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Sonntag, 15. April 2018

Die Bundesliga in Wort und Witz: "Soll ich lügen?"

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VfL Wolfsburg - FC Augsburg 0:0 (Foto: imago/Hübner)

VfL Wolfsburg - FC Augsburg 0:0

VfL Wolfsburg - FC Augsburg 0:0

Der Sieg gegen Freiburg sollte zum Wolfsburger Brustlöser im Abstiegskampf werden. Nach der bitteren Nullnummer gegen Augsburg steht fest: Wurde nix draus.

Wolfsburg leidet weiter, bekannte der ratlose VfL-Coach Bruno Labbadia: "Es ist zu spüren, dass die Mannschaft darüber extrem traurig ist. Es ist wirklich sehr schade, dass wir uns für den hohen Aufwand nicht belohnt haben."

Trotz etlicher Großchancen und 30-minütiger Überzahl reichte es nicht zum Wolfsburger Sieg, der den Abstand zu den Abstiegsrängen komfortabel gemacht hätte. Stattdessen könnte Mainz auf Relegationsrang 16 jetzt nach Punkten aufschließen. "Wir haben die Chance auf einen Sieg liegengelassen. Das nervt einfach", klagte Keeper Koen Casteels.

Deutlich zufriedener: FCA-Coach Manuel Baum. "Grandios gekämpft", "sensationell gemacht", bescheinigte er seinem Team. Das schürt Optimismus in Augsburg: "Für den Klassenerhalt ist es noch zu früh. Wir brauchen noch einen Dreier, dann haben wir 40 Punkte. Dafür haben wir vier Spiele Zeit, das sollten wir hinkriegen."

1899 Hoffenheim - Hamburger SV 2:0 (2:0)

"In der 2. Halbzeit hat sich die Mannschaft gegen die Niederlage gestemmt", bilanzierte HSV-Coach Christian Titz nach dem Gastspiel in Hoffenheim. Knackpunkt: Da war schon alles zu spät, räumte auch Titz ein: "Wir haben das Spiel in der 1. Halbzeit verloren."

Weil beim Bundesliga-Dino "Aufgeben verboten!" gilt, schmiss Sejad Salihovic eiligst den Phrasendrescher an: "Es wird immer schwieriger, aber wir lassen uns nicht unterkriegen. Nächste Woche haben wir gegen Freiburg ein Heimspiel, das müssen wir unbedingt gewinnen. Aber die Spiele werden weniger."

Nur: Läuft es ganz suboptimal für die Hamburger, könnte der Abstieg bereits am kommenden Spieltag besiegelt werden. Während die Hamburger und ihr Anhang in den Abgrund starren, ...

... schielen die Nagelsmänner (samt austrainiertestem Maskottchen der Liga) ganz unverhohlen nach Europa. "Wir wollen in das internationale Geschäft. Wir wollen das wiederholen. Wir müssen dranbleiben, denn es ist schwer uns zu schlagen", gab Mittelfeldspieler Kevin Voigt als Marschrichtung vor: "Wir werden alles daran setzen, den siebten Platz am Ende zu umgehen. Es ist hart getaktet. Es ist schön, dass wir es selbst in der Hand haben."

Hertha BSC - 1. FC Köln 2:1 (0:1)

Auf dem Platz und der Blitztabelle sah es zwischendurch gut aus für die Kölner. Sie führten in Berlin und verließen dadurch virtuell den letzten Tabellenplatz. Und dann, Leonardo Bittencourt? "Wir nehmen uns viel vor, aber es ist wie gegen Mainz, in der 60. Minuten haben wir das Spiel schon wieder so verkackt, dass Hertha 2:1 führt."

Die chronische Abwehr-Minutenschlaf verfolge den FC schon die ganze Saison - ebenso wie umstrittene Schiedsrichterentscheidungen, klagte Noch-Coach Stefan Ruthenbeck: "Was in dieser Saison alles gelaufen ist, irgendwann glaubst du auch nicht mehr dran und gerade ist es schwierig."

