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Murder-Mystery-Ripper-Thriller "The Limehouse Golem" schockt London

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Lizzie: Kennt sie den Limehouse Golem? Ist sie es vielleicht sogar selbst?

Spätes 19. Jahrhundert, London: Eine Mordserie erschüttert die britische Hauptstadt. Die Opfer stammen aus allen Schichten und Religionen. Alle wurden brutal abgeschlachtet. Vier Verdächtige gibt es, unter ihnen Karl Marx.

London, 19. Jahrhundert: Die Filmwelt entdeckt diese faszinierende Epoche gerade wieder. Da wären etwa die "Sherlock Holmes"-Filme mit Robert Downey Jr. und Jude Law oder die Serie "The Frankenstein Chronicles" mit Sean Bean. Mörder- und Dämonenjagd in einer längst vergangenen Zeit. "The Limehouse Golem" schlägt in die gleiche Kerbe.

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"The Limehouse Golem" (Concorde)

Der Film beginnt ruhig und unaufgeregt: Kein Blut wird vergossen, denn John Cree (San Reid; "'71: Hinter feindlichen Linien") wurde vergiftet. Seine Frau Lizzie (Olivia Cooke; "Bates Motel"), eine aufstrebende junge Musical-Darstellerin, ist die Hauptverdächtige in diesem Mordfall. Dass sie kein Motiv hat, interessiert die Polizei vorerst nicht. Lizzie landet im Gefängnis.

Vier Verdächtige und …

Inspektor Kildare (Bill Nighy; "Tatsächlich Liebe", "Underworld"-Reihe) sucht sie kurz darauf auf. Er ermittelt in der Limehouse-Mordserie, eine der blutigsten, die London bis dato gesehen hat. Die Bürger der Stadt haben Angst, denn der Mörder scheint nach keinem Muster zu verfahren: Seine Opfer sind jung und alt, männlich und weiblich, Christen und Juden, reich und arm.

Das einzige, was sie alle verbindet, ist die schreckliche Art, wie sie sterben mussten: Wie Tiere wurden sie abgeschlachtet, aufgeschlitzt, am Ende ihrer Augen beraubt. Schnell macht das Gerücht über eine übersinnliche Kreatur, einen Dämon die Runde: The Limehouse Golem.

Als ein weiterer Mord publik wird, führt eine Spur Inspektor Kildare zu vier Verdächtigen, darunter eben jener John Cree, den seine Frau Lizzie vergiftet haben soll. Hat sie es getan, weil sie dahinter gekommen ist, was ihr Mann für ein Monster gewesen ist? Wusste sie von seinen Bluttaten?

... eine hübsche Frau

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Inspektor Kildares Ermittlungen führen ihn auch in den Dunstkreis der London Music Hall.

Inspektor Kildare sucht sie auf und Lizzie beginnt, ihre Geschichte zu erzählen, eine Geschichte voll Tragik, Liebe, mit einer schrecklichen Kindheit und wunderbaren Jahren als junge Schauspielerin in der London Music Hall.

Es stellt sich heraus, dass Lizzie nicht nur mit John Cree verheiratet war, sondern dass sie noch einen weiteren Verdächtigen kannte: Dan Leno (Douglas Booth; "Jupiter Ascending"). Er war ihr Mentor in der Music Hall - und ihr Freund. Mehr aber auch nicht, wie sie Kildare versichert.

Der hat nun eine weitere Verdächtige für die Limehouse-Morde. Aber eigentlich kann das doch nicht sein: Diese nette junge Frau mit ihren großen offenen Augen und ihrem verzaubernden Lächeln, einem Charisma, das die Menschen in ihrer Umgebung in ihren Bann zieht. Oder ist genau das der Hinweis darauf, dass sie hinter den brutalen Morden steckt? Dienen ihr Äußeres und ihre nette Art nur als Ablenkung?

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Lizzie und Dan Leno: War da mehr als nur Freundschaft?

Es wäre selbst für diese verrückte Zeit in London der absolute Wahnsinn - Inspektor Kildare zweifelt. Und dann werden Fußspuren an einem Tatort identifiziert. Sie gehören zu Karl Marx, auch er ist einer der Verdächtigen. Kildare weiß nicht mehr weiter. Ihm läuft die Zeit davon ...

The Streets of London run red of blood

Die Zeit ist Freund und Feind des Films "The Limehouse Golem" von Regisseur Juan Carlos Medina ("Painless") zugleich. Feind deshalb, weil der Streifen doch etwas braucht, um auf Touren zu kommen. Freund deswegen, weil der Film die Zeit des London um 1880 bis ins kleinste Detail perfekt widerspiegelt: Kostüme, Bauten, Straßenszenen - die perfekte Zeitreise in eine längst vergangene Zeit, der noch heute ein Zauber innewohnt.

Die schmalen, dunklen Gässchen, die Sprache der Leute, ihr Verhalten, ihre pointierten Dialoge - alles passt. Mit Bill Nighy hat Medina zudem einen der britischen Topstars und ein unverwechselbares Charaktergesicht für seinen Film gewinnen können. Nighy, der einfach alles spielen kann - vom durchgeknallten, abgehalfterten Rockmusiker Billy Mack in "Tatsächlich Liebe" bis hin zum knallharten, machtgierigen Obervampir Viktor in der "Underworld"-Reihe.

Dieses breite schauspielerische Spektrum kommt Nighy auch in "The Limehouse Golem" zu Gute. Denn was den Film neben der Aufmachung und den schauspielerischen Leistungen auszeichnet, ist sein Twist am Ende. Nur die wenigsten werden sagen können: Ach, das habe ich doch gleich gesagt. Eigentlich keiner, um genau zu sein.

Und ist es nicht genau das, was Zuschauer von einem guten Murder-Mystery-Thriller erwarten? Die Spannung hoch halten, sie sogar noch steigern, bis man es nicht mehr aushält und endlich die Lösung wissen will? So viel sei verraten: Der Gärtner ist es nicht. Ein übernatürliches Wesen wie einen Golem sucht man ebenfalls vergebens. Etwas Dämonisches ist dennoch am Werk. Das London der damaligen Zeit war halt so.

"The Limehouse Golem" läuft ab sofort in den deutschen Kinos

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Quelle: n-tv.de

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