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Samstag, 16. Juni 2018

Fotografien von Johanna Ekmark : Wofür das Herz der Italiener wirklich schlägt

Von Andrea Affaticati

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Ein Freund sagte ihr einmal: "Zufälle ereignen sich, das Schicksal ist aber ein Teil von uns." Ein Bonmot, das sich Johanna Ekmark zu eigen gemacht hat. Sie stammt aus Schweden, landet aber schon als Kind mit ihrer Familie in der Toskana - und sie bleibt. Mit 19 beschließt sie zunächst, Landwirtin zu werden, ... (Foto: Johanna Ekmark)

Ein Freund sagte ihr einmal: "Zufälle ereignen sich, das Schicksal ist aber ein Teil von uns." Ein Bonmot, das sich Johanna Ekmark zu eigen gemacht hat. Sie stammt aus Schweden, landet aber schon als Kind mit ihrer Familie in der Toskana - und sie bleibt. Mit 19 beschließt sie zunächst, Landwirtin zu werden, ...

Ein Freund sagte ihr einmal: "Zufälle ereignen sich, das Schicksal ist aber ein Teil von uns." Ein Bonmot, das sich Johanna Ekmark zu eigen gemacht hat. Sie stammt aus Schweden, landet aber schon als Kind mit ihrer Familie in der Toskana - und sie bleibt. Mit 19 beschließt sie zunächst, Landwirtin zu werden, ...

... mit 30 Jahren landet Ekmark als junge Mutter in Mailand. "Ich war noch jung, ziemlich wütend und hatte Kinder, die ich großziehen musste." Die Schwedin wagt den Kurswechsel und erfindet sich als Fotografin neu. Im Rahmen ihres Projekts "Caffè Italia" erschien vor Kurzem der zweite Band. "Caffè Italia ist aber weder eine Zeitschrift noch eine Serie von Fotografie-Bänden", erklärt sie. "Wenn schon, dann beides."

Der Name des Projekts, Caffè Italia, sei auch keine Anspielung darauf, dass die Italiener gerne Kaffee trinken. "Er steht vielmehr für das Lokal 'il Bar', wo sich die Menschen treffen und plaudern", erklärt Ekmark. Der Fotoband sei das Ergebnis einzigartiger Begegnungen. Sie zeigen das Herz Italiens - und dazu gehören auch ...

... Kapern. In Italien gehören sie seit der Antike zu den am meisten geschätzten Zutaten. Sie sind stumme Zeugen der Gezeiten, "des verheerenden Erdbebens, das 1693 die sizilianische Stadt Noto zerstörte, und ...

... der blutigen Schlacht zwischen Athenern und Syrakusern", schreibt Corrado Assenza, der in seinem "Caffè Sicilia" in Noto honigsüße Köstlichkeiten daraus zaubert. "Gibt es ein Land, das reicher an Geschichten ist als Italien?", fragt Ekmark. Es ist das Land ...

... der tausend Kirchtürme und der tausend Musikkapellen - wie in Ruvo di Puglia. Jede Kapelle schwingt den Taktstock ...

... nach einheimischem Gefühl. "Caffè Italia", sagt Ekmark, sei auch eine Protestaktion gegen ein Verlagssystem, das sich für (Lebens-)Geschichten nicht mehr interessiert. Doch gerade die sind ihre Leidenschaft. In Neapel ...

... ist die schwedische Fotografin fasziniert von "Il Cristo velato", "dem verschleierten Christus". "Mir schien, als wäre er lebendig", erinnert sich Ekmark. Neben dem Fußball gehört ...

... Radfahren in Italien zu den nationalen Leidenschaften. Die Radveranstaltung "L'Eroica" fand das erste Mal 1997 statt. Die Initiatoren setzen sich für den Erhalt der letzten Schotterstraßen der Toskana ein. Aus aller Welt kommen ...

... die Teilnehmer nach Gaiole in Chianti. Einzige Voraussetzung: Rad und Ausstattung müssen Vintage sein.

Italien - das sind aber auch das Meer und die Berge. Den Seefahrern der Antike diente der 900 Meter hohe Vulkan Stromboli als Leuchtturm. In Roberto Rosellinis gleichnamigem Film ...

... aus dem Jahr 1950 spielt Ingrid Bergman Karin, die frischverheiratet nach Stromboli kommt ...

... und ihren Mann beim Anblick des Feuer speienden Vulkans besorgt fragt: "Ist er immer aktiv?". "Ja, immer", antwortet dieser stolz. Neben dem Feuer bietet Stromboli ...

... aber noch weitere Attraktionen: Der Fischer Gaetano Cincotta ist auf der Insel eine Institution. Wer ihn treffen will, muss nur nach dem Wikinger fragen. Noch berühmter als Gaetano ist allerdings ...

