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Montag, 29. November 2010

Was US-Diplomaten wirklich denken: Lahme Enten, inkompetente Minister, rote Populisten

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Der Enthüllungsseite Wikileaks ist das gelungen, was man einen Coup nennt. Hunderttausende Statements und Depeschen aus der internen Kommunikation des US-Außenministeriums sind der Seite zugespielt worden. (Foto: dpa)

Der Enthüllungsseite Wikileaks ist das gelungen, was man einen Coup nennt. Hunderttausende Statements und Depeschen aus der internen Kommunikation des US-Außenministeriums sind der Seite zugespielt worden.

Der Enthüllungsseite Wikileaks ist das gelungen, was man einen Coup nennt. Hunderttausende Statements und Depeschen aus der internen Kommunikation des US-Außenministeriums sind der Seite zugespielt worden.

Nun ist dem US-Präsidenten nicht gerade nach Applaus zumute.

Vor allem nicht für ihn: Julian Assange, Gründer und Kopf der Seite. Er hat die US-Administration mehrfach schon in Bedrängnis gebracht - mit Veröffentlichungen über den Afghanistan-Krieg und den Irak-Einsatz.

International muss US-Außenministerin Hillary Clinton nun kitten, was zu kitten ist.

Aus deutscher Sicht steht der US-Botschafter in Deutschland, Philip Murphy, nun im Zentrum der Enthüllungen. Aus seinem Umfeld stammen etwa Einschätzungen und Meinungen über deutsche und europäische Politiker.

Es sind klare Worte, die dort fallen. Im Grunde nichts, was nicht auch die deutsche Presse schon geäußert hätte - aber für das diplomatische Parkett, auf dem sonst ein in der Regel zärtlicher Ton angeschlagen wird, schon eine heikle Sache.

Doch was denkt man im Department of State in Washington denn nun über deutsche und europäische Politiker?

Kanzlerin Angela Merkel bescheinigt die US-Diplomatie das Verhalten einer Teflon-Pfanne - alles pralle an ihr ab. Sie sei nur selten kreativ, wenig mutig und warte immer ab, wie sich alles entwickle, bevor sie Entscheidungen trifft.

Außenminister Guido Westerwelle kommt den US-Amerikanern irgendwie spanisch vor. Er sei unerfahren, überschäumend und aggressiv. Er habe sehr wenige eigene Ideen. Eine "Wild Card", so das Resümee, eine unbekannte Größe und ein Neuling, mit dem Ärger vor allem für die Kanzlerin programmiert sei.

Glücklich sind die US-Amerikaner mit Karl-Theodor zu Guttenberg. Er sei ein enger Freund und habe Glanz. Er beklage sich aber immer wieder über Merkel und sei kein guter Freund von Westerwelle.

Auch den Finanzminister schätzen die US-Diplomaten - allerdings eher als Innenminister. Sie halten ihn für besonders offen, wenn es darum geht, im Sinne des Anti-Terror-Kampfes an die Grenzen der Rechtsstaatlichkeit zu gehen.

Das Urteil über CSU-Chef Horst Seehofer ist ernüchternd: er sei unberechenbar. Zudem außenpolitisch ahnungslos und populistisch.

Eine "schräge Wahl" sei Entwicklungsminister Dirk Niebel. Das findet ja überwiegend auch die deutsche Medienlandschaft. Seine beruflichen Erfahrungen seien lediglich "fünf Jahre als Arbeitsvermittler in einem Heidelberger Arbeitsamt".

Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger ist für die US-Diplomaten ein Fall für "aggressives Angehen". Warum? Weil sie andere Datenschutzinteressen vertritt als die US-Administration.

SPD-Chef Sigmar Gabriel könne die Menge schnell für sich gewinnen, urteilen die Amerikaner. Dennoch gibt es Skepsis hinsichtlich seiner Einstellung zu Kriegseinsätzen.

Grünen-Politikerin Renate Künast wird als nicht sonderlich relevant eingeschätzt. Sie habe einen Mangel an Star-Ambitionen - eben kein Vergleich zu Joschka Fischer.

Realistisch, aber kein guter Redner - so das Urteil über SPD-Mann Frank-Walter Steinmeier. Er sei als Außenminister aber besser gewesen als Westerwelle.

Das Größte an Kurt Beck aus US-amerikanischer Sicht: Er spreche kein Englisch und betrachte die USA nicht als politisches Vorbild.

Oskar Lafontaine habe zwei große Parteien an den Rand des Desasters gebracht, heißt es. Er sei eine "mysteriöse rote Sphinx".

Günther Oettinger, inzwischen Energie-Kommissar in Brüssel, sei eine "ungeliebte lahme Ente".

Auch die Meinung über nicht-deutsche Akteure ist interessant: Libyens Staatschef Gaddafi sei stets in Begleitung einer vollbusigen Krankenschwester.

Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy sei ein "Kaiser ohne Kleider".

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan führe sein Land zunehmend in Richtung Islamismus.

Russlands Ministerpräsident Wladimir Putin sei ein "Alpha-Rüde" - und dessen Sprachrohr in Europa sei Silvio Berlusconi.

Zudem sei der Italiener inkompetent und aufgeblasen, außerdem physisch und politisch schwach.

Zumindest Berlusconi nahm die Einschätzung mit Humor. Er habe "gut gelacht", hieß es unter seinen Vertrauten.

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