Kino

"To Rome With Love" von Woody Allen Und ewig balzen die Liebenden

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Woody Allen, hier mit Filmpartnerin Judy Davis, tritt in "To Rome With Love" wieder einmal selbst vor die Kamera.

(Foto: Tobis Film)

Viele Wege führen nach Rom. Das gilt auch für das Liebesglück, wie Woody Allen in seinem neuen Film zeigt. Er entdeckt einen singenden Bestatter, stürzt einen Studenten ins Liebeschaos, macht eine graue Maus zum Star und zeigt Penélope Cruz im knappen Kleid. Das ergibt ein gutgelauntes Panorama und einen verlängerten Sommerurlaub.

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Jack (Jesse Eisenberg) und Monica (Ellen Page) beginnen ein Techtelmechtel - John (Alec Baldwin) begleitet dies kritisch.

(Foto: Tobis Film)

"Volare" - fliegen. Einer der Autoren dieses italienischen Welthits erklärte einmal, er sei zu dem Lied inspiriert worden, als er den Himmel über Rom betrachtete. Die Melodie passt also perfekt als Einstiegssong für den neuen Film von Woody Allen: "To Rome With Love". Nach London, Barcelona und Paris entdeckt Allen nun die Ewige Stadt und der Regisseur und Drehbuchautor lässt es sich nicht nehmen, diesmal wieder selbst vor die Kamera zu treten - genauer gesagt: Woody Allen hat Flugangst . Denn der Blick von oben ist eines der wiederkehrenden Elemente des Films.

Von oben werden in vier Geschichten Liebe und Leben der Römer und ihrer Gäste betrachtet. Da wäre zunächst der Stararchitekt John (Alec Baldwin, "Departed - Unter Feinden"), der in Rom das Viertel wiederentdeckt, in dem er als Student ein Jahr verbrachte. Prompt trifft er auf den US-Amerikaner Jack (Jesse Eisenberg, "The Social Network"), der Architektur studiert und mit seiner Freundin Sally (Greta Gerwig, "Lola versus") glücklich ist. Sallys schöne, aber egozentrische und oberflächliche Freundin Monica (Ellen Page, "Inception"), die zu Besuch kommt, stellt jedoch Jacks Liebesglück auf eine harte Probe. John begleitet dies als imaginärer Ratgeber, der sich an seine eigene Studentenzeit - und Fehler in Liebesdingen - erinnert.

Startenor unter der Dusche

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Leopoldo (Roberto Benigni) wird mit dem plötzlichen Ruhm konfrontiert.

(Foto: Tobis Film)

Auf den ersten Blick verliebt sich Hayley (Alison Pill) in den Italiener Michelangelo (Flavio Parenti). Als Hayleys Eltern Jerry und Phyllis (Woody Allen; Judy Davis, "Marie Antoinette") nach Rom kommen, entdecken sie das hervorragende Gesangstalent von Michelangelos Vater Giancarlo (Tenor Fabio Armiliato), das dieser jedoch nur unter der Dusche zeigt. Schon plant der ehemalige Musikmanager Jerry für Giancarlo eine Gesangskarriere an den größten Opernhäusern der Welt - zunächst noch gegen dessen Widerstand.

Für Leopoldo Pisanello (Roberto Benigni, "Das Leben ist schön") ist der Ruhm dagegen sehr weit weg. Der kleine Angestellte wurstelt sich durchs Leben, für seine Meinung interessiert sich niemand. Bis er eines Tages aufwacht und plötzlich ein allseits bekannter wie beliebter Star ist. Fotografen und Kamerateams umlagern ihn, in Talkshows ist er ein gern gesehener Gast, seine Frühstücksgewohnheiten sind dabei von ebenso großem Interesse wie die Frage nach seiner Rasur. Doch schon bald merkt er, dass der Ruhm auch seine Schattenseiten hat.

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Anna (Penélope Cruz) verwirrt die Verwandschaft von Antonio (Alessandro Tiberi, l.) nachhaltig.

