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Auf den Schornsteinfeger zu warten, hilft dem Lebensglück nicht unbedingt.
Auf den Schornsteinfeger zu warten, hilft dem Lebensglück nicht unbedingt.(Foto: dpa)
Sonntag, 31. Dezember 2017

Ein Dobelli für mehr Glück: Her mit dem guten Leben

Von Solveig Bach

Mehr Geld, mehr Erfolg, mehr Liebe? Was von all dem würde Menschen glücklicher machen? Das kommt ganz darauf an, denn mit dem Glück ist es kompliziert. Das weiß Bestsellerautor Rolf Dobelli nur zu gut und hat trotzdem einige gute Ideen.

Ein gutes Leben möchten die meisten führen, nur: Was gehört eigentlich dazu und wie bekommt man das hin? Dabei gehen die Meinungen dann wieder schnell auseinander. Es ist eben eine Kunst, ein gutes Leben zu schaffen. Genauso hat der Schweizer Autor Rolf Dobelli auch seinen neuen Bestseller genannt: "Die Kunst des guten Lebens".

Dobelli hat darin einen Werkzeugkasten zusammengestellt, aus dem sich jeder nach Bedarf bedienen kann. Denn der Schlüssel zum Glück liegt bei jedem eben anderswo. Der eine neigt dazu, sich ständig Sorgen zu machen, der andere wird von Neid auf alles und jeden zerfressen, der dritte zerfließt vor Selbstmitleid, der nächste strebt nach immer mehr Geld und hofft damit auf mehr Glück.

Der erfolgreiche Unternehmer Dobelli schlägt dabei den ganz großen Bogen von den philosophischen Ansätzen der Antike über Denkhaltungen von Value-Investoren bis zur modernen psychologisch orientierten Glücksforschung und er verfolgt dabei keineswegs die Idee, dass alle einfach nur härter arbeiten oder kämpfen müssten, um am Ende glücklicher zu sein.

Demut und Dankbarkeit

Nach 400 Minuten sollte man seinen persönlichen Werkzeugkasten beieinander haben.
Nach 400 Minuten sollte man seinen persönlichen Werkzeugkasten beieinander haben.

Vielmehr fordert Dobelli seine Leser auf, sich bewusst zu machen, wie viel unserer Lebensumstände wir dem Zufall verdanken, und dementsprechend dankbarer zu sein. Viele erfolgreiche Menschen neigten dazu, sich ihren Erfolg mit ihren Talenten, ihrem guten Instinkt oder ihrem Fleiß zu erklären. Tatsächlich seien es aber häufig nur Glück und Zufälle, die dazu geführt hätten. Genauso zufällig reißen plötzlich Gräben auf dem Lebensweg auf oder erscheinen neue Hindernisse. Dann komme es darauf an, größere Dummheiten zu unterlassen und nicht zu viel Mist zu bauen.

Überhaupt hält es Dobelli für fatal, nach ultimativer Glückseligkeit zu streben. Denn die gebe es nicht, sagt er und wählt dafür das Bild eines Flugzeugs. Die meisten Menschen glauben, ein Flugzeug nehme zu Beginn des Fluges die Zielkoordinaten auf und fliege dann schnurstracks dorthin. Tatsächlich könne man aber sehen, dass der Pilot während des Fluges ständig Korrekturen vornehmen müsse, um auf Kurs zu bleiben.

So verhalte es sich auch mit dem guten Leben. Es gelingt nur durch ständiges Nachjustieren, sagt Dobelli. Dabei sollte man sich nicht zu sehr an seinen Gefühlen orientieren, sondern stattdessen lieber etwas mehr Vernunft walten lassen. Die Welt sei zu komplex und instabil, um sich nur auf die eigene Intuition zu verlassen. Doch indem wir die Welt ein bisschen objektiver sehen, handeln und entscheiden wir besser. Und das mache am Ende dann auch glücklicher.

Dobbeli beim Denken zuhören

Oft sind Dobellis Ratschläge ganz handfest: weniger soziale Medien, weniger Erwartungen, stattdessen sehr viel mehr Gelassenheit. Die Ansichten des berühmten Stoikers Seneca passen seiner Ansicht nach gut zu den unruhigen Zeiten, in denen Menschen Abstand und inneren Frieden suchen. Auch Dobelli empfiehlt, sich auf die Dinge zu konzentrieren, die man selbst beeinflussen und verändern kann. Sich selbst auszutricksen, um zu mehr Seelenfrieden zu finden, ist gar nicht so schlecht, wenn man es sich als mentale Buchhaltung erklärt.

Wie schon die Vorgänger "Die Kunst des klugen Handelns" und die "Die Kunst des klaren Denkens" hat Frank Stöckle auch "Die Kunst des guten Lebens" als Hörbuch eingelesen. Wer Stöckle lauscht, hat das Gefühl, Dobelli beim Denken zuhören zu können. Liebenswert und oft mit einem Augenzwinkern, dabei nie besserwisserisch, sondern sich der menschlichen Unzulänglichkeit nur allzu bewusst, nimmt Stöckle den Zuhörer mit auf diese 52 überraschenden Wege zum Glück.

Denn tatsächlich wissen die meisten Menschen zwar nicht besonders gut, was sie glücklich macht - was sie wirklich unglücklich macht, können die meisten aber sehr wohl sagen. Und eigentlich auch ändern. Gemeinsam mit seiner Frau tue er beispielsweise an jedem 31. Dezember das Gleiche. Sie schreiben "die Namen der Menschen, die uns nicht guttun und die wir nicht mehr in unserem Leben haben wollen, auf kleine Zettel. Die werfen wir dann feierlich ins Feuer, einen nach dem anderen. Ein wohltuendes und heilsames Ritual." Und wahrscheinlich wieder ein Schritt zu ein bisschen mehr Glück im nächsten Jahr.

"Die Kunst des guten Lebens" bei Audible anhören

Quelle: n-tv.de