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Poppen, Koks & Rock'n'Roll Mötley Crüe - Jede Menge Dreck am Stecken

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Das Biopic "The Dirt" lässt Mötley Crüe mit Hilfe von Schauspielern noch einmal auferstehen.

(Foto: Jake Giles Netter / Netflix)

"The Dirt" nennt sich das Biopic über Mötley Crüe. Mit dem zwischen hart und härter pendelnden Streifen laden die Herren Lee, Sixx und Co. bei Netflix noch einmal zu einer letzten Sex-Drugs-&-Rock-n-Roll-Achterbahnfahrt ein.

Los Angeles, 1981: Während die Reichen und die Schönen in den Bergen von Beverly Hills im Schampus baden, vergnügt sich die raufboldige Jugend in den verruchten Sunset Strip-Clubs. Zwischen spermabesudelten Hot Pants und bis zur Oberkante mit Koks gefüllten Spitzen-BHs lümmeln auch die in ihrem jugendlichen Wahnsinn zu allen Schandtaten bereiten "Herren" Nikki Sixx, Tommy Lee, Mick Mars und Vince Neil herum.

Zwischen Leben und Tod

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Es ist die Zeit, in der sich die Sex-Drugs-&-Rock-n-Roll-besessenen Lebemänner dazu entschließen, Nägel mit Köpfen zu machen und ihre in Leid, Wut und Wollust getauchten Gedanken und Gefühle in Musik münden lassen. Es ist die Geburtsstunde von Mötley Crüe, einer Band, in der zwischen Leben und Tod so ziemlich alles erlaubt zu sein scheint.

Heute, knapp vierzig Jahre später, setzt sich das mittlerweile seit vier Jahren im Rockerrente-Archiv die vergoldeten Kronjuwelen schaukelnde Kollektiv mit dem Netflix- Biopic "The Dirt" ein letztes Denkmal.

Basierend auf der bereits 2001 erschienenen, gleichnamigen Bestseller-Biografie macht der Film seinem Titel alle Ehre. Ungefiltert, erschreckend ehrlich und mit talentierten Schauspieler-Hoffnungen - Douglas Booth ("Worried About The Boy"), Iwan Rheon ("Games Of Thrones"), Daniel Webber ("The Punisher"), Machine Gun Kelly - perfekt besetzt, ziehen die 108 Minuten des Films eine Schneise aus puren Emotionen.

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Ja, sie sahen wirklich so aus - die "echten" Mötley Crüe Anfang der 80er-Jahre.

(Foto: imago/MediaPunch)

Egal ob Nikki Sixx' turbulente "Ich hasse meine Eltern"-Kindheit, die ausgeprägte Poppen-bis-der-Arzt-kommt-Sucht von Blondie Vince Neil oder die schmerzverzerrte Odyssee von Morbus-Bechterew-Opfer Mick Mars: Mötley-Fan oder nicht, man lebt und leidet vor der Mattscheibe mit.

Urin und Ameisen

Natürlich stehen die obligatorischen Bad-Boys-Highlights der seinerzeit nahezu täglich über die Stränge schlagenden Band-Mitglieder im Mittelpunkt. Wenn Vince Neil "versehentlich" die Freundin des Plattenfirmenvertreters anvögelt, Tommy Lee im Alkoholrausch mit einem String-Tanga durch die Hotel-Gänge hüpft und Nikki Sixx beim osbournschen "Wie ziehe ich mir einen halben Liter Urin, inklusive Ameisenkolonie, durch die Nase?"-Grundkurs große Augen macht, pendelt man daheim als Zuschauer zwischen Auweia- und Oh-je-Welten hin und her. Die vier Band-Mitglieder und ihr tapfer gegen jede Peinlichkeit ankämpfendes Management-Umfeld torkeln von einem Grenzwert-Abenteuer ins nächste.

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Der Film zeigt das Rockstar-Leben der Gruppe - aber nicht nur das.

(Foto: Jake Giles Netter / Netflix)

Trotz der nicht enden wollenden Eskapaden sind es am Ende aber die nachvollziehbaren Dramen, die die größten Spuren hinterlassen. Der Angstschweiß im Gesicht von Nikki Sixx, kurz nachdem er aus einem zweiminütigen Überdosis-Todesschlaf wieder zurück ins Leben katapultiert wird, macht mehr als nur nachdenklich. Der Tod von Hannoi-Rocks-Drummer Nicholas "Razzle" Dingley, verursacht durch einen von Vince Neil verschuldeten Autounfall, macht sprachlos. Spätestens aber wenn der Sänger zehn Jahre nach dieser Tragödie seiner kleinen Tochter Skylar beim Sterben zusehen muss, gefriert einem das Blut in den Adern.

Das wahre Leben

Plötzlich ist der ganze Rausch, all die Musik und all der in Blut und Tränen gegossene Revoluzzer-Spaß verflogen. Dann werden aus chaotischen Lack-und-Leder-Superhelden weinende Familienväter. Das wahre Leben hat sie wieder an der Leine. "The Dirt" fängt auch diesen Part perfekt ein - vielleicht sogar noch eindringlicher und aufwühlender als die zahlreichen Over-the-Top-Momente im Leben von Nikki Sixx, Mick Mars, Tommy Lee und Vince Neil.

Quelle: n-tv.de

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