Kino

After-Dark-Festival, Part 1 Vampir-Horror trifft Maisfeld-Schocker

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Man ahnt es bereits: Dieser Zeitgenosse führt nichts Gutes im Schilde.

Die meisten Horrorfilme beginnen gleich: Mehrere Jugendliche feiern zusammen, trinken Alkohol, die Stimmung ist ausgelassen. Ein Auto ist natürlich auch mit im Spiel. Und plötzlich, aus heiterem Himmel, bricht der Horror über sie herein - wie in "Prowl" und "Husk", zwei Beiträgen des US-Genre-Festivals After Dark.

"You’re now leaving Famfield": Dieses Schild möchte Amber (Courtney Hope, "Grey’s Anatomy") mitsamt der verschlafenen Kleinstadt - ein waschechtes "Scheißkaff" in ihren Augen - möglichst schnell und weit hinter sich lassen. Die junge Blondine ist auf der Suche nach sich selbst und es zieht sie in die weite Welt hinaus, in die Großstadt Chicago. Eine Wohnung hat sie bereits in Aussicht. 24 Stunden ist die für sie reserviert. Also packt sie ihre Sachen, schnappt sich ihre Freunde mitsamt deren Auto und macht sich auf den Weg in die Freiheit.

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Man soll das Leben genießen, solange das Blut noch durch die Adern fließt.

Weit kommt sie allerdings nicht, denn bereits am Ortsausgangsschild streikt der Motor des Vans und der Trip scheint vorbei, bevor er überhaupt begonnen hat. Als rettender Engel erweist sich ein vorbeikommender Trucker, der nach Chicago fährt und so machen es sich die Freunde im Lagerraum bequem. Das Bier fließt zu neckischen Spielen. Alles scheint sich zum Positiven zu wenden. Doch plötzlich stoppt der Wagen und der Albtraum für die sechs Freunde beginnt.

Der Horror lauert im Dunkeln

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Bange Blicke zur Decke: Was wartet dort im Dunkeln?

Sie befinden sich irgendwo im Nirgendwo, in einem Lagerhaus. Aus der Angst, entführt worden zu sein, wird Panik, als sie die Ladung des Trucks erkennen - Blutkonserven - und feststellen müssen, dass das Lagerhaus, in dem sie sich befinden, früher ein Schlachthaus war. Von da an heißt es: rennen oder sterben, denn die Gruppe wird von unbekannten, hungrigen "Wesen" attackiert - und dezimiert.

Aber rennen kann Amber, im Gegensatz zu manch anderem Mitglied ihrer Clique. Störend erweisen sich nur immer wieder plötzlich auftauchende Bildfetzen vor ihren Augen, eine Art déjà vu, und ein Satz ihrer alkoholkranken Mutter, der vermuten lässt, dass Amber adoptiert ist: "Ich bin froh, dass man uns dich gegeben hat. Die Leute da, die so nett waren." Nach und nach wird Amber klar, warum die Vampire sie nicht angreifen …

"Vampir-Horror" wie er sein soll

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"Prowl" ist bei Senator als DVD und Blue-ray erschienen.

"Prowl" ist ein waschechter Vampirschocker, wie er im Buche steht und wartet mit einer ungewöhnlichen Story auf. Und genau das macht den Film von Regisseur Patrik Syversen zu einer wahren Genre-Perle, der allen Fans von "richtigen" Blutsaugern - wie auch in Sam Raimis "30 Days Of Night" - das Wasser im Mund zusammenlaufen lassen dürfte: Düstere Bilder, knarzender Sound und überzeugend spielende, gut aussehende Jungdarsteller runden die intelligente Story mitsamt den schaurig-schönen und gar nicht so untoten Vampiren ab, die auch noch wie Menschen Nachwuchs gebären können.

"Prowl" ist einer von insgesamt acht Beiträgen der "After Dark Originals", einer bei Senator erscheinenden DVD-Serie, produziert für das US-After-Dark-Horrorfestival ("8 Films To Die For"). Die Serie, in der bis zum Jahresende pro Monat zwei Filme veröffentlicht werden, verspricht "puren geradlinigen Horror" - und liefert dieses auch, was "Husk", der zweite Film der Reihe, beweist.

