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Mittwoch, 18. Juli 2012

Häuptlingssohn, Held, Heiliger: Nelson Mandela

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Er ist immer noch da: Nelson Mandela, das südafrikanische Freiheitsidol, feiert am 18. Juli 2012 seinen 94. Geburtstag. (Foto: dpa)

Er ist immer noch da: Nelson Mandela, das südafrikanische Freiheitsidol, feiert am 18. Juli 2012 seinen 94. Geburtstag.

Er ist immer noch da: Nelson Mandela, das südafrikanische Freiheitsidol, feiert am 18. Juli 2012 seinen 94. Geburtstag.

Einst war er die Symbolfigur der südafrikanischen Anti-Apartheid-Bewegung, der berühmteste politische Gefangene der Welt ...

... und schließlich der erste schwarze Staatspräsident am Kap.

Was Mandela vollbrachte, wird oft als das südafrikanische Wunder gepriesen.

Denn mit seinem unermüdlichen Einsatz für Versöhnung zwischen Schwarzen und Weißen hat er das Land vor einem Bürgerkrieg bewahrt.

"Ich habe das Ideal einer demokratischen und freien Gesellschaft vertreten, in der alle Menschen in Harmonie und mit gleichen Möglichkeiten zusammenleben", sagte Mandela schon 1964, ...

... als er im sogenannten Rivonia-Prozess wegen Sabotage und Aufruhr vor Gericht stand. "Es ist ein Ideal, für das ich leben will und das ich zu erreichen hoffe. Doch wenn es sein muss, bin ich auch bereit, dafür zu sterben."

Über 27 Jahre sitzt Mandela für seine Überzeugungen im Gefängnis, die meiste Zeit davon auf der berüchtigten Zuchthausinsel Robben Island vor Kapstadt.

Als Sohn eines Xhosa-Häuptlings wird Nelson Rolihlahla Mandela am 18. Juli 1918 in der Transkei, der heutigen Provinz Ostkap, geboren.

Sein Vorname Rolihlahla bedeutet wörtlich "Am Ast eines Baumes ziehen" und heißt umgangssprachlich "Unruhestifter".

Bei seiner Einschulung in eine Lehranstalt der Methodisten erhält er von seiner Dorfschullehrerin ...

... den englischen Vornamen Nelson.

Dieser Name sollte ihn für den Rest seines Lebens begleiten. (Im Bild sein erster Pass nach der Freilassung aus dem Gefängnis 1990.)

Er studiert Jura an der für Schwarze bestimmten Universität Fort Hare, wird dort aber 1940 als Anführer eines Studentenstreiks ausgeschlossen.

Mandela geht nach Johannesburg - auch, um einer arrangierten Ehe zu entgehen - und macht nach einem Fernstudium 1942 sein Jura-Examen.

Zusammen mit seinem Weggefährten Oliver Tambo gründet er die Jugendliga des African National Congress (ANC) und eröffnet Südafrikas erste Kanzlei schwarzer Anwälte.

Zunächst agiert er an der Spitze der gewaltfreien "Ungehorsamsbewegung", die mit Boykott, Streik und zivilem Ungehorsam gegen das Apartheid-Regime agiert.

Doch schließlich akzeptiert Mandela Gewalt als Mittel zur Beendigung der Apartheid. In seiner Verteidigungsrede im Rivonia-Prozess sagt er dazu 1964: ...

... "Die Weißen ließen jede Reaktion vermissen, die einen Wandel signalisiert hätte. Die Kampfform, die für uns am aussichtsreichsten war und auf beiden Seiten die wenigsten Menschenleben gefährdete, war der Guerillakrieg."

Nach dem Verbot des ANC gründet Mandela 1961 den militärischen Zweig des ANC "Umkhonto we Sizwe" (Speer der Nation, MK) und geht in den Untergrund.

Er verlässt das Land und lässt sich in Angola militärisch ausbilden.

Später leitet er auf der Lilliesleaf-Farm in Rivonia selbst die Ausbildung anderer MK-Mitglieder.

Im August 1962 wird er verhaftet und zunächst zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt.

1964 fällt gegen ihn und die Führungsspitze des ANC das Urteil einer lebenslangen Zuchthausstrafe.

Vom 13. Juni 1964 bis zum 31. März 1982 verbringt Mandela fast 18 seiner 28 Jahre Haft als Gefangener 466/64 auf Robben Island, dem schärfsten Vorposten des südafrikanischen Gefängnissystems.

Nelson Mandela selbst schreibt in seiner Autobiografie dazu: "Mir wurde die Zelle am Ende des Ganges zugeteilt. Sie ging auf den Hof hinaus und hatte in Augenhöhe ein kleines Fenster."

