Für die einen ist Helmut Kohl bloß "Birne" oder der Mann, der die CDU durch die Spendenaffäre arg belastet hat. Für die anderen ist er der hoch verehrte "Kanzler der Einheit". Zu seinem 80. Geburtstag erfährt der umstrittene Politiker unzählige Würdigungen, aber auch kritische Kommentare.Bild 1 von 157 | Foto: dpaKohl ist der Bundeskanzler mit der längsten Amtszeit. "Kohl ist keine sympathische Person. Rücksichtslos und aggressiv", sagt der ehemalige "Spiegel"-Chefredakteur Stefan Aust. Das Hamburger Nachrichtenmagazin habe sich an ihm regelrecht abgearbeitet.Bild 2 von 157 | Foto: AP6. März 1983: Der 10. Deutsche Bundestag wird gewählt. Helmut Kohl erhält das Votum der Bundesbürger nach seiner Wahl zum Bundeskanzler ein halbes Jahr zuvor durch das Parlament.Bild 3 von 157 Der 52-Jährige bekommt die Bestätigung für seine Kanzlerschaft. 48,8 Prozent erringen CDU und CSU zusammen. Die am 1. Oktober 1982 gebildete Koalition mit der FDP kann so richtig losgehen.Bild 4 von 157 Die SPD mit ihrem Spitzenkandidaten Hans-Jochen Vogel hat keine Chance. Sie rutscht mit 38,2 Prozent unter die 40-Prozent-Marke und bleibt nun 16 Jahre lang in der Opposition.Bild 5 von 157 Der durch den Ausstieg der Liberalen aus der Regierung von SPD-Bundeskanzler Helmut Schmidt vollzogene Bruch der sozial-liberalen Koalition im Herbst 1982 wird mit der Bundestagswahl 1983 durch den Wähler damit nachträglich sanktioniert.Bild 6 von 157 Die Westdeutschen ebnen mit ihrem klaren Votum den Verbleib der schwarz-gelben Koalition an der Macht. Daran ändert auch der erstmalige Einzug der Grünen in den Deutschen Bundestag nichts.Bild 7 von 157 Was damals kaum jemand ahnt: Kohl wird insgesamt 16 Jahre lang an der Spitze der Bundesregierung stehen. Bis 1990 ist er Kanzler der Bundesrepublik in einem geteilten Deutschland.Bild 8 von 157 Von 1990 bis zu seiner Abwahl im September 1998 ist der gebürtige Pfälzer Bundeskanzler des vereinigten Deutschlands.Bild 9 von 157 Helmut Kohl ist der sechste Bundeskanzler. Bislang stellt die Union mit Konrad Adenauer, Ludwig Erhard, Kurt-Georg Kiesinger, Kohl und Angela Merkel fünf Regierungschefs. Aus der SPD kommen mit Willy Brandt, Helmut Schmidt und Gerhard Schröder drei Kanzler.Bild 10 von 157 Kohl ist der letzte Kabinettschef, der den 2. Weltkrieg noch selbst miterlebte. Diese Erlebnisse bestimmen sein Denken und Handeln während seines gesamten politischen Lebens.Bild 11 von 157 Und er steuert das Schiff Deutschland durch schwierige Fahrwasser. Die 1980er und 1990er Jahre stehen im Zeichen des Umbruchs in Europa, des Zerfalls des Ostblocks und der deutschen Einheit.Bild 12 von 157 Helmut Josef Michael Kohl erblickt am 3. April 1930 im Städtischen Krankenhaus von Ludwigshafen das Licht der Welt. Er ist das dritte Kind des Finanzbeamten Hans Kohl und dessen Frau Cäcilie, geb. Schnur. Ludwigshafen gehört damals zu Bayern.Bild 13 von 157 Kohls Elternhaus ist bürgerlich-konservativ und römisch-katholisch geprägt. Der Vater wählt zu Zeiten der Weimarer Republik die Zentrumspartei.Bild 14 von 157 Die Zugehörigkeit zum schwarzen politischen Lager prägt Helmut Kohl. Eine andere politische Richtung kommt für ihn nie in Frage (auf dem Foto das Grab der Familie Kohl in Ludwigshafen).Bild 15 von 157 Wenige Tage vor Helmut Kohls Geburt wird der Zentrumspolitiker Heinrich Brüning deutscher Reichskanzler. Deutschland und Europa haben seit 1929 mit der Weltwirtschaftskrise zu kämpfen.Bild 16 von 157 Paul von Hindenburg ist Reichspräsident. Er ernennt Brüning zum Chef eines Minderheitskabinetts, ohne das Parlament zu konsultieren. Von Hindenburg regiert bis Anfang 1933 mit Hilfe des Notverordnungsartikels 48.Bild 17 von 157 Als der kleine Helmut zwei Jahre alt ist, wird die Weimarer Republik