(Foto: Tobis Film)

Schließlich begleitet der Film Antonio und Milly (Alessandro Tiberi, Alessandra Mastronardi), ein frisch verheiratetes Paar aus der Provinz, das in Rom ein neues Leben beginnen will. Doch der Tag gerät aus dem Ruder, als Milly verschwindet und plötzlich die Prostituierte Anna (Penélope Cruz, "Zerrissene Umarmungen") vor Antonios Hotelzimmer steht. Kurzerhand präsentiert er der reichen Verwandtschaft, die mit einem lukrativen Jobangebot lockt, Anna als Ehefrau - mit verwirrenden Folgen auf allen Seiten. Milly verläuft sich derweil in der Stadt und wird vom schmierigen Filmstar Luca Salta (Antonio Albanese) abgeschleppt.

Verwirrspiel und Liebesdrama, Mediensatire und Heldengesänge unter der Dusche: Viermal erkundet Woody Allen Alltag und Liebesleben Roms. Das ist mitunter so turbulent wie der Kreisverkehr, den die Kamera zu Beginn einfängt. Nur fehlt hier die ordnende Hand eines Polizisten, der das Glück der Protagonisten in die richtigen Bahnen lenkt. So wird aus den Geschichten ein chaotisches, witziges, absurdes und zauberhaftes Panorama, das wie so oft bei Allen auch die Stadt zum Hauptdarsteller macht. Dass der Film dabei nur die glänzenden, touristischen Seiten von Rom präsentiert, ist verschmerzbar. Schon in seinen letzten Filmen hat Allen schließlich eher die Liebe als wirkliche Probleme thematisiert.

"Ich bin schließlich Atheist"

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Woody Allen und Penélope Cruz am Set in Rom - in welche europäische Metropole verschlägt es ihn wohl als nächstes?

Nachsehen muss man dem New Yorker auch, dass er sich die witzigsten Szenen selbst zugeschrieben hat. Bei Sätzen wie "Ich kann bei Turbulenzen nicht entspannen, ich bin schließlich Atheist" zeigt er sich immerhin von seiner neurotischsten Seite. Da ist es kein Wunder, dass die Geschichte vom singenden Bestattungsunternehmer, der unter der Dusche zum Startenor aufsteigt, zwar die abstruseste, aber dafür auch die beste ist. Die Liebeswirren unter US-Studenten können dagegen wenig überzeugen, zumal zwischen Jesse Eisenberg und Ellen Page einfach keine Funken sprühen. Die stargespickte Geschichte ist offensichtlich als Reverenz an das US-Publikum gedacht, dem der Film sonst wohl zu europäisch wäre.

Penélope Cruz, die nach "Vicky Cristina Barcelona" (wofür sie den Nebenrollen-Oscar bekam) nun schon zum zweiten Mal für Allen vor der Kamera steht, bleibt leider auch hinter ihren Möglichkeiten zurück. Dass liegt aber eher daran, dass ihre Rolle als Prostituierte, die durch Zufall in die bessere Gesellschaft gerät, recht zahm ausfällt. Wunderbar anzuschauen ist das aber allemal, vor allem wenn sie im knappen Kleid in den Vatikan kommt, und man hätte sich gewünscht, dass dieser Teil des Films mehr Raum bekommt. Das gilt übrigens auch für die Mediensatire um Roberto Benigni.

So bleibt der Film trotz der witzigen und angenehmen Unterhaltung insgesamt etwas unausgewogen. Die vier Teile können zwar mehr oder weniger überzeugen, doch eine übergreifende rote Linie findet sich nicht. Anders als bei dem mit dem Drehbuch-Oscar ausgezeichneten "Midnight in Paris", der teils im Paris der 1920er Jahre spielt. Am Ende bleibt das Gefühl, dass man von zwei der Geschichten gern etwas mehr gesehen hätte, von einer anderen lieber etwas weniger. Aber egal: Wer seinen wieder einmal viel zu kurz geratenen Urlaub auf amüsante Weise verlängern will, der ist bei "To Rome with Love" sehr gut aufgehoben.

"To Rome with Love" startet am 30. August in den deutschen Kinos.

Quelle: n-tv.de

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