Raten Sie mal, was Sie hier sehen.Bild 1 von 65 Nichts?Bild 2 von 65 Hannover bei Nacht?Bild 3 von 65 Des Satans rabenschwarze Seele?Bild 4 von 65 Falsch, ganz falsch. Bringen wir also ein wenig Licht ins Dunkel.Bild 5 von 65 Es ist ein Stromausfall, den wir hier so anschaulich bebildert haben. Im Jahr 2006 konnte jeder Deutsche dieses Phänomen durchschnittliche 19 Minuten lang erleben.Bild 6 von 65 Doch nur selten bekommen Endnutzer überhaupt etwas davon mit, wenn der Strom wegbleibt. Die meisten Versorgungsunterbrechungen dauern nur wenige Millisekunden. Und die werden von der Statistik überhaupt nicht erfasst.Bild 7 von 65 Einrichtungen, die dringend auf lückenlose Stromversorgung angewiesen sind, müssen vorsorgen. Krankenhäuser oder Rechenzentren sind deshalb mit sogenannten USV-Geräten für eine unterbrechungsfreie Stromversorgung ausgestattet.Bild 8 von 65 Auch Privatverbraucher können ihre elektrischen Geräte auf diese Weise sichern. Und das ist durchaus sinnvoll, denn Stromausfälle können teure Folgen haben.Bild 9 von 65 Computerbesitzer müssen um die Daten auf ihrer Festplatte fürchten.Bild 10 von 65 Gefährlich wird es aber vor allem dann, wenn der Strom wieder fließt.Bild 11 von 65 Dann strömt nämlich oft erstmal zu viel aus der Steckdose. Bei Spannungsspitzen schmort empfindliche Elektronik leicht durch. Und so fällt manch ein Flachbildfernseher, Receiver oder manche Heizungssteuerungsanlage dem Stromausfall zum Opfer.Bild 12 von 65 Die Hausratversicherung hilft in solchen Fällen selten weiter - es sei denn, man hat den Überspannungsschutz extra bezahlt.Bild 13 von 65 Bleibt noch die Möglichkeit, den Stromversorger auf Schadenersatz zu verklagen. Der haftet aber nur bei Vorsatz oder grober Fahrlässigkeit - und die muss man erst einmal nachweisen.Bild 14 von 65 Die Aussicht auf Erfolg ist gering. So musste RWE nach dem tagelangen Stromausfall im Münsterland im Jahr 2005 keinen Schadenersatz leisten. Fast 500 Strommasten waren damals unter der Last der Schneemassen zusammengebrochen.Bild 15 von 65 Der Netzbetreiber RWE konnte sich mit einem Härtefallfonds aus der Affäre ziehen. Für die Betroffenen war das allenfalls ein schwacher Trost.Bild 16 von 65 Die Stromkunden waren sauer: Sie zahlen schließlich auch für die Instandhaltung des Netzes.Bild 17 von 65 Verantwortlich sind die vier großen Netzbetreiber: EnBW, Eon, RWE und Vattenfall. Sie sind per Gesetz verpflichtet, ein "sicheres, zuverlässiges und leistungsfähiges Energieversorgungsnetz zu betreiben und bedarfsgerecht auszubauen".Bild 18 von 65 Ob dies auch geschieht, darüber wacht die Bundesnetzagentur. Und deren Erkenntnisse im jüngsten Zustandsbericht waren zumindest bedenklich:Bild 19 von 65 Im Niederspannungsbereich - das ist der Teil des Netzes, der den Strom in die Steckdose leitet - sind die Masten im Schnitt fast 50 Jahre alt und damit dringend erneuerungsbedürftig.Bild 20 von 65 Im Mittelspannungsbereich sieht die Lage etwas besser aus, doch auch hier findet man noch Masten aus der Vorkriegszeit. Üblicherweise müssen Freileitungsmasten nach spätestens 50 Jahren ausgetauscht werden.Bild 21 von 65 Angesichts solcher Zustände prognostiziert die Netzagentur für die Zukunft Versorgungsengpässe. RWE-Chef Großmann warnt gar vor einem Kollaps der Stromsysteme.Bild 22 von 65 Schon in diesem Sommer könnte es zu tagelangen Stromausfällen kommen, prophezeite Großmann medienwirksam. Ganz so schlimm wird es nicht werden, meinen andere Experten. In einem Punkt herrscht aber bei allen Einigkeit:Bild 23 von 65 Es besteht Handlungsbedarf. Sowohl Leitungen als auch Kraftwerke müssten dringend erneuert werden.Bild 24 von 65 Denn wenn in den nächsten 15 Jahren die Kernkraftwerke vom Netz gehen, könnte Deutschland spätestens dann auf Stromimporte aus anderen Ländern angewiesen sein.Bild 25 von 65 Im Moment sind wir von einem Mangel aber noch weit entfernt. Im Gegenteil: In Deutschland wird mehr Strom produziert als das Netz aufnehmen kann. Denn