... Italiens Handwerk, wie etwa dieser Stuhl. Name: Chiavarina. Geburtsjahr: 1807. Geburtsort: Chiavari, Ligurien. Besondere Merkmale: auch nach 200 Jahren modern.

Italo Levaggi kennt jeden einzelnen Griff auswendig. "Seine Hände bewegen sich auch nach 50 Jahren an der Drehbank ...

... mit verblüffender Sicherheit und Präzision", schreibt der italienische Autor Alberto Bassi. Ekmark hat die Arbeit des Schreiners in Bildern festgehalten. Auf die Frage, was sie an Italien besonders berührt, antwortet Ekmark: ...

"Die Menschen, ihre Leidenschaft". Ganz gleich, ob sie das Land beackern oder ihre Kreativität einsetzen. Das Ergebnis ist immer einzigartig ...

... und natürlich die Landschaft, wie hier: Orvieto im Nebeldunst. "Als Kind setzte ich mich unter einen Olivenbaum und hatte das Gefühl, mich im Zentrum der Geschichte zu befinden."

Funde wie dieses "Bucchero", ein Tongefäß der Etrusker, geben Johanna Ekmark recht. Die Fotografin hat in Orvieto ...

... die südlich der Stadt gelegene Nekropole Crocifisso del Tufo erkundet. Wie viel es dort noch zu entdecken gibt, lässt sich ...

... an diesem Gräberfeld ermessen. Unter der Erde befinden sich an die 300 Stätten, die zwischen dem 6. und dem 3. Jahrhundert v. Chr. errichtetet wurden. Weiter nordwärts, nahe des Ätna, ...

... hält Ekmark die Sonne fest. "Es gibt keinen besseren Flecken auf Erden für Siziliens Wahrzeichen, die Blutorangen", schreibt der Patissier Corrado Assenza in "Caffè Italia". Herr Corrado, ...

... den alle nur Uzzo nennen, steht stolz in seinem Orangengarten. Von November bis Ende Juni reifen hier abwechselnd die kostbarsten Sorten: Navel, Tarocco, Moro, Saguinello und die Valencia.

Die Cassata gehört allerdings zu Siziliens begehrtesten Spezialitäten: Unter der dünnen Marzipanglasur verbirgt sich eine Füllung aus Ricotta und Biskuit. Ein Kunstwerk.

Kunsthandwerk oder doch schon Kunst? Bei Massimo Lunardos Glaskreationen ist es wohl Letzteres. "Glas ist eine magische Materie", so der Meister. "Wer sie kennt, ...

... kann schlicht alles damit machen." In Lunardos Werkstatt in San Giorgio di Perlena, eine Autostunde von Venedig entfernt, entsteht seine Kunst.

Zweifelsohne, das hier sind Meister der Glasbläserei.

Was in die Gläser hineinkommt? Keine Frage! "Wie sehr liebst du Wein?", fragt der preisgekrönte Sommelier Sandro Sangiorgi in "Caffè Italia". Eine Frage, für deren Antwort sich Ekmark ...

... auf die Reise begibt. Sie sucht nach dem "Vino vero", dem echten Wein. Ihre Suche führt sie ins norditalienische Friaul zu Josko Gravner, einem der Meister der italienischen Weinkultur. Seine Weine Rosso Breg Rujno und Rosso Gravner ...

... füllt er strikt den Mondphasen folgend ab. Vom nördlichsten Zipfel Italiens fährt Ekmark bis hinunter zum südlichsten Punkt, ...

... den Hängen des Ätna. Dort wachsen die Reben des Profumo di Vulcano auf schwarzem Sand- und Steinboden ...

... und die Bewirtschaftung erfolgt wie vor 2000 Jahren. Der renommierte Sommelier Federico Graziani besitzt ein kleines Weingut an den Hängen des Ätna, wo ...

... er seinen Profumo di Vulcano herstellt. Salvo Foti (r.) hat sich auf Naturweine spezialisiert und den Verband I Vigneri 1435 gegründet, dessen Vorsitzender Maurizio Pagano ist. Wer dem italienischen Lebensgefühl auf den Grund gehen will, ...

... muss aber nicht nur den echten Wein finden, sondern auch die Provinz erkunden - zum Beispiel Ascoli Piceno in der mittelitalienischen Region Marken. Die Piazza ist bis heute ...

... Treffpunkt für ein Aperitiv, einen Klatsch oder einem Abendessen. In Triest wiederum trifft sich bei der internationalen Regatta Barcolana ...

... alles, was sich mithilfe eines Segels fortbewegt - von Booten in der Größe einer Nussschale bis hin zu den stattlichen Segelbooten des America's Cup. Mehr Informationen finden Sie auf www.caffeitalia.se.

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