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Dienstag, 29. Januar 2008

Die "große Seele" Indiens: Gandhi

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Es ist ein Schuss, den man in der ganzen Welt hört, ...

Es ist ein Schuss, den man in der ganzen Welt hört, ...

Es ist ein Schuss, den man in der ganzen Welt hört, ...

... der Millionen Menschen berührt, ...

... und ganz Indien in Trauer versinken lässt.

Am 30. Januar 1948 wird Mahatma (sanskrit für "große Seele") Gandhi ermordet.

Gandhi, eine der prägendsten Gestalten der indischen Unabhängigkeitsbewegung, der Pazifist und Vertreter eines gewaltlosen Widerstandes, wird in Neu-Delhi Opfer eines hinduistischen Fanatikers. (Gandhi 1942 in Bombay.)

Tausende begleiten den Totenzug ...

... und die Verbrennung des Leichnams.

Seine Asche, streng bewacht durch Soldaten, ...

... wird auf mehrere Urnen verteilt ...

... und in die heiligen Flüsse Indiens gestreut - auch noch Jahrzehnte nach Gandhis Tod. (Hier bei einer Zeremonie 1997.)

Bis heute ist Gandhi in der indischen Gesellschaft präsent ...

... und wird als Nationalheld verehrt.

Sein Geburtstag, der 2. Oktober, ist ein indischer Nationalfeiertag. Und auch seines Todestages wird jährlich gedacht. (Hier der indische Präsident A.P.J. Abdul Kalam bei einer Zeremonie 2007.)

Die jährlichen Feiern zur Unabhängigkeit am 15. August sind eng mit seinem Namen verbunden.

Auch in der politischen Landschaft Indiens ist Gandhis Einfluss nach wie vor zu spüren. (Die Politikerin Sonia Gandhi, die aber nicht mit Mahatma verwandt ist.)

Der Indische Nationalkongress, den Gandhi seit 1920 führt und in den folgenden Jahren stark prägt, gilt bis in die 1990er Jahre als gesamtindische Partei und stellt etliche Premierminister.

Doch Gandhi ist nicht nur für Indien eine der herausragendsten Persönlichkeiten des vergangenen Jahrhunderts.

Der Friedensnobelpreis, für den Gandhi 1948 nominiert ist, wird nach dem Attentat gar nicht vergeben.

Gekrönte Häupter wie Elizabeth II., Regierungschefs wie Bundeskanzlerin Angela Merkel und Präsidenten wie George W. Bush besuchen bei Staatsempfängen Gandhis Gedenkstätte in Rajghat ...

... und ehren den Pazifisten und Menschenrechtler.

Vertreter aller Religionen, wie Papst Johannes Paul II., der Dalai Lama und Israels ehemaliger Regierungschef Ariel Scharon (v.l.) zollen dem friedfertigen Hinduisten Respekt.

Sein Name bleibt bis heute mit Gewaltlosigkeit verbunden.

Das Konzept des gewaltlosen Widerstandes, das Ghandi Satyagraha nennt, wendet er im Kampf gegen die britischen Kolonialherren in Indien an.

Doch entwickelt hat er die Idee bereits früher: Nachdem der 1869 in Indien geborene Mohandas Karamchand Gandhi (m.) in London Jura studiert hat, geht er, nach einem Zwischenaufenthalt in Bombay, 1893 als Anwalt nach Südafrika.

Dort wird er mit der Diskriminierung der indischen Minderheit konfrontiert und beginnt sein politisches Engagement - mit Gewaltlosigkeit und zivilem Ungehorsam.

Bei seiner Rückkehr nach Indien 1915 ist Gandhi bereits ein Nationalheld - sein Engagement in Südafrika hat sich schnell herumgesprochen. (Mit seiner Ehefrau Kasturba Makharji im Jahr 1915.)

Er wird zum politischen, aber auch geistigen Führer der Unabhängigkeitsbewegung. (Hier mit dem späteren ersten indischen Ministerpräsidenten Jawaharlal Nehru.)

Tausende kommen zu den Reden Gandhis.

Die neuen Ideen des politischen Kampfes bringen die britischen Besatzer zur Verzweiflung - Gandhi ruft nicht zur Gewalt auf, sondern zum passiven Widerstand.

So fordert er die Inder auf, wieder traditionelle Kleider zu tragen, die sie selbst weben sollen - und die englischen Hemden und Hosen abzulegen. Viele arme Inder können sich mit diesen Webarbeiten einen Nebenverdienst sichern.

Damit soll aber nicht nur die Textilindustrie der Kolonialherren boykottiert werden - vor allem wird mit dem Bezug zur Tradition das indische Selbstbewusstsein gestärkt. Das Spinnrad wird zum Symbol des Kampfes um Unabhängigkeit.

Dem Tragen traditioneller indischer Kleidung entspricht der einfache Lebensstil Gandhis. Er gründet einen Ashram, eine klosterähnliche Siedlung, in der, für indische Verhältnisse nahezu revolutionär, auch Frauen und Unberührbare gleichberechtigt sind.

Alle Bewohner des Ashrams müssen auch niedere Tätigkeiten erledigen. (Der damalige indische Premier Inder Kumar Gujral bei einer symbolischen Straßenreinigung 1998 in Erinnerung an Gandhi.)

Auch das Salzmonopol der Kolonialherren will Gandhi brechen - mit dem Salzmarsch im Jahr 1930 zum Indischen Ozean. Dort soll das Salz direkt aus dem Meer gewonnen werden, um die hohe britische Steuer zu umgehen. (Hier eine Feier zum 75. Jubiläum des Marsches.)

Nach dem Marsch und der erneuten Forderung nach dem sofortigen Abzug der Briten und der Unabhängigkeit Indiens, wird er mehrfach inhaftiert.

Doch die englischen Besatzer können ihn nicht zum Schweigen bringen - also wollen sie mit ihm reden. 1931 reist Gandhi deshalb mit dem Schiff nach England, ...

... um persönlich über die Zukunft Indiens zu verhandeln.

Sein Lebenstraum erfüllt sich aber nur zum Teil: Zwar wird Indien 1947 unabhängig, aber Hindus und Moslems bekämpfen sich nach wie vor. (Bild: Der letzte Vizekönig Indiens, Lord Mountbatten (m.), und Indiens erster Premier Nehru (r.) bei den Feierlichkeiten zur Unabhängigkeit.)

Gandhi setzt sich jedoch für eine Verständigung ein. (Hier mit Muhammad Ali Jinnah, der für einen eigenen muslimischen Staat eintritt.)

Er will eine Teilung des Subkontinents verhindern. (Bei einer Rede vor Moslems in Neu-Delhi.)

Als es zu blutigen Auseinandersetzungen kommt, handelt Gandhi: Er beginnt einen Hungerstreik.

Ganz Indien sorgt sich um "Bapu" (Vater), wie er liebevoll genannt wird.

Der sichtlich geschwächte Gandhi beendet den Streik erst, als sich die Feinde zu einem (brüchigen) Frieden bereit erklären.

Mit dem Eintreten für eine muslimisch-hinduistische Verständigung schafft sich Gandhi aber auch andere Gegner: Radikale Hindus wollen einen Frieden verhindern.

Sie verüben am 20. Januar 1948 ein erstes Attentat mit einer selbst gebastelten Bombe, das jedoch scheitert. (Bild: Durch die Bombe verursachte Beschädigungen an einer Gartenmauer.)

Doch zehn Tage später sind die Fanatiker erfolgreich. Gandhi stirbt durch drei Schüsse, die Nathuram Vinayak Godse abfeuert.

Seine Anhänger trauern auf der ganzen Welt, wie hier in London.

Damit beginnt die Mystifizierung Gandhis, ...

... die jedoch auch auf Kritik stößt.

Denn auch wenn er eine Ikone ist - eignet sich Gandhi auch zum Popstar? (Der Regisseur des "Gandhi"-Films Richard Attenborough (l.) mit Hauptdarsteller Ben Kingsley.) (Text: Markus Lippold, alle Bilder: AP, dpa)

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