zu Grabe getragen. Die Nationalsozialisten von Adolf Hitler kommen am 30. Januar 1933 an die Macht.Bild 18 von 157 In den zwölf Jahren ihrer Herrschaft führen sie Deutschland in die Katastrophe. Kohls Eltern verabscheuen die Naziverbrechen.Bild 19 von 157 "Gnade uns Gott, wenn wir das einmal büßen müssen", zitiert Helmut Kohl in seinen Memoiren seinen Vater. Er selbst wird gegen Kriegsende als Luftwaffenhelfer eingezogen, kommt aber nicht mehr zum Kampfeinsatz. Sein älterer Bruder Walter fällt kurz vor Kriegsende.Bild 20 von 157 Helmut Kohl besucht im Ludwigshafener Stadtteil Friesenheim die Grundschule und anschließend das Max-Planck-Gymnasium. Über den katholischen Dekan Johannes Finck findet er in die Politik.Bild 21 von 157 Nach dem Abitur studiert er in Frankfurt/Main Rechtswissenschaften. 1951 zieht es ihn an die Heidelberger Universität, wo er Geschichte und Staatswissenschaften studiert.Bild 22 von 157 In dieser Zeit werden die Weichen in Richtung Teilung Deutschlands gestellt. Aus den von den Westmächten besetzten Zonen bildet sich die Bundesrepublik Deutschland, deren Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU) wird.Bild 23 von 157 Kohl - seit 1946 Mitglied der CDU - kann sich am Anfang wenig für Adenauer begeistern. Mit seinen 73 Jahren zu Beginn der Kanzlerschaft erscheint der ehemalige Kölner Oberbürgermeister Kohl zu alt.Bild 24 von 157 Die Jungen in der Union hätten damals auf Jakob Kaiser (rechts) gesetzt, verrät er in seinen "Erinnerungen". In Berlin ficht Kaiser gegen die Willkür und Diktatur der Sowjets.Bild 25 von 157 Aber Adenauers Politik der Aussöhnung mit Frankreich überzeugt den jungen Helmut Kohl, ist doch seine Heimat ein Teil der französischen Besatzungszone. Die Pflege der Beziehungen zu Frankreich bestimmt auch später Kohls Politik.Bild 26 von 157 Später holt sich Kohl als hoffnungsvoller CDU-Nachwuchspolitiker öfters Rat beim "Alten".Bild 27 von 157 Großen Respekt hat Kohl auch vor dem ersten SPD-Vorsitzenden der Bundesrepublik, Kurt Schumacher. Der Mann, der elf Jahre im Konzentrationslager saß, ist für Kohl eine der schillerndsten Persönlichkeiten der deutschen Nachkriegsgeschichte.Bild 28 von 157 Dennoch schafft es auch Schumacher (hier mit seiner Sekretärin Annemarie Renger-Wildung) nicht, Kohl für die SPD zu begeistern. Die SPD in Ludwigshafen ist für ihn der Inbegriff von doktrinärem Denken.Bild 29 von 157 Kohl besucht 1948 auch die Gründungsversammlung der FDP. Ihr Chef Theodor Heuss ist für ihn ein Bindeglied zur Frankfurter Nationalversammlung von 1848.Bild 30 von 157 Heuss - hier mit seiner Frau Elly - wird 1949 der erste Bundespräsident.Bild 31 von 157 "Ich bin bewusst in die CDU gegangen, weil ihre Programmatik auf dem christlichen Menschenbild aufbaut", schreibt Kohl. Trotz mancher Enttäuschungen habe er seine Entscheidung nie bereut.Bild 32 von 157 Beruflich geht es mit Helmut Kohl in den 1950er Jahren bergauf. Nach Beendigung des Studiums 1956 wird er Wissenschaftlicher Mitarbeiter. 1958 promoviert er mit dem Thema "Die politische Entwicklung in der Pfalz und das Wiedererstehen der Parteien nach 1945".Bild 33 von 157 Anschließend wird der mittlerweile 28-Jährige Direktionsassistent bei einer Ludwigshafener Eisengießerei und Referent des "Industrieverbandes Chemie" in seiner Heimatstadt. 1960 heiratet Kohl die Fremsprachenassistentin Hannelore Renner.Bild 34 von 157 Parallel dazu bastelt er an seiner politischen Karriere. 