speichern kann das Netz nicht, es überträgt nur.Bild 26 von 65 Auf einer Gesamtlänge von über 1,6 Millionen Kilometer leiten Stromkabel in Deutschland die Energie vom Kraftwerk in die Steckdose. Eine Reise, die keineswegs gleichförmig verläuft.Bild 27 von 65 Die Grundlast, also der Grundbedarf an Strom, wird vorwiegend von Kohle-, Kern und auch Wasserkraftwerken produziert. Über Höchstspannungsleitungen wird die Energie ins überregionale Verteilernetz und ins europäische Verbundnetz geleitet.Bild 28 von 65 Umspannwerke sind die Knotenpunkte im Stromnetz. Sie drosseln die Energie nun auf Hochspannungsniveau herunter. Weitere Kraftwerke speisen ihren Strom ein.Bild 29 von 65 Das Hochspannungsnetz schickt den Strom weiter in die regionalen Verbrauchszentren. Von hier aus geht es mit Mittelspannung von bis zu 300 Volt weiter.Bild 30 von 65 Große Industriebetriebe ziehen ihren Strom natürlich nicht aus der Steckdose. Sie schließen sich direkt ans Hochspannungsnetz an. Andere Großabnehmer wie Schulen oder Behörden decken ihren Bedarf aus dem Mittelspannungsnetz.Bild 31 von 65 Erst wenn die Spannung auf 400 beziehungsweise 230 Volt transformiert wurde, erfolgt die Feinverteilung an die Endabnehmer.Bild 32 von 65 Dass das ganze reibungslos funktioniert, darum kümmern sich die Netzleitstellen. Sie sind sozusagen die Kommandozentralen im Stromnetz und sorgen dafür, dass die Energie dort ankommt, wo sie gerade gebraucht wird.Bild 33 von 65 Sie lenken den Strom um, wenn ein Kabel kaputt ist und koordinieren die Reparaturarbeiten. Außerdem erkennen sie bei hohem Stromverbrauch Spannungsspitzen im Netz.Bild 34 von 65 Diese Spannungsspitzen lassen sich auch auf der Lastkurve ablesen. Steil nach oben geht es morgens zwischen sechs und neun Uhr, wenn die Menschen aufstehen, Licht einschalten und Kaffeemaschine, Toaster und Rasierer anwerfen.Bild 35 von 65 Kritisch wird es in Ausnahmesituationen, etwa bei großen Fußballspielen. Wenn in den Halbzeitpausen Kühlschränke aufgerissen werden und tausende Toilettenspülungen auf einmal rauschen und die Elektropumpen beanspruchen, glühen die Stromeitungen.Bild 36 von 65 Einmal im Jahr taucht ein besonderes Phänomen auf: die Gänsebratenspitze. Am ersten Weihnachtsfeiertag zwischen 11 und 14 Uhr gerät das Stromnetz regelmäßig an seine Kapazitätsgrenze. Schuld sind Gänse, die in Millionen Öfen vor sich hin brutzeln.Bild 37 von 65 Der konstante Strombedarf wird von der Grundlast abgedeckt. Während der täglichen Stoßzeiten werden die Mittellast-Kraftwerke zugeschaltet.Bild 38 von 65 Für die Mittellast eignen sich flexible Kraftwerktypen, die ihre Produktion im Tagesverlauf variieren können. Das ist zum Beispiel bei Steinkohle der Fall, aber auch Öl- und Gaskraftwerke arbeiten in diesem Bereich.Bild 39 von 65 In Spitzenbedarfszeiten ist Flexibilität gefordert. Die Stromproduktion muss schnell hochfahren, aber ebenso schnell wieder gedrosselt werden können.Bild 40 von 65 So dynamisch arbeiten Pumpspeicher- , Druckluftspeicher und Gasturbinenkraftwerke. Sie sind die Sprinter unter den Energieerzeugern. Mit rund 46 Euro pro Megawattstunde (MWh) ist ihr Strom allerdings sehr teuer.Bild 41 von 65 Steinkohlekraftwerke produzieren ab 41 Euro pro MWh kostendeckend. Am günstigsten arbeiten die abgeschriebenen Atomkraftwerke. Sie können die MWh schon für 17 Euro liefern.Bild 42 von 65 An der Strombörse, wo etwa ein Viertel des benötigten Stroms gehandelt wird, spielen die Herstellungskosten allerdings sowieso keine Rolle. Hier entscheiden allein Angebot und Nachfrage über die Preise - und die liegen im Moment deutlich über 50 Euro.Bild 43 von 65 Wenn bei windiger Wetterlage die Windkraftanlagen auf Hochtouren laufen, kann der Preis aber auch schnell in den Keller sacken.Bild 44 von 65 Am sogenannten Spotmarkt an der Strombörse wird nur der kurzfristige Bedarf gedeckt. Alles andere handeln die Konzerne direkt untereinander aus. Dafür geben die Preise an der Strombörse den Richtwert