"Husk" oder die Gefahr im Maisfeld

Das Maisfelder unheimlich sind, weiß man spätestens seit "Die Kinder des Zorns" und auch in "Prey - Vom Jäger zur Beute" kommt dem raschelnden, übermannshohen Getreide eine Schlüsselrolle zu. Maisfelder bieten aber auch so viele, ungeahnte Möglichkeiten für Horrorszenarien: Man hört nichts außer dem Rascheln der Blätter. Man sieht nichts außer einem Wald aus Stängeln. Und wenn dann noch Vollmond ist, beginnt der Horror erst richtig: aus unheimlich wird dann gefährlich, lebensgefährlich - wie Regisseur Bret Simmons mit "Husk" äußerst sehenswert beweist.

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Noch ist alles gut, aber die Nacht ist nicht mehr fern.

Fünf Freunde wollen ein erholsames, trink- und partyfreudiges Wochenende an einem See verbringen. Auf dem Weg dahin passieren sie ein riesiges Maisfeld und übersehen dabei ein "Private"-Schild, auf dem eine Krähe sitzt. Die muntere Fahrt endet kurz darauf abrupt: mehrere der pechschwarzen Vögel krachen in die Windschutzscheibe, das Auto rast in den Straßengraben. Der Wagen ist Schrott, die Insassen sind weggetreten, aber unverletzt - allerdings nur noch zu viert.

"Jeepers Creepers" - und mehr

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Gehe nie ohne Waffe in ein Maisfeld, wenn der Vollmond scheint.

Während Natalie (Tammin Sursok) und Chris (CJ Tommason, "Harpers Island") beim Auto zurückbleiben, machen sich Scott (Devon Gryae, "Dexter") und Nats Freund Brian (Wes Chatham, "Im Tal von Elah") auf die Suche nach dem verschwundenen fünften Freund, Johnny (Ben Easter). Sie vermuten, dass er sich auf die Suche nach Hilfe gemacht hat und steuern deshalb ein Landhaus an, das sie hinter dem Maisfeld entdeckt haben. Die Sonne geht langsam unter, als sie sich ihren Weg durch das Maisdickicht bahnen und dabei bereits die ersten unheimlichen Entdeckungen machen: ein langsam vor sich hin gammelndes Autowrack mit Krähenkadavern auf der Frontscheibe und eine ebenso vergammelte und vor sich hin stinkende Vogelscheuche.

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"Husk" ist bei Senator als DVD und Blue-ray erschienen.

Auch das alte Landhaus hat seine besten Zeiten schon lange hinter sich, aber es brennt Licht in einem der Fenster und so betreten Brian und Scott das unheimliche Haus - und finden Johnny, der seelenruhig an einer Nähmaschine sitzt und näht. Aber etwas stimmt mit ihm nicht, denn er reagiert nicht auf die Rufe seiner Freunde, sondern näht stoisch weiter an seinem "Werk" - bis plötzlich das Licht erlischt. Laute Schreie ertönen. Es ist eine Frauenstimme, völlig aufgelöst, in Panik. Nats Stimme. Sie kommt aus dem Maisfeld und das Unheil nimmt seinen Lauf, ein grausiges Ritual hat begonnen.

"Husk" gehört zu den Horrorfilmen, bei denen man am Anfang denkt, alles zu wissen und sich dann sehr schnell eines Besseren belehren lassen muss. Was am Beginn wie ein "Jeepers Creepers"-Abklatsch aussieht, entwickelt sich spätestens nach dem ersten Filmdrittel zu einem grandiosen, mit jeder Menge Witz gespickten und hämmernden Score versehenen, Katz-und-Maus-Spiel in und um ein dämonisches Maisfeld herum, blutiges Geheimnis inklusive. Eines sei verraten: "Husk" ist ein Film "to die for".

After Dark Festival, Part 2, mit den Filmen "Fertile Ground" und "Seconds Apart" erscheint am 14. Oktober.

Zum Festival-Trailer

Quelle: n-tv.de

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