Kino

"Wolf of Wall Street" Maßlos, dreckig, moralisch im Keller

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Angeblich hat es zwischen den beiden auch "in echt" geknistert: Hat Margot Robbie sich Leo DiCaprio geangelt?

(Foto: imago/i Images)

Das sind die kürzesten drei Stunden, die man im Kino verbringen kann: Leonardo DiCaprio ist so eklig, versaut, geil und großartig wie nie. Und Martin Scorsese hat einen Film gedreht, der nicht besser hätte erfunden werden können - die Geschichte ist ganz einfach wahr.

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Lässt sich feiern: Leonardio DiCaprio in seiner vielleicht besten Rolle bisher.

(Foto: AP)

Er fand die Sexszenen irgendwann eklig - Leonardo DiCaprio, schönen Frauen garantiert nicht abgeneigt, hat im Film "Wolf of Wall Street" so viele Brüste gesehen, zwischen so vielen Schenkeln gehangen, sich so viel Kokain in die Nase gezogen, dass es für den Rest seines Lebens reichen könnte. Nach eigener Aussage nahm Jordan Belfort, den er in dem Film verkörpert, an einem Tag genug Drogen, um ganz Guatemala ruhigzustellen.

Aber immerhin hat DiCaprio die Rolle des Jordan Belfort nun einen Golden Globe eingebracht und mit dem unterm Arm könnte Leo direkt auf einen Oscar zumarschieren. In den USA geht der Film in den Kinos ordentlich ab, ganze Firmen-Partys werden veranstaltet. Und das Gerücht, dass er was mit seiner heißen Filmpartnerin Margot Robbie hat, die im Film seine Frau spielt - wahrlich kein Unschuldslamm - beflügelt die Fantasie der Zuschauer sicher enorm.

Frech kommt weiter

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Haben schon oft zusammengearbeitet: Der Meister und sein Schüler.

(Foto: dpa)

In den 1990er-Jahren war Jordan Belfort (mittlerweile 45) einer der meistgehassten, aber auch meistbeneideten Männer der US-Finanzwelt: ein brillanter Aktienhai, der seine Broker-Freunde auf die Wall Street losließ. Mit 16 verkaufte er noch Eis, mit 26 verdiente er in einer Welt, bestehend aus Gier, Macht und Exzessen, Millionen. Seine Ausschweifungen, seine illegalen Methoden sowie eine schicksalhafte Partnerschaft ließen ihn jedoch tief abstürzen. Sein Leben am Limit - Geld, Sex, Drogen und Luxus - waren für den "Wolf der Wall Street", wie er selbst sich nannte, bald nicht mehr genug. Immer neue Kicks - schnelle Autos, Helikopter, Partys - mussten her. Sein Absturz war eine logische Konsequenz dieses Lebens auf der permanenten Überholspur - sein tiefer Fall schließlich rettete ihm das Leben.

Heute ist der echte Jordan Belfort ein Unternehmensberater, der in Kalifornien lebt und unter anderem für die Deutsche Bank arbeitet. Für seine Betrügereien und wegen Geldwäsche wanderte er 22 Monate ins Gefängnis - eine recht milde Strafe eigentlich, wenn man bedenkt, dass er seine Anleger um 110 Millionen Dollar gebracht hat. Als Motivationstrainer und Redner tingelt er obendrein durch die Lande und erzählt Menschen, wie sie ihr Geld am besten für sich arbeiten lassen. Dass unter seinen Zuhörern ehemalige Kunden von ihm sitzen, darf bezweifelt werden. Und auch, dass ehemalige Freunde von ihm dabei sind, ist eher unwahrscheinlich. Denn vielleicht sitzen die noch im Knast. Nur weil er ihre Namen verraten hat, ist er heute ein freier Mann - ein freier Mann, der bald vielleicht sogar im Reality-TV auftreten wird. 

Die Wahnsinnigen der Wall Street

Genau dieser Aspekt hat natürlich viele Stimmen hochkommen lassen, die sich weniger freundlich über das jüngste Werk Scorseses äußern: Aufgrund der Länge des Films, der moralischen Fragwürdigkeit, der Brutalität, mit der Leben zerstört werden und auch der Maßlosigkeit, regnet es Vorwürfe, der Film sei "über-tarrantinot" - will heißen: zu lang, zu fett, zu krass, zu viel von allem. Andere sehen in Scorseses Film ein cineastisches Meisterwerk. Scorsese hat aber schon so viele Mafia-Filme gedreht - ob ihn das juckt? 

Wenn man ein auf irgendeine Art Betroffener ist, dann sieht man das Gebaren der Wahnsinnigen der Wall Street sicher noch einmal mit anderen Augen, denn nicht nur Anleger wurden im wahrsten Sinne des Wortes verarscht, auch die Familien der Halunken leiden teilweise bis heute. So hat sich Christina McDowell, deren Vater zu der Belfort-Clique gehörte, vor Kurzem erst in der Zeitschrift "LA Weekly" in einem offenen Brief an DiCaprio und Scorsese geäußert: "Ihr seid gefährlich. Euer Film ist ein rücksichtsloser Versuch, so zu tun, als seien diese Delikte unterhaltsam, ausgerechnet in einem Land, das nach einer weiteren Runde von Wall-Street-Skandalen noch immer umhertaumelt. Habt ihr an die kulturelle Botschaft gedacht, als ihr euch entschlossen hattet, den Film zu drehen? Ihr habt euch erfolgreich mit einem meisterlichen Verbrecher verbündet, einem Kerl, der immer noch nicht seine Opfer voll entschädigt hat, und ihr verschlimmert so nur noch unsere nationale Besessenheit mit Reichtum und Status - und verherrlicht Gier und psychopathisches Verhalten." Sie beschreibt, wie sie sich als "Kollateralschaden" der väterlichen Umtriebe habe schämen müssen und verlangt von Darsteller und Regisseur: "Schämt euch ebenso!" 

Nach Schämen sah das jedoch ganz und gar nicht aus, als die beiden den Sieg DiCaprios am Golden-Globe-Abend feierten: Der eine hat einen handwerklich gut gemachten, wenn auch wirklich langen Film abgeliefert, der andere hat einen Schmierlappen so überzeugend dargestellt, dass der Preis durchaus berechtigt ist. Und die Welt des Jason Belfort kann man nur mit offenem Mund bestaunen.

"Wolf of Wall Street" startet in den deutschen Kinos am 16.Januar.

Quelle: n-tv.de