Kino

Der Horror, der Kater, die Säge Ryan Reynolds hört "The Voices"

TheVoices_04.jpg

Viele Menschen sprechen mit ihren Tieren. Nur wenige Tiere antworten.

(Foto: 2015 Ascot Elite Filmverleih GmbH)

Horrorfilme leben von ihren Überraschungseffekten. Doch was ist, wenn der Trailer schon eine Menge über den Streifen verrät? Bei "The Voices" scheint dies der Fall zu sein. Allerdings muss man auf die Details achten.

Manche Horrorfilme erschrecken durch brutale Darstellungen, durch Blut und Gedärme. Andere Horrorfilme sind wegen des Kopfkinos der Zuschauer gruselig, durch das, was nur angedeutet wird. In jedem Fall gilt jedoch: Damit ein Horrorfilm funktioniert, muss er auf- und erschrecken. Es muss einen Überraschungseffekt geben.

TheVoices_08.jpg

Das kennt man ja: Gerade amüsiert man sich mit der Kollegin noch auf der Betriebsfeier, ...

(Foto: 2015 Ascot Elite Filmverleih GmbH)

Bei "The Voices" scheint das irgendwie anders zu sein. Zumindest wenn man sich den Trailer zum neuen Film von Marjane Satrapi anschaut. Der kommt auf den ersten Blick ziemlich witzig daher: Fabrikarbeiter Jerry scheint ein aufgeschlossener, sympathischer Kerl zu sein. Ihn umschwirren sogar Schmetterlinge. Und weil er ein so dufter Typ ist, spricht er auch mit Tieren. Das wäre an sich nicht so schlimm, wenn die Tiere nicht auch noch antworten würden.

Jerry hat ein Problem: Er ist psychisch gestört, hat Halluzinationen. Doch weil er seine verordneten Tabletten nicht nimmt, kann er sich ganz fabelhaft mit seinem Kater Mr. Whiskers und Hund Bosco unterhalten. So weit, so gut. Doch Jerry hat noch ein weiteres Problem: eine Leiche, die er beseitigen muss. Und mit seinem Kater führt er Gespräche wie dieses: "Ich soll Menschen töten?" - "Du wirst entdecken, was es heißt, sich wirklich lebendig zu fühlen."

Was macht Jerry mit dieser Säge?

TheVoices_02.jpg

... schon füttert man ihren Kopf.

(Foto: 2015 Ascot Elite Filmverleih GmbH)

Eine attraktive Leiche, dazu poppige Musik, die nun gar nicht nach Horror klingt und viele Farben, vor allem Rosa: Der Trailer von "The Voices" verspricht eine flockige, völlig durchgeknallte Komödie. Wenn nur nicht das ganze Blut wäre. Und was macht Jerry mit dieser Säge? So wie im Trailer die erschreckenden Szenen gut getarnt sind, schleicht sich der Horror in "The Voices" sehr langsam in den Film.

Dieses Versteckspiel passt zur Arbeit von Regisseurin Satrapi. Sie kommt ursprünglich nicht aus dem Filmgeschäft und vermutlich ist es diese frische Perspektive, die sie ausgetretene Pfade meiden lässt. So wie in ihrem Oscar-nominierten Erstling "Persepolis" die Politik des iranischen Regimes subtil karikiert wird, betritt der Horror in "The Voices" den Film durch die Hintertür.

TheVoices_01.jpg

Man sollte sich aber nicht täuschen lassen: "The Voices" kann auch blutig.

(Foto: 2015 Ascot Elite Filmverleih GmbH)

Das liegt gar nicht mal daran, dass der Film stellenweise sehr blutig ist. Der eigentliche Horror spielt sich vielmehr am Rande ab, er blitzt nur ab und zu auf, setzt sich dann aber umso effektiver im Kopf der Zuschauer fest. Denn die kunterbunte Welt, die Jerry wahrnimmt, ist nicht real. Sie ist Produkt seiner Fantasie. Die Düsternis, die sich dahinter verbirgt, entdeckt der Zuschauer erst, als es fast schon zu spät ist.

Bitterböser Humor und reichlich Blut

Der Trailer spielt dieses Spiel mit, er suggeriert eine Komödie und kaschiert den Horror - und sorgt damit für einen umso effektiveren Überraschungseffekt. Denn die Mischung macht's: "The Voices" bietet bitterböse Witze und reichlich Blut. Doch nur weil sich beides bedingt, hält der Film seine Spannung aufrecht.

Das liegt auch an den gut aufgelegten Darstellern, die sich in dem schwarzhumorigen Film austoben können. Ryan Reynolds, der zuletzt einige Misserfolge in den Kinos verkraften musste, zeigt, dass er auch intelligent unterhalten kann. Hinzu kommen mit Gemma Arterton und Anna Kendrick zwei Schauspielerinnen, die sich selbst nicht zu ernst nehmen und gerade deshalb überzeugen. Jackie Weaver schließlich als Jerrys Psychiaterin bildet den vernünftigen Kontrast zur Groteske.

Satrapi, die erstmals keinen eigenen Stoff verfilmt, gelingt mit "The Voices" ein ungewöhnlicher Film. Der sprechende Kater und der sprechende Hund, die als Stimmen des Bösen und des Guten auftreten, sorgen für den Humor. Vor allem in der zweiten Hälfte ist der Film dann aber weniger fluffig und knallbunt, als es der Trailer vermuten lässt.

"The Voices" startet am 30. April in den deutschen Kinos.

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema