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Freitag, 26. November 2010

Mercedes E 500 vs. BMW 650i: Duell der Power-Cabrios

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Der eine ist ein Newcomer, der andere gehört zum gehobenen Stand seiner Klasse. Der mit dem Stern macht sich klein, der mit dem blau-weißen Emblem trumpft groß auf. Wir vergleichen das neue E-Klasse-Cabrio mit dem BMW 650i. (Foto: Markus Mechnich)

Der eine ist ein Newcomer, der andere gehört zum gehobenen Stand seiner Klasse. Der mit dem Stern macht sich klein, der mit dem blau-weißen Emblem trumpft groß auf. Wir vergleichen das neue E-Klasse-Cabrio mit dem BMW 650i.

Der eine ist ein Newcomer, der andere gehört zum gehobenen Stand seiner Klasse. Der mit dem Stern macht sich klein, der mit dem blau-weißen Emblem trumpft groß auf. Wir vergleichen das neue E-Klasse-Cabrio mit dem BMW 650i.

Das E-Klasse Cabrio ist relativ frisch auf dem Markt. Erst im Sommer rollte das Auto zu den Händlern.

Beim 6er von BMW steht hingegen schon die Wachablösung an. Die Münchner zeigten bereits das neue Cabrio auf der LA Autoshow. Seit 2003 ist der 6er auf dem Markt und wurde 2007 zart renoviert.

Beide Cabrios spielen in einer Klasse, auf der anderen Seite aber auch nicht. Während der 6er ein Fahrzeug mit eigenständigem Design ist, wurde das E-Klasse Cabrio auf Basis der kleineren C-Klasse konstruiert.

Für unseren Test stehen uns die jeweils stärksten Versionen zur Verfügung. Bei BMW ist das der 650i, darüber rangiert nur noch der M6. Bei Mercedes ist es der E 500. Als Cabrio gibt es derzeit noch nichts Stärkeres, denn der Haustuner AMG hat sich bisher nur der Limousine und dem Kombi angenommen.

Kann der kleinere Frischling auf dem Markt der Luxuscabrios also dem trendigen Nobelmann aus München das Wasser abgraben?

Frech fährt vor, aber wir lassen dem etwas betagten Bayern den Vortritt vor dem aufmüpfigen Schwaben.

Das Design des 6er war damals wegweisend, und ist auch heute noch bemerkenswert aktuell. Der BMW hat einst seinen eigenen Stil geprägt und sich abseits der Pfade von 3er und 5er bewegt. Für die Münchner war der 6er ein Trendsetter.

Er hat mächtig was unter der Haube. Mit einem 4,8-Liter-V8-Motor ausgestattet, gibt es an der Dynamik des 650i eigentlich nichts zu meckern.

Nach dem Drücken des Startknopfes ertönt ein sonorer Sound, wie ihn eben nur ein V8 wirklich erzeugen kann. Tiefes Brummen kündet von Potenzial.

Wenn die 367 PS dann losgelassen werden, geht es mit dem 6er schon richtig nach vorne. Den Sprint auf die 100 Stundenkilometer schafft der Bayer in 5,5 Sekunden.

Ein solcher Vortrieb kratzt an der Grenze zu Sportwagenzeiten. Dafür reicht es aber doch nicht ganz. Da müsste dann die 4 vor dem Komma stehen.

Dennoch ist der gefühlte Vorwärtsdrang des 6ers schon sehr sportlich.

Die 490 Newtonmeter schieben das Auto stur voran. Die Lenkung des BMW ist ausreichend direkt, aber nicht unbedingt vorbildlich für ein Auto mit diesem Potenzial.

Dafür lässt sich das ESP richtig abschalten, ...

... was uns offensichtlich so einige ...

... Freude bereitet hat. Man kann es mit dem flotten Bayern schon krachen lassen. Hilfreich, dass sich die Traktionskontrolle (DTC) komplett abschalten lässt.

Und er macht das Spektakel auch brav mit. Der BMW 650i ist ein robustes Auto, das sich auch in extremen Fahrsituationen nicht zu Unkalkulierbarem hinreißen lässt.

Das Heck kommt quer, so wie es bei einem Auto mit angetriebener Hinterachse sein muss.

Aber es lässt sich auch wieder gut einfangen.

Kurz vom Gas, gegenlenken ...

... und der BMW zieht sich wieder in seine Spur.

Der kann also was, der ältere Herr aus München, und braucht sich vor dem frischen Schwaben erst mal nicht zu verstecken.

Aber der Mercedes E 500 hat den Vorteil der Jugendlichkeit. Sein V8 verfügt mit knapp 5,5 Litern Hubraum über etwas mehr Volumen als der des BMWs.

Daraus generiert er eine Leistung von 388 PS. Also 12 mehr als der 650i.

Auch beim Drehmoment liegt er mit 530 Newtonmeter auf dem Papier vorne.

Den Daten entsprechend zeigt auch der Mercedes, dass er flott nach vorne geht.

Die Kräfte sind allerdings mit viel Elektronik im Zaum gehalten. Die noch konventionelle Zahnstangen-Lenkung ist direkter als beim BMW, wird aber bei hohen Geschwindigkeiten leicht schwammig.

Trotz der Elektronik geht es mit etwas gutem Zureden ...

... auch beim E-Klasse-Cabrio quer.

Bei unseren Driftversuchen wird schnell klar, dass der Mercedes das handlichere Auto ist.

Obwohl er mit 4,70 Meter nur 12 Zentimeter kürzer als der BMW ist.

Ein sehr gute Figur gibt die Siebengang-Automatik G-Tronic ab. Das Getriebe glänzt mit schnellen und präzisen Schaltvorgängen.

Vor allem, wenn der Sportmodus aktiviert wird. Das Fahrwerk lässt sich elektronisch auf Sport (Serie bei E 500) abstimmen, ebenso die Charakteristik des Motors.

Damit geht es dann offiziell in 5,3 Sekunden von 0 auf 100 Stundenkilometer. Auf dem Papier also leicht schneller als beim BMW.

Das wollten wir natürlich genau wissen und sind zwei Beschleunigungsrennen mit den beiden Luxuscabrios gefahren.

Beide Durchgänge gewann der E 500 deutlich. Die G-Tronic war dem mittlerweile etwas veralteten Wandler-Getriebe doch deutlich überlegen. Und auch das Drehmoment-Plateau des Mercedes (530 Newtonmeter zwischen 2800 und 4800 U/Min) dürfte dem Schwaben zum klaren Sieg verholfen haben.

Gut, dann also auf die Rennstrecke in Groß-Dölln. Der Kurs mit vielen engen Kurven lässt sich hervorragend zum Fahrwerkstest nutzen.

Kann der BMW hier seinen Rückstand in Sachen Beschleunigung aufholen?

Dürfte nicht einfach werden, denn der Mercedes bringt ein ausgesprochen solides Fahrwerk mit.

Aber dafür ist eigentlich auch BMW bekannt. Die Münchner sind eigentlich die Fahrwerksflüsterer.

Drehen wir also ein paar schnelle Runden mit dem 6er.

Auch wenn wir bei unserem Test das Gegenteil bewiesen haben, die gefühlte Beschleunigung ist enorm. Der BMW drückt mächtig aus den Kurven heraus.

In den Kurven neigt der Münchner aber zum Querstehen. Das lange Heck macht sich da bemerkbar.

Auch dem ESP merkt man die Zeit an. Neuere Systeme sind ein wenig feiner justiert. Das ESP verrichtet sehr ordentliche, aber für Rennstrecken zu ordentlich Dienste.

In engen Kurven bremst uns die Elektronik des Öfteren aus.

Dennoch bringen die schnellen Runden mit dem Bayern richtig Spaß.

Da will das E-Klasse Cabrio aber nicht nachstehen.

In Sachen Fahrwerk kann der Schwabe ebenso glänzen. Beide Autos sind ähnlich konstruiert. Vorne Raumlenkerachsen und hinten Mehrlenker.

