie? Sie macht sich rar! Das wirkt klug. Die als Elizabeth "Lizzy" Grant in Lake Placid Geborene spielt mit den Medien, als hätte sie es gelernt. Nach einem erfolglosen Versuch, ein Album unter ihrem echten Namen in den Charts zu platzieren, zog sie sich zurück, kam ein wenig gepimpter und mit aufgebauschtem Lebenslauf wieder zurück. So munkelt man, ihr Vater sei ein Millionär, aber auch, dass sie die letzten Jahre in einem Trailerpark verbringen musste. Vielleicht stimmt sogar beides, was die Sache noch spannender machen würde. Unsere Recherchen besagen, dass Rob Grant ihr Vater sein muss, und der ist garantiert nicht arm, denn er besitzt eine Online-Media-Firma und ein Immobilienunternehmen. Aber egal, Rob Grants gibt es viele, und Lana del Rey ist einzigartig. Sie selbst beschreibt sich übrigens als eine Gangster-Version von Nancy Sinatra, dabei wirkt sie doch eher wie die kleine Schwester von Alice im Wunderland. Oder eine Art weiblicher Wiedergeburt von Chris Isaak, für die Älteren unter uns.

Verletzliche Patriotin

Tut sie einem ein bisschen leid, weil sie mit ihren riesigen, ein bisschen schief geratenen Lippen so verletzlich aussieht? Ja, irgendwie schon, aber wenn sie lächelt, ist das hübsch und es lässt ahnen, dass sie es auch faustdick hinter den Ohren hat. Sicher ist, dass sie in einer Riege mit diesen jungen Frauen genannt werden kann, die über ein unverschämtes Maß an Talent und Stimme verfügen. So verwundert es auch nicht, dass ihr Album, das erst 2012 erscheinen wird, von einem Mastermind produziert wird, der schon andere junge Frauen in den Pop-Olymp katapultiert hat: Eg White ist sein Name und die seiner Schäfchen Adele und Duffy. Del Reys Debutsingles "Video Games" und "Blue Jeans" sind mittlerweile erschienen, eine Konzert in Brooklyn fand quasi unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt und auch die geplanten zwei in Deutschland sind bereits ausverkauft. Fast wie bei einem Geheimbund läuft das ab.

Quelle: n-tv.de