Bilderserie
Dienstag, 27. März 2012

Töten von Staats wegen: Zahl der Hinrichtungen steigt wieder

Bild 1 von 24
Es sind Bilder, die an den zivilisatorischen Stand des Mittelalters erinnern. Auch im Jahr 2011 sind laut der Statistik der Menschenrechtsorganisation Amnesty International von Staats wegen vermeintliche und erwiesene Verbrecher gehängt, ... (Foto: REUTERS)

Es sind Bilder, die an den zivilisatorischen Stand des Mittelalters erinnern. Auch im Jahr 2011 sind laut der Statistik der Menschenrechtsorganisation Amnesty International von Staats wegen vermeintliche und erwiesene Verbrecher gehängt, ...

Es sind Bilder, die an den zivilisatorischen Stand des Mittelalters erinnern. Auch im Jahr 2011 sind laut der Statistik der Menschenrechtsorganisation Amnesty International von Staats wegen vermeintliche und erwiesene Verbrecher gehängt, ...

... enthauptet, ...

... erschossen ...

.. und vergiftet worden.

Die neuen Zahlen machen Hoffnung und zerstören sie im nächsten Augenblick wieder: Mit 20 ist die Anzahl der Staaten, die erwiesenermaßen die härteste aller denkbaren Strafen vollstreckten, gesunken - im Vorjahr waren es noch 21, vor zehn Jahren noch 31.

Auch die Zahl der Länder, in denen Todesurteile ergingen, ist von 67 auf 63 zurückgegangen. Im Gegenzug ...

... kamen aber mit 676 Menschen deutlich mehr durch Hinrichtungen ums Leben als im Vorjahr.

Schuld an diesem Anstieg sind drei Staaten: Iran, Irak und Saudi-Arabien. Dort griff die Justiz häufiger zum Äußersten als in den Vorjahren.

Der weltweit organisierte Protest gegen die Todesstrafe - wie hier in Frankreich - ist damit offenbar nicht ganz wirkungslos. Doch bis der Strick nirgends mehr zum Instrument staatlicher Herrschaft gehört, ist es noch ein weiter Weg.

Dabei trügen die Amnesty-Daten. Amnesty International führt lediglich Länder auf, in denen die Zahlen offiziell vorliegen. Denn die Dunkelziffer soll hoch sein, die Zahl der Exekutionen und Todesurteile weit über den ermittelten Werten liegen. Vielerorts sind die genauen Zahlen Staatsgeheimnis, wie etwa in Weißrussland, der Mongolei oder Vietnam.

Sorge bereitet da vor allem weiterhin die Lage in China. Allein das aufstrebende Riesenreich würde die Statistik um mehrere Tausend Getötete nach oben treiben, schätzen Experten.

So öffentlich wie noch vor wenigen Jahren (Bild aus dem Jahr 2005) tötet Chinas Staatsmacht nämlich nicht mehr - wohl auch, weil die Kontakte zum Westen zugenommen haben und die Todesstrafe dort weitgehend aus den Strafgesetzbüchern verschwunden ist. Unrühmliche Ausnahme ...

... sind dabei die USA. Auch wenn Illinois die Todesstrafe abgeschafft und Oregon einen Hinrichtungsstopp erwirkt hat, bleibt das Land in der Spitzengruppe der HInrichtungen: 43 Menschen starben 2011 durch Exekutionen.

Damit reihen sich die USA in die Liga von Staaten wie Iran, Jemen, Nordkorea und Saudi-Arabien ein - ein Vergleich, der für eine Demokratie nicht eben schmeichelhaft ist. Auch wenn es Unterschiede gibt.

In den meisten Ländern - wie eben auch in den USA - wird die Todesstrafe ausschließlich bei Gewaltverbrechen verhängt. Andere Regierungen lassen dagegen auch zweifelhafte Straftatbestände sanktionieren.

In Pakistan etwa kann Gotteslästerung das Leben kosten, im Iran Ehebruch, Homosexualität oder Drogendelikte und in Saudi-Arabien Hexerei.

Unterschiede bestehen auch in der Prozessführung, die den Todesurteilen vorangehen. In den notorisch genannten Staaten Weißrussland, China, Irak, Iran, Nordkorea und Saudi-Arabien gingen nicht selten "Geständnisse" voraus, die vermutlich unter Folter oder Zwang erlangt wurden.

Kritisch betrachtet Amnesty International auch die noch immer weit verbreitete Praxis der "zwingend vorgeschriebenen Todesstrafe". Gemeint ist, dass, wie etwa in Malaysia oder Sambia, bestimmte Verbrechen ohne Ausweichmöglichkeit mit dem Tode bestraft werden müssen. Mildernde Umstände können somit nicht geltend gemacht werden.

Immerhin ein Fortschritt: Im Jahr 2011 nicht zur Anwendung kam auf der Welt die besonders grausame Steinigung - hier eine Aufnahme aus Somalia aus dem Jahr 2009. Sie zeigt einen Mann kurz vor seiner Steinigung. Ihm wurde illegaler sexueller Kontakt zu einer Frau vorgeworfen.

Zudem wird nur noch in wenigen Ländern öffentlich hingerichtet. Dazu gehören Iran, Nordkorea, Saudi-Arabien und Somalia.

Andere Länder sanktionieren Verbrechen nicht mehr mit dem Tode. 141 Länder stoppten bereits das staatliche Töten, zuletzt setzte Sierra Leone alle Hinrichtungen aus. Ein Weg, den eigentlich vor Jahren auch Indien schon gegangen ist.

Doch mit der drohenden Vollstreckung des Todesurteils gegen Balwant Singh Rajoana droht nach acht Jahren ein Rückschritt. Rajoana wurde wegen seiner Rolle bei der Ermordung des damaligen Regierungschefs des Bundesstaats Punjab, Beant Singh, im Jahr 1995 zum Tode verurteilt.

Der einzige Schandfleck auf der europäischen Landkarte ist im Übrigen noch immer Weißrussland, das unter Diktator Alexander Lukaschenko weiter töten lässt.

Zwischen der weißrussischen Hauptstadt Minsk und Berlin liegen keine 1000 Kilometer. Es wird Zeit, den Abstand zum nächsten Staat, in dem das höchste Strafmaß angewandt wird, zu vergrößern.

weitere Bilderserien