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"Die ewige Welle" Der Münchner "Tatort" im Schnellcheck

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Die Kriminalhauptkommissare Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) und Ivo Batic (Miroslav Nemec) sind bei ihren Ermittlungen an der Eisbach-Welle nicht immer einer Meinung.

(Foto: BR/Hendrik Heiden/Wiedemann & Berg)

Batic kifft, Leitmayr surft, es knacken die Knochen, es knistert das Zelluloid. An der Isar reist man in die Vergangenheit, erinnert sich an alte Träume und zerplatzte Hoffnungen. Alles gut und schön, wenn es doch nur nicht so konstruiert daherkäme.

Das Szenario

Als Batic (Miroslav Nemec) und Leitmayr (Udo Wachtveitl) ins Krankenhaus kommen, um das Opfer eines Messer-Angriffs zu befragen, ist das für einen der beiden der Beginn einer wenig erbaulichen Zeitreise. Mikesch (Andreas Lust), so heißt der Angepiekste, entpuppt sich als ein alter Kumpel vom Leitmayr. Anno 1984 teilten sich die beiden im portugiesischen Nazaré den Schlafsack, die Joints und zuweilen auch die Dritte im Bunde, die verwehte Strandschönheit Frida (Ellen ten Damme).

Dreieinhalb Dekaden später könnte der Lebensweg der juvenilen Surf-Buddys kaum weiter voneinander entfernt sein. Während es Leitmayr, einstiger Fan von Pink Floyd und drahtiger Beach Boy, zur Polizei zog, klebt Mikesch immer noch am alten Traum von der grenzenlosen Freiheit, der "ewigen Welle", und versucht, sich den Aussteiger-Traum mit einem Drogendeal zu finanzieren. Doch der geht, wie das meiste im Leben des labilen Losers, katastrophal schief.

Die eigentliche Botschaft

Die Vergangenheit ist ein fernes Land, die Menschen verhalten sich seltsam dort. Auch 35 Jahre danach kann Leitmayr es sich immer noch nicht recht erklären, warum er sich damals klammheimlich aus dem Staub gemacht hat. Die Liebe zu Frida pulsiert jedenfalls noch leise vor sich hin, auch wenn den beiden kein Happy-End beschert ist.

Darüber wird in der Mittagspause geredet

Getriggert von den grisseligen Flashback-Szenen aus den Tiefen der 80er-Jahre, dürfte zwischen Cordon Bleu in der Kantine und To-Go-Salat im Stehen genau das ein Thema sein: Weißte noch, wir damals anno `82 in Biarritz? Mensch, in Hvide Sande Anfang der 90er, das war eine coole Zeit. Und was macht wohl der Strandflirt aus Rimini heute? Seufz.

Der Plausibilitätsfaktor

Völlig aus dem Nichts wird dem guten Leitmayr da eine Surfer-Vergangenheit angedichtet - nachvollziehbar ist das nicht. Darüberhinaus ist die Anhäufung von Klischees in Sachen Drogen-Küche, Strand-Romantik, Gangster-Tattoos, Aussteiger-Fantasien, Vater/Tochter-Konflikt, Pennerglück, dazu ein Batic, der (von Leitmayr gänzlich unkommentiert) gegen die Rückenschmerzen ankifft, die eiskalte Dame aus der Kunstszene, die Installationen, einfach too much.

Die Bewertung

4 von 10 Punkten. Ein Ideen-Tornado, dessen Einzelteile funktionieren könnten, in Summe jedoch selbst den gewieftesten Surfer vom Brett fegen.

Quelle: n-tv.de