1963 wird Kohl im Alter von nur 33 Jahren Chef der CDU-Landtagsfraktion in Rheinland-Pfalz. Bereits drei Jahre später wird er auch CDU-Landeschef.Bild 35 von 157 Die Tür zur Macht ist damit für Kohl endgültig offen. Allerdings kann er erst im Mai 1969 den langjährigen Ministerpräsidenten Peter Altmeier beerben.Bild 36 von 157 Das erste Kohl-Kabinett in Mainz. Mit von der Partie sind die Landesminister Bernhard Vogel (links) und Heiner Geißler (5. von links).Bild 37 von 157 Mit Kohl kommt frischer Wind in die Mainzer Staatskanzlei. Die wichtigste Entscheidung in seiner Amtszeit in Rheinland-Pfalz ist die Gebietsreform.Bild 38 von 157 Kohl wird zwei Mal in seinem Amt bestätigt. 1971 und 1975 holt die rheinland-pfälzische CDU jeweils die absolute Mehrheit.Bild 39 von 157 Kohl beweist in seiner Mainzer Zeit Gespür für politische Talente. Er verhilft Richard von Weizsäcker und Roman Herzog zu einem Seiteneinstieg in die Politik. Beide beerben später das höchste Staatsamt der Bundesrepublik.Bild 40 von 157 Aber Rheinland-Pfalz ist Kohl - hier mit Sohn Peter - bereits zu eng geworden. Bonn ruft; Kohl plant die Übernahme des Vorsitzes der Bundes-CDU. Allerdings gehen noch einige Jahre ins Land.Bild 41 von 157 Bundespolitisch dreht sich 1969 der Wind. Zum ersten Mal befindet sich die Union in der Opposition. Nach drei Jahren Großer Koalition unter Kanzler Kurt-Georg Kiesinger geht die SPD von Willy Brandt ein Bündnis mit der FDP ein.Bild 42 von 157 Kiesinger - in dessen Amtszeit fallen die Studentenunruhen 1968 - hat auch als CDU-Chef abgewirtschaftet. Der Verlust der Macht macht der Union arg zu schaffen.Bild 43 von 157 Kiesinger kann die Bildung der sozial-liberalen Koalition nie verwinden. Ein neuer CDU-Vorsitzender muss gefunden werden. Kohl wagt 1971 den Anlauf.Bild 44 von 157 Er scheitert zunächst an Rainer Barzel, der der CDU/CSU-Bundestagsfraktion vorsteht. Allerdings ist Barzels Amtszeit als CDU-Chef von nur kurzer Dauer.Bild 45 von 157 Kohl steckt die Niederlage weg. Er arbeitet weiter an der Entwicklung seines parteiinternen Netzwerks. Dabei helfen auch unzählige Telefonate in die untersten Ebenen der CDU. Das "System Kohl" wird geboren.Bild 46 von 157 Die Union befindet sich in einer schwierigen Lage. Brandts Ostpolitik kommt gut an. Am 27. April 1972 scheitert Barzel mit einem Misstrauensvotum gegen Brandt. Zwei Stimmen fehlen; davon soll mindestens eine durch die DDR-Staatssicherheit gekauft sein.Bild 47 von 157 Barzels Stern ist im Sinken begriffen. Nach der Bundestagswahl am 19. November 1972 stellt die SPD erstmals die stärkste Fraktion. Die sozial-liberale Koalition kann ihre Mehrheit ausbauen.Bild 48 von 157 Diese herbe Wahlniederlage leitet das Ende von Rainer Barzel als CDU-Chef und Unionsfraktionschef ein. Kohl schlägt zu; 1973 wird er zum Bundesvorsitzenden der CDU gewählt.Bild 49 von 157 Am Anfang wird der Pfälzer in Bonn belächelt. Kohl gilt als Provinzler. Ihm wird nicht zugetraut, die CDU über einen längeren Zeitrum zu führen.Bild 50 von 157 Der seit 1974 amtierende Bundeskanzler Helmut Schmidt sieht in Kohl keine Gefahr für sich. Aber auch der Hamburger irrt sich.Bild 51 von 157 Kohl hat erst einmal andere Probleme. Er muss die Union hinter sich bringen. Dazu muss er nach Bonn. 1976 führt Kohl die Union in den Bundestagswahlkampf.Bild 52 von 157 Und Kohl schafft am 3. Oktober 1976 ein Ergebnis, das ihm keiner zugetraut hatte. CDU/CSU kommen auf 48,6 Prozent. SPD und FDP schaffen zusammen nur noch eine knappe Mehrheit.Bild 53 von 157 Kohl verlässt Mainz und wechselt endgültig in die Bundespolitik nach Bonn. Er wird nun auch Chef der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Doch nun droht Ungemach aus den eigenen Reihen.Bild 54 von 157 CSU-Chef Franz Josef Strauß - hier mit seinem Generalsekretär Edmund Stoiber - macht keinen Hehl daraus, dass er sich für den besseren Oppositionsführer hält.Bild 55 von 157 Nach der Bundestagswahl fasst die CSU in Wildbad Kreuth den so genannten Trennungsbeschluss. Damit soll die Koalitionsgemeinschaft mit der CDU aufgehoben werden. Für Helmut Kohl ein Schlag ins Gesicht.Bild 56 von 157 In den Medien wird bereits über das politische Ende von Helmut Kohl spekuliert. Doch Kohl kontert die CSU-Attacke eiskalt. Er droht den Christsozialen mit einer Ausweitung der CDU nach Bayern.Bild 57 von 157 Strauß - hier mit dem damaligen CSU-Landesgruppenchef Friedrich Zimmermann - muss den Beschluss kassieren lassen.Bild 58 von 157 Aber auch Kohl macht Zugeständnisse. Er verzichtet bei der Bundestagswahl 1980 zu Gunsten von Strauß auf die Kanzlerkandidatur. Dieser Schachzug sollte sich als richtig erweisen.Bild 59 von 157 Der bayerische Ministerpräsident schafft es nicht, Helmut Schmidt aus dem Kanzleramt zu vertreiben. Die Union schafft 44,5 Prozent und unterbietet damit ihr Ergebnis von 1976 deutlich. Strauß zieht sich nach München zurück.Bild 60 von 157 In den 1970er Jahren wird Kohl auch auf einem anderen Gebiet gefordert. Die Rote-Armee-Fraktion terrorisiert das Land. Als Oppositionschef ist Kohl an den Krisensitzungen im Bonner Kanzleramt beteiligt.Bild 61 von 157 Ohnmächtig muss er ertragen, wie u.a. sein Freund, Arbeitgeberpräsident Hanns-Martin Schleyer, von den Terroristen ermordet wird. Kohl unterstützt die harte Haltung der Schmidt-Regierung gegen die RAF.Bild 62 von 157 Die Übernahme der Kanzlerschaft durch Helmut Kohl zeichnet sich nach der Bundestagswahl 1980 ab. Die Regierung Schmidt bekommt die steigende Arbeitslosigkeit nicht in den Griff.Bild 63 von 157 Der vehemente Einsatz des Kanzlers für den NATO-Doppelbeschluss als Reaktion auf die sowjetische Gefahr stößt in seiner SPD auf heftigen Widerstand. Sie ist mehrheitlich gegen die Stationierung von Pershing-2 und Cruise Missiles auf deutschem Boden.Bild 64 von 157 Zudem geht Schmidt die FDP von der Fahne. FDP-Chef und Außenminister Hans-Dietrich Genscher führt im Hintergrund Gespräche mit Kohl zur Bildung einer christlich-liberalen Koalition.Bild 65 von 157 Untermauert wird dies von Forderungen von Wirtschaftsminister Otto Graf Lambsdorff, der eine grundlegende Wende in der Wirtschafts- und Sozialpolitik fordert.Bild 66 von 157 Die FDP lässt die Koalition mit der SPD schließlich platzen. Nach 13 Jahren ist die sozial-liberale Koalition in der Bundesrepublik am Ende. Helmut Schmidt verliert am 1. Oktober 1982 die Vertrauensabstimmung im Bundestag.Bild 67 von 157 Der Bundestag wählt mit den Stimmen der CDU/CSU-Fraktion und der Mehrheit der FDP-Fraktion Helmut Kohl zum Bundeskanzler. Helmut Schmidt verliert sein Amt an den Pfälzer.Bild 68 von 157 Der damalige Bundestagspräsident Richard Stücklen (CSU) vereidigt Kohl nach der Wahl zum Regierungschef.Bild 69 von 157 Kohl ist am Ziel seiner Wünsche. Viele Vertreter von Politik und Journalismus sagen ihm eine kurze Amtszeit voraus. Sie sollten sich alle irren.Bild 70 von 157 Kohl sucht nach seiner Wahl durch den Bundestag die endgültige Entscheidung. Nach einer inszenierten Abstimmungsniederlage im Parlament werden für den 6. März 1983 Neuwahlen angesetzt. Bei diesen siegt die Regierungskoalition klar.Bild 71 von 157 In seiner Regierungserklärung verkündet Kohl die "geistig-moralische Wende". Er hat in den ersten Regierungsjahren Glück: Neuverschuldung, Staatsquote und Inflation gehen zurück.Bild 72 von 157 Trotz heftiger Proteste setzt er die Pläne seines Amtsvorgängers durch und lässt Pershing-2 und Cruise Missiles in der Bundesrepublik stationieren.Bild 73 von 157 Später äußert Kohl, dass er von den Massendemonstrationen gegen die Stationierung schon beeindruckt war. Er habe jedoch nie Zweifel an der Richtigkeit seiner Entscheidung gehabt.Bild 74 von 157 1984 erschüttert die Flick-Affäre die Regierung Kohl. Dabei geht es um illegale Zahlungen des Flick-Konzerns an deutsche Politiker. Im Untersuchungsausschuss sagt Kohl die Unwahrheit. Er hatte sehr wohl von der Spendenbeschaffungsanlage "Staatsbürgerlichen Vereinigung" gewusst.Bild 75 von 157 CDU-Generalsekretär Heiner Geißler verteidigt seinen Parteichef auf ungewöhnliche Art und Weise. Kohl habe wohl einen "Blackout" gehabt, sagt Geißler.Bild 76 von 157 Der ehemalige Flick-Manager Eberhard von Brauchitsch nennt Kohls Aussagen in diesem Zusammenhang unglaubwürdig und abenteuerlich.Bild 77 von 157 Im Zuge dieser Affäre verliert Kohl in seinem Kabinett ein Schwergewicht. Der FDP-Politiker Otto Graf Lambsdorff muss seinen Hut nehmen.Bild 78 von 157 Kohl übersteht diese erste große Krise seiner Regierungszeit. Grund sind gute Wirtschaftsdaten und auch die Schwäche der oppositionellen Sozialdemokraten.Bild 79 von 157 Die CDU/CSU/FDP-Koalition wird bei der Bundestagswahl am 25. Januar 1987 bestätigt. Zwar rutscht die Union auf 44,3 Prozent ab, sie stellt aber dennoch mit großem Abstand die stärkste Fraktion.Bild 80 von 157 Kohls SPD-Gegenkandidat Johannes Rau scheitert mit seinem leisen Wahlkampf. Die Sozialdemokraten kommen nur auf 37,0 Prozent.Bild 81 von 157 Kohl ist nun die unbestrittene Nummer eins in der Union. Franz Josef Strauß ist keine Gefahr mehr für ihn. Der CSU-Chef stirbt im Herbst 1988.Bild 82 von 157 Dennoch rumort es in der CDU. Sinkende Umfragewerte für die Union sorgen für wachsende Unruhe.Bild 83 von 157 Generalsekretär Heiner Geißler sucht auf dem Bremer CDU-Parteitag 1989 die Entscheidung. Er will die Ablösung Kohls als CDU-Chef.Bild 84 von 157 Kohl schlägt den Putschversuch nieder. Nicht der Parteivorsitzende, sondern sein "General" muss gehen. Das "System Kohl" hat sich wieder einmal bewährt.Bild 85 von 157 Mit Geißler verlieren auch die damalige Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth ...Bild 86 von 157 ... und der baden-württembergische Ministerpräsident Lothar Späth in der CDU an Einfluss.Bild 87 von 157 Außenpolitisch setzt Kohl weiter auf das gute Verhältnis zu Frankreich. Bei der Entwicklung einer europäischen Union arbeitet er eng mit dem französischen Staatspräsidenten Francois Mitterrand zusammen.Bild 88 von 157 Der Christdemokrat Kohl und der Sozialist Mitterrand verstehen sich gut. Am 22. September 1984 treffen sich beide Politiker, am Ort der Schlacht von Verdun. Hand in Hand gedenken sie der Toten beider Weltkriege.Bild 89 von 157 Mitterrand stirbt 1995. Bei der Trauerfeier schämt sich Kohl seiner Tränen nicht. Mitterrand hatte trotz Bedenken der deutschen Einheit 1990 zugestimmt. Das vergisst ihm Kohl nie.Bild 90 von 157 Etwas schwieriger gestaltet sich das Verhältnis zu Margaret Thatcher. Bereits 1976 treffen sie sich; beide sind noch Oppositionspolitiker.Bild 91 von 157 Als britische Premierministerin verfolgt Thatcher einen anti-europäischen Kurs. Auf mehreren Gipfeltreffen geht sie Kohl gehörig auf die Nerven.Bild 92 von 157 Das Verhältnis zur westlichen Supermacht USA ist unter Kohl gut. Die Chemie zwischen ihm und Präsident Ronald Reagan stimmt.Bild 93 von 157 Am 5. Mai 1985 legen Kohl und Reagan in Bitburg einen Kranz auf dem dortigen Soldatenfriedhof nieder. Dies wird heftig diskutiert, weil dort auch Angehörige der Waffen-SS beerdigt sind.Bild 94 von 157 Reagan unterstützt Kohls Verurteilung der deutschen Teilung. Am 12. Juni 1987 kommt es zur berühmten Kundgebung vor dem Brandenburger Tor. "Mister Gorbatschow, öffnen Sie das Tor", fordert der Präsident.Bild 95 von 157 Michail Gorbatschow ist seit 1985 der starke Mann in der Sowjetunion. Kohl vergleicht den sowjetischen Hoffungsträger in einem "Newsweek"-Interview indirekt mit Goebbels. Er entschuldigt sich später dafür und spricht von einer Dummheit seinerseits.Bild 96 von 157 