In Berlin können sie sich auf eine weitere erstklassige Saison einstellen, auch wenn Pal Dardai sein Team noch nicht ganz am Ziel sieht. "Kosmetisch brauchen wir noch einen Punkt", kokettierte er angesichts der 39 Berliner Zähler mit der 40-Punkte-Marke, die weiter als magische Nichtabstiegsgrenze gilt.

FC Bayern - Borussia Mönchengladbach 5:1 (2:1)

Er war gar nicht in München, aber trotzdem omnipräsent: Niko Kovac, ab Sommer neuer Bayern-Trainer. Die ominösen Umstände seines Wechsels sorgte für Frust in Frankfurt - und Wut in München.

Es war nämlich gar nicht unfair, wie von Frankfurt behauptet. Wie es war, erklärte Chef-Märchenonkel Uli Hoeneß, beim FC Bayern nebenberuflich noch Präsident ist: "Vor drei Wochen oder so hatte mein Fahrer Bruno Kovacevic seinen 60. Geburtstag. Er ist Kroate, die zwei Frankfurter sind Kroaten, und an dem Abend waren die beiden auch eingeladen. Karl-Heinz mit seiner Frau und ich mit meiner Frau kommen dahin und sagen, was ist da los - und dann saßen die bei uns am Tisch. Vor 60 Leuten hat der FC Bayern noch selten Vertragsgespräche geführt."

"Das geht sie einen Mist an. Wir sind hier nicht bei der Staatsanwaltschaft, wir sind nicht verpflichtet, darauf eine Antwort zu geben." Nochmal Justiz-Experte Hoeneß im Bezahlfernsehen Sky. Diesmal (schon deutlich empörter) auf die Frage, ob es den ersten offiziellen Kontakt zu Kovac tatsächlich erst am vergangenen Donnerstag gegeben habe, wie der Noch-Frankfurter mit Grabesmiene erklärt hatte.

Sky-Experte Christoph Metzelder konnten Kovac und die Bayern mit ihrer Telefon-Fahrergeburtstags-Geschichte nicht davon überzeugen, dass am selben Tag Kontaktaufnahme und Vertragsabschluss erfolgt seien: "Das kann ich nicht glauben. Selbst in der Kreisliga lotet man so etwas aus."

Fußball gespielt wurde in München übrigens, für Gladbach war das nicht so erfreulich. Für zwei der fünf Borussen-Gegentore sorgte Bayerns Nationalstürmer Sandro Wagner - der nun fest mit einer WM-Nominierung rechnet: "Da gehe ich davon aus, ehrlich gesagt."

Dank eines äußerst gesunden Selbstbewusstseins findet Wagner allerdings: "Das Thema WM nervt langsam. Ihr fragt den Hummels und Müller auch nicht jede Woche, ob sie zur WM mitfahren. Und genauso sehe ich das bei mir auch." Könnte halt daran liegen, dass die Herren Müller und Hummels Weltmeister sind.

Bayern-Hoeneß wies vor seinem Wutausbruch übrigens noch dezent darauf hin, dass die Münchner nicht "mit der Topelf gespielt und Gladbach ab der 20. Minute an die Wand gespielt" hätten.

Das ließ auch Bayern-Coach Jupp Heynckes schwärmen: "Wir haben auf sieben Positionen gegenüber Sevilla die Mannschaft verändert. Bei uns ist eine Homogenität vorhanden, die im Fußball nicht selbstverständlich ist. (...) Wir sind aktuell alle topfit, und es herrscht eine tolle Stimmung in der Mannschaft."

Den Gladbachern stand nach der Abreibung trotz früher Führung eine Standpauke von Coach Dieter Hecking bevor, kündigte der an: Wir haben nach dem 1:3 sehr schlecht verteidigt und die Bayern spielen lassen. Da hätten wir viel mehr Gegenwehr zeigen müssen. Das war einfach zu wenig und darüber wird auch noch zu reden sein."