Im Sportmodus zeigt der Benz allerdings Zähne. Mit seinen fein angestimmten elektronischen Assistenzsystemen geht es mit dem E 500 flotter um die Kurven.

Der Mercedes lässt sich kompakter fahren. Da dürfte auch der Radstand eine Rolle spielen, der mit 2,76 Metern verhältnismäßig groß ist und nur zwei Zentimeter unter dem des BMW liegt.

Dabei unterscheiden die beiden zwölf Zentimeter in der Gesamtlänge. Das elektronisch gesteuerte Fahrwerk reagiert in Millisekunden auf die Lastwechsel und wirkt ausgleichend auf die Dämpfer ein.

Damit lässt sich schon eine flotte Runde drehen. Vor allem, weil ...

... das mächtige Drehmoment aus den Kurven heraus noch besser beschleunigt als beim Konkurrenten.

Der Mercedes kann auch auf dem Rundkurs dem BMW ein Schnippchen schlagen. In Sachen Fahrdynamik ist der Schwaben dem Bayern eine Nasenlänge voraus.

Gut, nun werden solche Autos aber in der Regel nur selten auf freier Strecke am Limit bewegt. Bei diesen Power-Cabrios dient das Typenschild, ebenso wie das Auto an sich, als Statussymbol.

Kommen wir also zur Kategorie Komfort. Da sollte der Mercedes eigentlich Maßstäbe setzen.

Aber schon bei der Verarbeitung und den Materialien lässt sich der Klassenunterschied erkennen. Während sich im E 500 ein Plastikarmaturenbrett findet, ist diese beim BMW mit edlem Leder bespannt.

Dort wo BMW mit Leder glänzt, zeigt Mercedes eher günstigere Materialien, wie Chrom oder eben Kunststoff. Die Bestuhlung ist bei beiden natürlich beledert.

Beide Autos bieten auf den vorderen Sitzen ausreichend Platz. Hinten geht es hingegen enger zu. Da hat der Mercedes noch einen Tick mehr zu bieten als der traditionell eng geschnittene BMW.

Die Kopffreiheit, ein kritischer Punkt bei Cabrios, ist vorne bei beiden in Ordnung. Mercedes bietet noch sein Luftsystem "Airscarf", das die kalte Zugluft über die Köpfe der hinteren Passagiere leiten soll.

Das gelingt nur bis zu einer gewissen Körpergröße. Die Kopffreiheit auf den hinteren Plätzen ist beim BMW größer als beim Mercedes.

Beim Interieur kann der BMW also doch Boden gutmachen. Hier merkt man eben den Preisunterschied.

Denn der 650i liegt preislich doch weit vor dem E 500.

Den BMW gibt es ab 89.300 Euro als 650i.

Damit liegt er fast stolze 18.000 Euro über dem Mercedes E 500. Den gibt es ab 71.519 Euro.

Allerdings ist dieser Preisunterschied durchaus im Interieur spürbar. Der BMW bietet die höherwertigen Materialien und mehr Platz an.

Beim Gepäck liegen beide Autos etwa gleich. 350 Liter bietet der BMW 650i, maximal 390 Liter der Mercedes E 500. Allerdings werden beim Benz mit offenem Verdeck 90 Liter weniger daraus. Das Dach faltet sich teilweise in den Kofferraum.

Am Ende wird es eng. Aber der Mercedes kann sich doch den Sieg bei diesem Vergleich schnappen. Der BMW 650i punktet mit seinem schicken Auftritt, dem Oberklassefeeling im Innern und mehr Nutzwert. Deshalb sieht er gar nicht so alt aus im Vergleich mit dem Jungspund aus Stuttgart.

Aber der Mercedes E 500 ist das modernere Auto, zeigt ein fein gesteuertes Fahrwerk, einen bärenstarken V8 und offenbart sich sogar als die günstigere Option. Deshalb hat der Mercedes schließlich die Nase vorne. Aber wir dürfen gespannt sein, wie der Vergleich mit dem neuen 6er ausfallen wird. Freuen wir uns auf den nächsten Sommer, denn der wird es zeigen. (Text: Markus Mechnich)

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