Am 12. Juni 1989 besucht Gorbatschow Bonn. In einem langen Gespräch unter vier Augen am Rhein fassen Kohl und Gorbatschow Vertrauen zueinander.Bild 97 von 157 Dagegen bereitet der Besuch des DDR-Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker in der Bundesrepublik Kohl heftige Bauchschmerzen. Der Pfälzer und der geborene Saarländer erzielen bei den Gesprächen keine Fortschritte.Bild 98 von 157 Kohl hatte zuvor einem von Franz Josef Strauß ausgehandelten Milliardenkredit für die marode DDR zugestimmt. Weder Kohl noch Honecker ahnen, dass die DDR in drei Jahren von der Landkarte verschwinden wird.Bild 99 von 157 Europa befindet sich Ende der 1980er Jahre im Umbruch. Die Reformpolitik Gorbatschows strahlt aus. Am 27. Juni 1989 wird die österreichisch-ungarische Grenze durchlässig.Bild 100 von 157 Viele DDR-Bürger fliehen im Sommer 1990 über Ungarn in den Westen.Bild 101 von 157 Auch in der bundesdeutschen Botschaft in der CSSR-Hauptstadt Prag finden die Flüchtlinge Zuflucht. Für sie gibt es kein Zurück in die DDR.Bild 102 von 157 Auf dem Botschaftsgelände existieren nach kurzer Zeit unhaltbare Zustände. Die Regierung Kohl ist gefordert; eine Lösung muss gefunden werden.Bild 103 von 157 Außenminister Hans-Dietrich Genscher und Kanzleramtsminister Rudolf Seiters in der Prager Botschaft. Genscher verkündet die Ausreise der Flüchtlinge über DDR-Gebiet in die Bundesrepublik.Bild 104 von 157 Die DDR ist am Ende. Nach ihrem 40. Jahrestag bricht sie zusammen. Das Volk begehrt gegen die SED-Machthaber auf.Bild 105 von 157 Ein historisches Datum: Am 9. November 1989 fällt die Berliner Mauer. Zehntausende DDR-Bürger besuchen zum ersten Mal in ihrem Leben den Westteil der Stadt.Bild 106 von 157 Grenzübergang an der Bornholmer Straße. Kohl absolviert zum Zeitpunkt der Maueröffnung einen wichtigen Besuch in Polen. Er fühlt sich in Warschau nun fehl am Platze.Bild 107 von 157 Nach einigem Hin und Her kehrt der Kanzler zurück. Er nimmt am 10. November 1989 an einer Kundgebung vor dem Schöneberger Rathaus in West-Berlin teil. Kohl wird während seiner Rede gnadenlos ausgepfiffen.Bild 108 von 157 Kohl handelt. Am 28. November 1989 legt er ohne vorherige Absprache mit dem Koalitionspartner ein "Zehn-Punkte-Programm zur Überwindung der Teilung Deutschlands und Europas" vor.Bild 109 von 157 Das Ausland reagiert irritiert. Allerdings sagt US-Präsident George Bush als erster Staatsmann Kohl seine Unterstützung zu.Bild 110 von 157 Margaret Thatcher ist dagegen wütend. Sie lehnt eine schnelle Einigung Deutschlands vehement ab.Bild 111 von 157 Allerdings ist der Zug in Richtung Einigung Deutschlands nicht mehr aufzuhalten. Am 19. Dezember 1989 besucht Kohl Dresden. Die Sachsen bereiten ihm einen herzlichen Empfang.Bild 112 von 157 Kohl mit dem neuen DDR-Ministerpräsidenten Hans Modrow. Modrow, viele Jahre SED-Bezirkschef von Dresden, verlangt von Kohl bundesdeutsche Finanzhilfe für die sterbende DDR.Bild 113 von 157 Doch Kohl lässt den Regierungschef abblitzen. Er hat erkannt, dass die Deutschen in der DDR mehrheitlich die Einheit wollen.Bild 114 von 157 Nach der ergebnislosen Unterredung mit Modrow findet vor der Ruine der Dresdner Frauenkirche eine Kundgebung mit Kohl statt. Kohl absolviert einen wahren Drahtseilakt, um die aufgeladene Stimmung nicht noch weiter anzuheizen.Bild 115 von 157 18. März 1990: Erste freie Wahlen in der DDR. Die von Kohl unterstützte "Allianz für Deutschland" aus Ost-CDU, DSU und Demokratischer Aufbruch siegt. Lothar de Maiziere wird Ministerpräsident.Bild 116 von 157 Am 1. Juli 1990 wird die Währungsunion verwirklicht. Die Bundesregierung will so die Fluchtbewegung in Richtung Westen eindämmen. Kohl erntet heftige Kritik, weil ein Teil des Geldes 1:1 umgetauscht