"Tatort" aus KölnImmer wieder Vicky

Kürzlich erst stand Vicky Leandros mit den Toten Hosen auf der Bühne. Campino & Co. hatten sie auf ihrem Abschiedsalbum verewigt. Jetzt lief ihr zweitberühmtester Song auch im Kölner "Tatort". Was ist dran am Vicky-Hype?
Die Toten Hosen seien auf sie zugekommen, so Vicky Leandros über das Duett mit Campino, ihr hätte die Idee einer Zusammenarbeit mit den Düsseldorfer Punk-Veteranen auf Anhieb gefallen. Die Hosen und Schlager, das ging schon immer ganz gut zusammen, ihre Songs von jeher mehrheitsfähig und mitsingkompatibel, zudem grasten sie einst unter dem Pseudonym Die Roten Rosen schon einmal ausgiebig auf den Weiden von Dieter Thomas Heck. Die gemeinsame Version von "Ich liebe das Leben" jedoch hatte so gar nichts vom Ulk-Duktus der Altbier-Trinker, im Gegenteil, als Song auf dem Abschiedsalbum "Trink aus, wir müssen gehen!" wurde daraus ein melancholischer Schunkler mit Träne im Knopfloch.
Gerade erst stand die 77-jährige Sängerin beim Konzert in Hamburg mit den Hosen auf der Bühne, da läuft das Lied jetzt sogar im "Tatort". Zur besten Sendezeit tanzte Katrin Wichmann, im Film die Gattin eines undurchsichtigen Prepper-Chefs, angetrunken und singend durchs Wohnzimmer, der Soundtrack auch hier: "Ich liebe das Leben".
Ein halbes Jahrhundert ist es her, da veröffentlichte Vicky Leandros den Titelsong ihres elften Studioalbums als Single. Mit "Messer, Gabel, Schere, Licht" hatte sie 1965 ihre Debütsingle veröffentlicht, zwei Jahre später vertrat sie Luxemburg mit "L'amour est bleu" beim ESC und belegte den vierten Platz, 1972 versuchte sie es im schottischen Edinburgh ein weiteres Mal und gewann mit "Après toi" den Wettbewerb.
Es folgten Hits wie "Ich hab' die Liebe geseh'n", "Die Bouzouki klang durch die Sommernacht" - und das Lied vom Theo, das zunächst keiner haben wollte. Ihr Vater Leo Leandros schrieb für seine Tochter die Songs, unter Verwendung des Pseudonyms Mario Panas. Beim Lied über das "faule Murmeltier" hielt sich die Begeisterung im Chefbüro der Plattenfirma jedoch zunächst in Grenzen. Eine Fehleinschätzung, wie sich später herausstellen sollte. "Theo, wir fahren nach Lodz" wurde ein Hit, bis heute der wohl bekannteste Song von Vicky Leandros - oder ist "Ich liebe das Leben" gerade im Begriff, dem Hit wider Willen den Rang abzulaufen?
Das Karussell dreht sich weiter
In Deutschland knackte das Lied damals die Top 10 und hielt sich 19 Wochen in den Charts, ein veritabler Erfolg, aber nicht eben das, was man einen Megahit nennen würde. Und dennoch entwickelte dieses Abschiedslied, einnehmend austariert zwischen Abschied und Aufbruch, ein erstaunliches Eigenleben. 2010 coverte Erfolgssängerin Andrea Berg den Song, drei Jahre später auch Partykanone Ina Colada. Dass Punk und Schlager, One-Two-Three-Four und Liebe zum Leben gut zusammengehen, entdeckten Betontod schon eine Weile vor den Hosen. Auf den lyrisch betitelten "Trinkhallen Hits Vol. 1" (2018) coverten die seit 1990 aktiven Deutschpunks das Leandros-Lied, Seite an Seite mit Evergreens wie "Schöne Maid", "Die Kleine Kneipe" und "Griechischer Wein".
Nun also das "Tatort"-Cameo, auch hier im dezent alkoholisierten Kontext, eine Flasche Limoncello war im Spiel. In Frankreich erklingt es als "J'aime la vie", es gibt auch die englische Version "I enjoy living". Und als Vicky Leandros vor einigen Jahren offiziell Abschied von der Bühne nahm, stand ihre Tour ebenfalls unter diesem Motto: "Ich liebe das Leben".
Wie sehr sie es liebt, davon konnte man sich im Mai dieses Jahres überzeugen. Beim ersten ESC-Halbfinale in Wien sang sie eine neue Interpretation ihres Hits "L'amour est bleu". Eine Menge los also für eine Künstlerin, die sich doch eigentlich verabschiedet hatte, aber wie heißt es so schön in diesem immer noch und immer wieder berühmten Lied: "Das Karussell wird sich weiterdreh'n".