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Dienstag, 11. Oktober 2016

Terrorzelle in Sachsen?: Der Großeinsatz von Chemnitz

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Ein massives Polizeiaufgebot reißt die Menschen in Chemnitz aus dem Alltag. (Foto: AP)

Ein massives Polizeiaufgebot reißt die Menschen in Chemnitz aus dem Alltag.

Ein massives Polizeiaufgebot reißt die Menschen in Chemnitz aus dem Alltag.

In einer Plattenbausiedlung im Südwesten der sächsischen Großstadt rücken am Morgen des 8. Oktober schwer bewaffnete Spezialeinsatzkräfte an, um die Wohnung eines Verdächtigen zu stürmen.

Gewaltsam verschaffen sich die Beamten Zugtritt. Was sie im Inneren finden, lässt selbst hartgesottenen Einsatzkräften den Atem stocken.

In der gestürmten Wohnung stoßen die Ermittler auf mehrere Hundert Gramm "hochbrisanten Sprengstoff". Damit erhärtet sich der Verdacht: In der Wohnsiedlung wurde offenbar an einem Anschlagsplan gearbeitet.

Die aufgefundenen Materialien zum Bombenbau waren weit gefährlicher als TNT, wie ein Sprecher des Landeskriminalamts (LKA) Sachsen am Abend erklärt.

Der Fundort wird weiträumig abgesperrt.

Der unmittelbare Umkreis der fraglichen Wohnung wird evakuiert. An Anwohner ergeht die Bitte, innerhalb des abgesperrten Bereichs in ihren Wohnungen zu bleiben und die Weisungen der Polizei zu beachten. "Die Leute sind sehr gefasst und ruhig", berichtet ein Anwohner.

Das hochgefährliche Material wird vorsichtig geborgen und noch vor Ort in einer eigens ausgehobenen Grube kontrolliert gesprengt.

Der Hauptverdächtige - ein 22-jähriger Mann aus Syrien - kann offenbar knapp entkommen.

Der als Flüchtling eingereiste junge Mann steht unter dringendem Verdacht, einen möglicherweise islamistisch motivierten Anschlag geplant zu haben.

Das Landeskriminalamt schreibt den jungen Mann bundesweit zur Fahndung aus. Er gilt als gefährlich - und er ist möglicherweise bewaffnet.

Mit Spürhunden sucht die Polizei das Umfeld der Wohnung ab.

Bis der Sprengstoff unschädlich gemacht werden kann, müssen Anwohner werden aus der unmittelbaren Umgebung ihre Wohnungen verlassen.

Die Suche nach dem Hauptverdächtigen wird am Nachmittag ausgeweitet.

Am Chemnitzer Hauptbahnhof nimmt die Polizei drei Bekannte des Verdächtigen fest.

"Es gab drei Festnahmen, zwei im Bereich des Hauptbahnhofes, eine weitere im Bereich der Innenstadt", erklärt ein LKA-Sprecher.

"Das sind Kontaktpersonen oder zumindest Bekannte des gesuchten Tatverdächtigen, die wir über die Ermittlungen identifizieren konnten."

Der Hauptverdächtige ist zunächst weiter auf der Flucht.

Der Chemnitzer Bahnhof wird nach der Festnahme zweier möglicher Komplizen des Flüchtigen weiträumig abgesperrt.

Ein Gepäckstück der beiden Festgenommenen wird sicherheitshalber von einem ferngesteuerten Polizeiroboter untersucht.

Die Behörden müssen offenbar mit weiteren Sprengstofffunden rechnen.

Am Flughafen Berlin-Schönefeld, Berlin-Tegel und an den Bahnhöfen der Bundeshauptstadt verschärft die Polizei die Sicherheitsvorkehrungen.

Zusätzliche Beamte sind im Einsatz, um Fahrzeuge und Ankunftshallen nach dem flüchtigen Syrer zu durchsuchen.

Erst am Abend können die Anwohner der Chemnitzer Fritz-Heckert-Siedlung in ihre Wohnungen zurückkehren.

"Wir wollen ihn so schnell wie möglich finden", heißt es aus Polizeikreisen. Noch sei unklar, ob der Hauptverdächtige als Flüchtling nach Deutschland gekommen sei.

Beim Verfassungsschutz sollen laut LKA Sachsen "Erkenntnisse" zu ihm vorgelegen haben. Das Bundesamt für Verfassungsschutz bestätigt auf Anfrage, dass die Behörde einen entsprechenden Hinweis an die Polizei in Sachsen gegeben hatte.

Zu Medienberichten über einen geplanten Anschlag auf einen deutschen Flughafen wollte er sich nicht äußern, ebenso wenig das LKA Sachsen.

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