wird.Bild 117 von 157 Am 31. August 1990 unterzeichnen Innenminister Wolfgang Schäuble und DDR-Staatssekretär Günther Krause den Einigungsvertrag. Die DDR tritt nach Artikel 23 des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland bei.Bild 118 von 157 Zuvor hat Kohl es vermocht, die letzte Hürde auf dem Weg zur Einheit zu beseitigen. Er sucht Gorbatschow in seiner südrussischen Heimat auf.Bild 119 von 157 Gorbatschow gibt Kohl sein Ja. Dafür sagt der Kanzler der UdSSR Milliardenhilfen zu. Zudem sollen mit deutschem Geld Häuser für aus Deutschland zurückkehrende sowjetische Soldaten gebaut werden.Bild 120 von 157 Am 3. Oktober 1990 ist Deutschland wieder vereint. Kohl geht als Kanzler der Einheit in die Geschichte ein.Bild 121 von 157 Dem Kanzler bleibt wenig Zeit. Am 2. Dezember 1990 stehen die ersten gesamtdeutschen Bundestagswahlen an. CDU/CSU (43,8 Prozent) und FDP (11,0 Prozent) stellen erneut die Regierung. Kohl ist auf dem Höhepunkt seines Ansehens.Bild 122 von 157 Die SPD mit ihrem Spitzenkandidaten Oskar Lafontaine kommt nur auf 33,5 Prozent. Lafontaine hatte vor den Folgen der Einheit wie Arbeitslosigkeit und Staatsverschuldung gewarnt. Seine Warnungen verhallen ungehört.Bild 123 von 157 Kohl dagegen profitiert von der Welle der nationalen Begeisterung. Sein politischer Stern allerdings beginnt zu sinken.Bild 124 von 157 Die Arbeitslosigkeit nimmt in Ostdeutschland rapide zu. Der Umbau der Wirtschaft in den neuen Ländern fordert Opfer - und viel Geld.Bild 125 von 157 Nun rächt sich, dass Kohl seinen Wahlkampf mit teils unhaltbaren Versprechen geführt hatte. Die Unzufriedenheit mit seiner Politik nimmt, wie hier in Halle, auch im Osten zu. "Helmut, Helmut"-Rufe sind nicht mehr zu hören.Bild 126 von 157 In Folge der deutschen Einheit wächst die Staatsverschuldung. Kohl hatte die Einheitskosten schlicht unterschätzt. Sein Finanzminister Theo Waigel sieht sich riesigen Haushaltslöchern gegenüber.Bild 127 von 157 Dennoch gelingt Kohl 1994 noch einmal ein Wahlsieg. Die SPD hat mit Rudolf Scharping allerdings einen schwachen Gegenkandidaten aufgeboten. Es wird Kohls letzter Sieg.Bild 128 von 157 In seinen letzten Amtsjahren flüchtet Kohl in die Außenpolitik. 1994 verabschiedet er gemeinsam mit Russlands Staatschef Boris Jelzin die russischen Truppen in Deutschland. Mit Jelzin arbeitet Kohl vertrauensvoll zusammen.Bild 129 von 157 Auch das transatlantische Bündnis wird weiterentwickelt. Kohl und US-Präsident Bill Clinton müssen sich u.a. mit der Jugoslawien-Krise befassen.Bild 130 von 157 Seit Jahren herrscht dort Krieg. Besonders blutig geht es in Bosnien-Herzegowina zu. Am 14. Dezember 1995 wird in Dayton ein Friedensabkommen für die ehemalige jugoslawische Teilrepublik unterzeichnet.Bild 131 von 157 Die Mehrheit der Deutschen lehnt nun Helmut Kohl als Bundeskanzler ab. Allerdings will Kohl davon nichts wissen.Bild 132 von 157 Zur Bundestagswahl 1998 tritt der mittlerweile 68-Jährige noch einmal als Unions-Spitzenkandidat an. Er düpiert damit seinen langjährigen Weggefährten Wolfgang Schäuble.Bild 133 von 157 Noch am Rande des Leipziger CDU-Parteitags 1997 hatte Kohl geäußert, dass er Schäuble als seinen Nachfolger sehe.Bild 134 von 157 Es kommt, wie es kommen musste. Die Union rutscht bei der Wahl auf 35,1 Prozent ab. Die SPD mit ihrem Spitzenkandidaten Gerhard Schröder kommt auf 40,9 Prozent.Bild 135 von 157 Nach 16 Jahren an der Regierung ist Schwarz-Gelb abgewählt. Der auf diesem Grünen-Plakat gehegte Wunsch wird Wirklichkeit.Bild 136 von 157 Seine Ära ist zu Ende. Helmut Kohl muss das Bonner Kanzleramt verlassen. Er hegt keinen Groll. Kohl sagt später, dass er während des Wahlkampfes bereits spürte, dass er verlieren wird.Bild 137 von 157 Kohl kann dennoch