Bayer Leverkusen - Eintracht Frankfurt 4:1 (1:1)

"Die Jungs haben alles rausgeholt, was sie hatten. Die sind zum Schluss auf der Felge rausgegangen. Ich bin nicht davon ausgegangen, dass der Wechsel von Niko Kovac einen negativen Einfluss auf die Mannschaft hat. Ich hatte da keine Bauchschmerzen." Frankfurts Sportchef Fredi Bobic sieht rein sportliche Gründe für die Eintracht-Klatsche im Champions-League-Duell.

Kovac selbst beteuerte gar: "Für mich war es ein normales Fußballspiel, nicht mehr und nicht weniger." Das hatte er allerdings ebenso exklusiv wie die Einschätzung: "In der ersten Hälfte haben wir dominiert und waren ganz klar die bessere Mannschaft."

Frankfurts Torhüter Lukas Hradecky bewertete den Effekt der Causa Kovac nämlich ein wenig anders: "Soll ich lügen, dass es keinen hatte? Natürlich, wir sind Menschen, keine Roboter."

Wohl auch mit Blick auf seinen nun feststehenden Abschied aus Frankfurt fügte Hradecky an: "Es war eine komische Woche. Wir wollten hier etwas holen, das ist uns nicht gelungen. Es war viel los."

Völlig gelöst war Leverkusens Dreifachtorschütze Kevin Volland, der insgeheim vielleicht wieder von der WM träumt: "Das war in erster Linie ein wichtiges Spiel, ein 6-Punkte-Spiel, das haben wir gewonnen. Es war schwer genug. Wir waren in der 2. Halbzeit zur richtigen Zeit am richtigen Ort."

VfB Stuttgart - Hannover 96 1:1 (0:0)

Wie Hertha fehlt auch den Stuttgartern noch ein Zähler bis zur 40-Punkte-Marke - weil Hannover ein Lucky Punch gelang. Der schmerzte VfB-Coach Tayfun Korkut mächtig: "Es ist natürlich bitter, mit dem letzten Ball, der in den Strafraum geschlagen wird, den Gegentreffer zu bekommen. Das ist bitter für die Mannschaft, die wollte es heute erledigt haben."

Für Hannover und Ausgleichstorschütze Niclas Füllkrug hieß es: Matchplan perfekt aufgegangen! "Das war heute Abnutzungskampf. Wir haben den Stuttgartern bewusst mehr Ballbesitz gelassen. Umso glücklicher sind wir, dass wir noch das Tor machen", erzählte Füllkrug euphorisiert. Er habe gemerkt, "dass ich gut an den Ball komme, das ist dann auch ein bisschen Stürmerinstinkt".

Bald nicht mehr Teil ausgeklügelter H96-Matchpläne ist Salif Sané, er wechselt zum FC Schalke - dank einer Klausel im Vertrag. Damit aber soll jetzt Schluss sein, kündigte Präsident Martin Kind an: "Es wird keine Ausstiegsklauseln mehr geben."

FC Schalke - Borussia Dortmund 2:0 (0:0)

In seinem ersten Revierderby hatte Domenico Tedesco mit Schalke ein 0:4 in Dortmund aufgeholt. Nach seinem zweiten Revierderby ging der 32-Jährige erst auf die Knie ...

... und dann auf die Jubel-Empore vor der Schalker Nordkurve. Dort wurde er gefeiert - als verdienter Derbysieger. "Ich wollte erst nicht, hatte aber das Gefühl, wenn ich es nicht mache, dann reißen die Ultras das Stadion ab", berichtete Tedesco anschließend.

"Er wurde heute geadelt - und das zu Recht", kommentierte Schalke-Boss Clemens Tönnies die Feiereinlage nach dem ersten Schalker Derbysieg seit September 2014, also seit einer Ewigkeit.

Extrem ernüchtert: BVB-Star Marco Reus, der mit dem Derby auch die Vize-Meisterchaft an Schalke verlor: "Wir haben in der ersten Halbzeit nicht gut gespielt. Schalke hatte die besseren Chancen. Wir mussten nach dem Rückstand kommen, haben es aber nicht gut gemacht und es einfach verkackt."

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