vor.Bild 45 von 65 Problem dabei: Wenn Konzerne wie RWE und EnBW an der Börse im großen Stil einkaufen, treiben sie gleichzeitig den Preis für Strom am Gesamtmarkt nach oben und können dort entsprechend teurer verkaufen. Deshalb steht die Strombörse in Leipzig in der Kritik.Bild 46 von 65 Wenn wir unsere Stromrechnung begleichen, zahlen wir aber ohnehin weit mehr als die reinen Energiekosten. Die machen ein knappes Viertel des Gesamtpreises aus - die Gewinne der Energieversorger sind da schon eingerechnet.Bild 47 von 65 Rund 40 Prozent des Betrages landen als Steuern und Abgaben im Staatssäckel. Öko- und Mehrwertsteuer machen den größten Teil aus.Bild 48 von 65 Der andere große Posten auf der Stromrechnung entfällt auf das Netzentgelt. Im Moment erhalten die Netzbetreiber gut 30 Prozent für die Durchleitung und Verteilung des Stroms.Bild 49 von 65 Zum größten Teil gehört das Stromnetz den vier großen Konzernen, also Eon, EnBW, Vattenfall und RWE. Seit 2006 kontrolliert die Bundesnetzagentur, dass die Netzbetreiber nicht über Gebühr kassieren.Bild 50 von 65 Trotzdem ist der Strompreis bislang nicht gesunken - im Gegenteil. Besserung ist kaum im Sicht, denn obwohl wir in den letzten Jahren sparsamer mit Energie umgegangen sind, könnte es in Zukunft knapp werden.Bild 51 von 65 Die maroden Netze sind ein Teil des Problems, ein anderer sind die Kraftwerke. Von ihnen könnte es in Zukunft zu wenige geben. (Im Bild: Schornsteinsprengung im ehemaligen Heizkraftwerk Gera-Süd)Bild 52 von 65 Rund 12.000 Megawatt Erzeugungskapazität könnten im Jahr 2020 fehlen, warnt die Deutsche Energieagentur. Um so viel zu leisten, bräuchte es 15 große Kraftwerksblöcke.Bild 53 von 65 Umweltverbände bezweifeln diese Zahlen, zumal die betreffende Studie von den großen Energiekonzernen mitfinanziert wurde.Bild 54 von 65 Fakt ist: Der Bau eines Kraftwerks kostet nicht nur viel Geld, sondern auch jede Menge Zeit. Baugenehmigungen sind schwer zu bekommen - wer wohnt schon gerne neben einem Kraftwerk?Bild 55 von 65 Der Streit um das geplante Hamburger Steinkohlekraftwerk Moorburg zeigt, wie kompliziert die Lage ist.Bild 56 von 65 Doch was ist mit "sauberen" Energielieferanten wie Sonne, Wind oder Biomasse? Sie sind politisch gewollt und werden Dank des "Erneuerbare Energien-Gesetzes" entsprechend gefördert - doch können Sie in Zukunft unseren Bedarf decken?Bild 57 von 65 Nicht vollständig: Im letzten Jahr machten die erneuerbaren Energien gerade einmal 6,7 Prozent des gesamten Primärenergieverbrauchs aus. Bis 2020 soll der Marktanteil europaweit auf mindestens 20 Prozent steigen, in Deutschland gelten 25 Prozent als realistisch.Bild 58 von 65 Große Hoffnungen ruhen dabei auf der Windkraft. Unter den regenerativen Energien macht sie fast 40 Prozent aus.Bild 59 von 65 Doch was nützt die Energie, wenn sie nicht dort ist, wo man sie braucht? Die meisten Windparks stehen im Norden des Landes, verbraucht wird die Energie vor allem in den Ballungsräumen im Süden und Westen.Bild 60 von 65 Eine zentrale Erzeugung erfordert aber auch leistungsfähige Netze - und daran mangelt es. Schon jetzt sind die Leitungen in Spitzenzeiten überlastet.Bild 61 von 65 Die Netzbetreiber reagieren dann des öfteren mit einer Abschaltung von Windanlagen - zum Verdruss der Windmüller, die auf ihrem Strom - trotz Wind - sitzen bleiben. Die großen Stromkonzerne bevorzugten aus Profitgier die eigenen Kraftwerke, meinen sie.Bild 62 von 65 Die Netzbetreiber argumentieren dagegen, die Windkraftanlagen gefährdeten die Stabilität der Leitungen.Bild 63 von 65 Fakt ist: Leitungskapazitäten müssen dringend ausgebaut werden. Das Bundeswirtschaftsministerium will die Sache jetzt mit einem Gesetz beschleunigen, das die Genehmigungsverfahren verkürzt.Bild 64 von 65 Bleibt zu hoffen, dass die Netzbetreiber mitziehen und sich nicht vor weiteren Investitionen zieren. Sonst sieht die Zukunft wohl wirklich düster aus. (Text: I. Noé, Bilder: AP, dpa, pixelio.de)Bild 65 von 65