"Mit drei Schritten konnte ich meine Zelle der Länge nach durchmessen. Wenn ich mich hinlegte, konnte ich mit den Füßen die Mauer fühlen, und mein Kopf streifte die Betonwand auf der anderen Seite."

"Jede Zelle war draußen mit einer weißen Karte markiert, auf der unser Name und die jeweilige Häftlingsnummer stand. Auf meiner war zu lesen: "N Mandela 466/64"; das bedeutet, dass ich als 466. Gefangener im Jahr 1964 auf die Insel gekommen war."

"Ich war 46 Jahre alt, ein zu lebenslänglicher Haft verurteilter politischer Gefangener, und dieser kleine, enge Raum sollte mein Heim sein - für wie lange, wusste ich nicht."

Bis 1974 arbeitet er täglich acht Stunden im Steinbruch und erleidet dabei unter anderem bleibende Augenschäden.

Er darf zunächst einmal im Jahr einen Besucher empfangen - für 30 Minuten.

Alle sechs Monate darf er einen Brief schreiben und empfangen.

Erst nach einem Hungerstreik erhalten die Gefangenen mehr Decken, mehr Essen und die Erlaubnis, im Gefängnishof Fußball und Rugby zu spielen.

Bis 1970 dürfen die Gefangenen weder lesen noch schreiben, Mandela schreibt dennoch Notizen für seine Memoiren "Der lange Weg in die Freiheit" und versteckt sie auf dem Gefängnishof.

Die ANC-Mitglieder entwickeln ein ausgefeiltes Bildungssystem für die Mitgefangenen, in dem sie ihre politischen Grundsätze und die Geschichte des ANC lehren.

Diese sogenannte "Mandela-Universität" wird zu einer einzigartigen Stätte des Lernens und der Erziehung, die sogar das weiße Bewachungspersonal mit einbezieht.

Nicht zuletzt deshalb wird die Führungsgruppe des ANC Anfang April 1982 in das Hochsicherheitsgefängnis von Pollsmoor verlegt.

Während seines Aufenthaltes in Pollsmoor werden Mandela einige Freilassungsangebote gemacht, die er aber alle wegen inakzeptabler Bedingungen, wie der "Abschwörung jeglicher Gewalt" in dem Abkommen mit Botha (Treffen 1996), ausschlägt.

1988 wird Mandela noch einmal in ein anderes Gefängnis verlegt.

Zwei weitere Jahre verbringt er im Victor-Verster-Gefängnis, in einer seltsamen Mischung aus Arrest und komfortablem Wohnsitz, in dem er seine Familie, aber auch Politiker aus aller Welt empfängt.

Als der damalige südafrikanische Staatspräsident Frederik Willem de Klerk unter massivem Druck der Weltöffentlichkeit das ANC-Verbot aufhebt, geschieht das für viele Unfassbare: ...

... Am 11. Februar 1990 verlässt Mandela als freier Mann das Gefängnis.

Die meisten schwarzen Südafrikaner sehen damals in ihm eine Art Messias - obwohl oder gerade weil es verboten war, während seiner Haft Fotos von ihm zu veröffentlichen oder ihn zu zitieren.

Schon in der ersten öffentlichen Ansprache nach seiner Freilassung wendet sich Mandela aber gegen eine Überhöhung seiner Person. (Im Bild sein erster Pass nach der Freilassung.)

Er sei "ein gewöhnlicher Mensch, der unter außergewöhnlichen Umständen zu einem politischen Führer geworden ist", sagt der damals 71-Jährige der Menschenmenge auf dem Rathausplatz in Kapstadt.

Mandela widmet sich mit ganzer Kraft dem Transformationsprozess seines Landes vom rigiden Apartheidsystem zur Demokratie.

Als Präsident des ANC nimmt er an Mehrparteiengesprächen über die Zukunft Südafrikas teil, deren Ziel politische Reformen und die Abschaffung der Apartheid sind.

Im Gegenzug verzichtet der ANC auf jegliche Gewaltanwendung.

1993 erhält er zusammen mit Willem De Klerk den Friedensnobelpreis.

Ein Jahr später geht der ANC mit über 60 Prozent der Stimmen als klarer Sieger aus den Wahlen hervor, ...

... im Mai 1994 wird er zum ersten schwarzen Staatspräsidenten Südafrikas gewählt.

"Die Unterdrückten und die Unterdrücker gleichermaßen zu befreien", so beschreibt er das alles überragende Ziel seiner Präsidentschaft.

Als er im Juni 1999 das Zepter an Thabo Mbeki abgibt, ...

