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Stets auf der Suche nach Futter für sich und ihre Jungen: eine Gepardin in der Serengeti.
Stets auf der Suche nach Futter für sich und ihre Jungen: eine Gepardin in der Serengeti.(Foto: Universum Film)
Donnerstag, 03. Februar 2011

Bildgewaltig und spektakulär: "Serengeti" bleibt kritiklos

von Julia Kreutziger

Jedes Jahr begeben sich Millionen Huftiere auf eine Wanderung durch die Serengeti. Reinhard Radke hat den Zug dokumentiert. Entstanden ist eine bildgewaltige, konventionelle Naturdokumentation, die jedoch jegliche Kritik ausblendet und vermissen lässt.

Endlose Weiten und großartige Landschaften: Über 30.000 Quadratkilometer erstreckt sich die Serengeti im Norden Tansanias, westlich des Victoriasees, bis in den Süden Kenias. Die baumlose Savanne ist die Heimat von zahlreichen Tieren. Mehr als 1,6 Millionen Pflanzenfresser und tausende Raubtiere leben dort. Am zahlreichsten sind Streifengnus, Steppenzebras und Grant-Gazellen vertreten. Den Winter über leben sie auf den weiten fruchtbaren Ebenen unter den Vulkanen des Kraterhochlandes. Doch wenn der Sommer kommt und die Ebenen vertrocknen, beginnt die größte und spektakulärste Tierwanderung der Erde.

In zweijähriger Drehzeit haben der Regisseur Reinhard Radke und seine Kameramänner den kreisförmigen Zug der fast zwei Millionen Huftiere in der ostafrikanischen Serengeti beobachtet. Alljährlich ziehen sie vom Kraterhochland im Süden, über die dornigen Buschländer der zentralen Serengeti bis zu den üppigen Weiden im Norden – immer auf denselben Routen, immer auf der Suche nach Wasser.

Bildgewaltige, aber eintönige Naturdokumentation

Endlose Weiten und Millionen Huftiere: Dieses Bild dominiert die Serengeti.
Endlose Weiten und Millionen Huftiere: Dieses Bild dominiert die Serengeti.(Foto: Universum Film)

Dabei durchwandern sie nicht nur endlose Graswüsten, sie überwinden auch steile Abhänge, reißende Flüsse und Buschfeuer. Die lebensbedrohlichste Herausforderung sind jedoch die hungrigen Löwen, Leoparden, Geparde und Krokodile am Wegesrand. Dem Zuschauer eröffnet sich ein archaisches und wildes Naturschauspiel vom Jagen und Gejagtwerden.

Zahlreiche Verfolgungs- und Fressszenen halten den Beobachter zunächst herzklopfend auf Trab. Doch schnell wirken die immer wiederkehrenden Bilder, unterlegt mit allzu dramatischer Musik, ermüdend. Zwar sind Radke und seiner Crew spektakuläre Kameraaufnahmen, auch in Zeitlupe in bester Qualität, gelungen, doch nimmt das Jagen im Rahmen des Filmes zu viel Platz ein. Die Serengeti ist mehr als das.

"Andächtige Ergriffenheit" soll dominieren

So vermisst man als Zuschauer kritische Untertöne. Die Macher der Naturdokumentation gehen weder auf klimatische Veränderungen noch auf den geplanten Bau einer Highway-Trasse durch den Park oder auf die Bedrohung durch Wilderer und Touristen ein. Bewusst habe er auf eine kritische Beleuchtung verzichtet. Mit dem Film wolle er eine "andächtige Ergriffenheit" erzeugen, die durch eine Kritik nicht zerstört werden soll, sagt Radke über sein Werk.

So ist ein visuell sehr ansprechender Film entstanden, der jedoch ein falsches Bild der Serengeti vermittelt. So unberührt, wie die Macher die Landschaften darstellen, sind sie nicht. Zwar gehören Jagen und Gejagtwerden zum Kreislauf und zu den Herausforderungen in der Serengeti. Doch ist der Mensch, der auch dort immer mehr Einfluss nimmt, die größte und einschneidendste Bedrohung von allen.

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Quelle: n-tv.de