nicht von der Politik lassen. Er verbleibt als einfacher Abgeordneter im Deutschen Bundestag.Bild 138 von 157 Doch es droht Ungemach. Ende 1999 wird die CDU von einer Spendenaffäre erschüttert: In deren Mittelpunkt steht Helmut Kohl.Bild 139 von 157 CDU-Chef Wolfgang Schäuble verlangt von Kohl eine Aussage über die Herkunft eines Betrages von zwei Millionen D-Mark. Kohl verweigert diese.Bild 140 von 157 Er verweist auf das Ehrenwort, das er den Spendern gegeben habe. Kurze Zeit später soll auch Schäuble über die Affäre stolpern. Zwischen Kohl und Schäuble herrscht seitdem Funkstille.Bild 141 von 157 Dafür drängt nun CDU-Generalsekretärin Angela Merkel in den Vordergrund. Kurz vor Weihnachten 1999 verlangt sie in einem Zeitungsbeitrag die Abnabelung der CDU von Helmut Kohl. "Die Partei muss laufen lernen ..."Bild 142 von 157 Diese Äußerungen sind bemerkenswert, weil Merkel in acht Jahren Ministerin im Kabinett Kohl war und als "Kohls Mädchen" gilt.Bild 143 von 157 Aber das "Mädchen" macht es seinem Lehrmeister nach und zeigt seine Zähne. Seitdem ist das Verhältnis Kohls zu Merkel distanziert. Merkel wird im März 2000 CDU-Vorsitzende.Bild 144 von 157 Am 18. Januar muss Helmut Kohl wegen seiner Rolle in der Spendenaffäre auf den Ehrenvorsitz der CDU verzichten.Bild 145 von 157 Am 11. Juli 2001 trifft ihn ein schwerer Schicksalsschlag. Seine schwer kranke Frau Hannelore begeht im Wohnhaus in Ludwigshafen-Oggersheim Selbstmord.Bild 146 von 157 Hannelore Kohl hatte an Lichtallergie gelitten und konnte das Haus am Tage nicht mehr verlassen.Bild 147 von 157 Kohl hat in den vergangenen Jahren mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen. Zwei Knieoperationen sind erforderlich.Bild 148 von 157 Sichtlich angeschlagen präsentiert er sich Mitte Februar 2008 auf einem Symposium der Konrad-Adenauer-Stiftung.Bild 149 von 157 Es wird ruhiger um den Altkanzler. Bei Wahlkampfveranstaltungen der CDU tritt er nur noch selten auf.Bild 150 von 157 Für seine Verdienste um die Vereinigung Deutschlands und Europas wird er mit zahlreichen Preisen geehrt.Bild 151 von 157 Kohl macht noch einmal Schlagzeilen. Am 8. Mai 2008 heiratet der mittlerweile 78-Jährige seine 1964 geborene Lebensgefährtin Maike Richter. Kohl hat sie im Kanzleramt kennengelernt; Richter hatte dort von 1994 bis 1998 in der Wirtschaftsabteilung gearbeitet.Bild 152 von 157 | Foto: picture-alliance/ dpaNach der Hochzeit nimmt sie den Nachnamen Kohl-Richter an. Unterdessen geht es mit Kohl gesundheitlich weiter bergab. Ein schwerer Sturz zieht einen langen Klinikaufenthalt nach sich. Ende Januar 2010 muss ihm die Gallenblase entfernt werden.Bild 153 von 157 | Foto: picture-alliance/ dpaKohls öffentliche Auftritte sind wegen seines sehr schlechten Gesundheitszustandes rar geworden. Am 31. Oktober 2009 nimmt er an einer Veranstaltung der Adenauer-Stiftung zum 20. Jahrestag des Falls der Berliner Mauer teil. Mit ihm sind auch Michail Gorbatschow und George Bush zugegen.Bild 154 von 157 | Foto: REUTERSKohl genießt die Aufmerksamkeit, die ihm zuteil wird. Er würdigt die Rolle von Gorbatschow und Bush auf dem Weg zur Einheit Deutschlands. Kohl bekräftigt auch noch einmal seine Vision von Europa. "Sein wirklicher Verdienst ist der Euro", sagt der Politologe Gerd Langguth.Bild 155 von 157 | Foto: REUTERSIn der CDU entbrennt noch einmal kurz die Debatte, ob Kohl wieder den Ehrenvorsitz der Partei erhalten soll. Aber Angela Merkel bleibt hart. "Diese Frage stellt sich nicht mehr", stellt sie klar.Bild 156 von 157 | Foto: APKohl bleibt somit die vollständige Versöhnung mit der CDU versagt. Den Eingang in die Geschichtsbücher hat er allerdings bereits jetzt gefunden. (Text: Wolfram Neidhard)Bild 157 von 157 | Foto: ASSOCIATED PRESS