... schreibt der damalige UN-Generalsekretär Kofi Annan an den scheidenden Präsidenten: "Ihr Erbe ist eines der großartigsten des 20. Jahrhunderts."

Der Wandel Südafrikas vom Apartheid-Regime hin zu einem demokratischen Staat sei nicht allein sein Verdienst, hat Mandela immer wieder betont.

Dennoch gibt es wohl keinen lebenden Politiker, der so geliebt und verehrt wird.

Straßen, Plätze, Gebäude tragen seinen Namen.

Sein Konterfei schmückt eine Briefmarke und seit Neuestem auch eine Fünf-Rand-Münze.

In Millionen von Hütten hängt das Bild des Ex-Präsidenten.

Kritik gegenüber dem hochbetagten Polit-Star ist selten zu hören, obwohl er unglaublich lange brauchte, um beispielsweise ein "tragisches Versagen der Führung" im Nachbarland Simbabwe festzustellen.

"Es gab Anlässe, wo man gehofft hatte, er würde etwas sagen", meint dazu sein alter Mitstreiter Desmond Tutu.

Auch für die fremdenfeindlichen Ausschreitungen fand er eher sanfte Worte von "persönlicher Betrübnis", politische Analysten befürchten schon, dass das Land das politische Erbe Mandelas verspielt.

Es gibt ungeklärte Vorwürfe um einen Betrug mit Bildern und Handabdrücken der "Mandela-Art".

Auch die Trennung von seiner langjährigen Ehefrau Winnie Mandela erscheint manchen Kritikern wie die Befreiung von moralischem Ballast. Die "Mutter der Nation" soll an Entführungen, Vergewaltigungen und Folterungen beteiligt gewesen sein.

Sie wird 1991 für schuldig befunden, vier Jugendliche entführt zu haben; die Gefängnisstrafe von sechs Jahren wird später in eine Geldstrafe umgewandelt.

In der ersten Regierung unter Nelson Mandela ist sie stellvertretende Ministerin für Kunst, Kultur, Wissenschaft und Technologie, wird aber elf Monate später nach Korruptionsvorwürfen entlassen.

Nach 38-jähriger Ehe trennt er sich im April 1992 von Winnie und wird im März 1996 von ihr geschieden, Mandela wirft seiner Ex-Frau "mangelhafte Urteilskraft" vor, hält aber an ihrer Unschuld fest. Bis heute gehört sie zu seinem Freundeskreis.

An seinem 80. Geburtstag heiratet er Graca Machel, die Witwe von Samora Machel, dem ehemaligen Präsidenten Mosambiks und ANC-Unterstützer, der 15 Jahre zuvor bei einem Flugzeugunglück ums Leben gekommen war.

Am 6. Januar 2005 stirbt Mandelas zweiter Sohn Makgatho Mandela, Anwalt und Geschäftsmann, im Alter von 54 Jahren in Johannesburg an der Immunschwächekrankheit AIDS.

Auch deshalb widmet Mandela einen großen Teil seines karitativen Engagements der Bekämpfung der Immunschwäche in Südafrika. Ein Tabu bricht er bereits mit der klaren Benennung der Todesursache seines Sohnes.

Seit dem Jahr 2000 zieht sich Mandela immer weiter aus der Öffentlichkeit zurück, er installiert mehrere Stiftungen, die sich um sein Vermächtnis, aber auch seine Wohltätigkeitsprojekte kümmern.

Er sucht die Nähe seiner Familie, ....

... verbringt viel Zeit in seinem Heimatort.

Inzwischen ist Mandela ein sehr alter Mann, mit Gebrechen und schwindenden Kräften. Auf sein langes Leben blickt er mit Zufriedenheit zurück: ...

... "Ich bin den langen Weg der Freiheit gelaufen. Ich habe versucht, nicht zu schwanken; entlang des Weges, habe ich Irrtümer begangen. Nachdem ich einen großen Berg bestiegen habe, habe ich aber das Geheimnis entdeckt, ...

... dass man noch viele andere Berge zu besteigen hat. Ich habe mich hier einen Augenblick ausgeruht, und einen Blick auf die strahlende Landschaft, die mich umgibt, und auf den Weg, den ich hinter mir gebracht habe, geworfen. ...

... Aber ich kann mich nur einen Augenblick ausruhen, denn mit der Freiheit kommt die Verantwortung, und ich wage es nicht, zu weilen, denn mein Lauf ist noch nicht beendet."

Zu seinem Geburtstag kommen Glückwünsche aus aller Welt, darunter viele sehr persönliche Wünsche. Im Vater der "Regenbogennation" sehen viele längst einen Heiligen. (Text: Solveig Bach)

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