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Donnerstag, 09. Januar 2014

Zwei Rentner steigen in den Ring: Stallone, De Niro und die Geschichte der Boxerfilme

Von Markus Lippold

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Wenn zwei alte Recken noch mal in den Ring steigen, kann das natürlich danebengehen. Aber hier geht es ja nicht um irgendwen, sondern um Sylvester Stallone und Robert De Niro. (Foto: Ben Rothstein)

Wenn zwei alte Recken noch mal in den Ring steigen, kann das natürlich danebengehen. Aber hier geht es ja nicht um irgendwen, sondern um Sylvester Stallone und Robert De Niro.

Wenn zwei alte Recken noch mal in den Ring steigen, kann das natürlich danebengehen. Aber hier geht es ja nicht um irgendwen, sondern um Sylvester Stallone und Robert De Niro.

Für "Zwei vom alten Schlag" ziehen sie sich noch mal die Boxhandschuhe über - um als Rentner im Unruhestand gegeneinander zu kämpfen.

Stallone (r.) spielt Henry "Razor" Sharp, De Niro gibt Billy "The Kid" McDonnen: Beide Boxer galten einst als große Rivalen, aus zwei Kämpfen ging jeder einmal siegreich hervor.

Vor dem entscheidenden dritten Kampf zog sich "Razor" jedoch aus dem Boxgeschäft zurück.

30 Jahre später schafft es ein Promoter, die beiden zu einem letzten Kampf zu überreden.

Aber schon bevor es richtig losgeht, kriegen sich die Streithähne ordentlich in die Wolle. Kein Wunder, dass ihr Aufeinandertreffen bald von der halben Nation sehnsüchtig erwartet wird.

Natürlich ist "Zwei vom alten Schlag" von Regisseur Peter Segal vor allem wegen der beiden Hauptdarsteller interessant, die von Kim Basinger und Alan Arkin (als "Razors" Ex-Trainer, Bild) unterstützt werden.

Denn sowohl Stallone als auch De Niro kamen mit Boxfilmen zu Filmehren. Stallone spielte bisher sechs Mal "Rocky" und wurde für den ersten Teil für Oscars als Hauptdarsteller und Drehbuchschreiber nominiert.

De Niro konnte den Academy Award für seine Darstellung als Jake LaMotta in "Wie ein wilder Stier" von Martin Scorsese einstreichen.

In ihrem neuesten Film "Zwei vom alten Schlag" geht es allerdings nicht um harte Boxkämpfe und dramatische Lebensläufe, sondern um zwei sich kabbelnde Rentner.

Da darf weder der Humor fehlen noch die Anspielungen auf die Box-Vergangenheit der beiden Hauptdarsteller, Tiefkühlfleisch inklusive.

Trotzdem reiht sich der Streifen in eine alte Hollywood-Tradition ein, denn Boxfilme gehören seit der Stummfilmzeit zum festen Repertoire - als Filmbiografie, als fiktionale Geschichte oder als Dokumentation über einen realen Boxer. (Bild: Wallace Beery erhielt für die Rolle in "The Champ" von 1931 einen Oscar.)

Der Sport entwickelte bereits in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts einen Glanz, der die Massen anzog. Die Regeln sind schließlich denkbar einfach: Hier geht es um Sieg oder Niederlage - es kann immer nur einer gewinnen. (De Niro in "Wie ein wilder Stier")

Eine ganze Reihe bekannter Schauspieler hat sich deshalb bereits vor der Kamera die Boxhandschuhe zugeschnürt und den archaischen Helden gegeben, der ohne Hilfsmittel den Gegner bearbeitet. (Kirk Douglas in "Zwischen Frauen und Seilen" von 1949)

Und weil sich die Faustkämpfer wortwörtlich durchs Leben boxen müssen, reflektieren sie auch das uramerikanische Ideal des sozialen Aufstiegs - vom Tellerwäscher zum Box-Millionär sozusagen. "Rocky" ist dafür das beste Beispiel.

Wobei gerade in den frühen Boxfilmen immer auch die Nähe zum organisierten Verbrechen thematisiert wurde - das Faustrecht der Unterwelt, vor allem in den Großstädten. (Humphrey Bogart, r., in "Schmutziger Lorbeer")

Aber es gab natürlich immer auch ironische Brechungen. Charlie Chaplin etwa war in "Lichter der Großstadt" nicht gerade ein muskelbepackter Boxer.

Später witzelten sich etwa Antonio Banderas (r.) und Woody Harrelson durch "Knocked Out - Eine schlagkräftige Freundschaft".

Orlando Bloom gab in einer Fake-Dokumentation den Milchmann und Boxer "The Calcium Kid".

Und mal ehrlich: Elvis Presley als "Kid Calahad" ist jetzt auch nicht der knallharte Fighter, trotz Aua am Kopf.

Das verrät schon der deutsche Untertitel des Musicals: "Harte Fäuste, heiße Liebe".

Aber gut, diese eher witzigen Annäherungen ans Thema, an die nun "Zwei vom alten Schlag" anknüpft, sind eher eine Ausnahme. Meist geht es in Boxfilmen ums Überleben und es wird auch schon mal ziemlich blutig. (De Niro in "Wie ein wilder Stier")

Trotzdem ließen es sich jede Menge Hollywood-Stars nicht nehmen, in Boxerfilmen aufzutreten: James Cagney zog 1932 in "Winner Take All" die Boxhandschuhe an, …

… William Holden 1939 in "Golden Boy".

1942 stellte Errol Flynn den realen Boxer James J. Corbett in dem biographischen Drama "Der freche Kavalier" dar.

Burt Lancaster spielte 1946 an der Seite von Ava Gardner den Ex-Boxer Ole Anderson in "Rächer der Unterwelt", …

… Kirk Douglas drei Jahre später Michael Kelly in "Zwischen Frauen und Seilen".

Legendär ist auch die Darstellung von Paul Newman in "Die Hölle ist in mir" von 1956.

Der Film entstand nach der Autobiografie von Mittelgewichts-Weltmeister Rocky Graziano.

1970 stellte James Earl Johnson den ersten schwarzen Schwergewichts-Weltmeister Jack Johnson in "Die große weiße Hoffnung" dar und wurde dafür Oscar-nominiert.

Diese Liste ist beileibe nicht vollständig. Auch andere Schauspieler boxten sich auf der Kinoleinwand, etwa Edward G. Robinson, Mickey Rooney, Anthony Quinn (Bild), Tony Curtis, Charles Bronson, Clint Eastwood und und und.

Doch 1977 waren sie alle nicht nötig - ein realer Champion übernahmen das Ruder, als der biografische Film "Ich bin der Größte" über Muhammad Ali entstand.

Man sparte sich dabei die Suche nach einem Schauspieler - der Schwergewichts-Weltmeister spielte sich passenderweise selbst.

Aber die Zeit des klassischen Hollywood war ohnehin vorbei, eine neue Generation übernahm das Zepter: 1976 sorgte Stallone als "Rocky" für Aufsehen.

Die von ihm selbst entwickelte Story um den Underdog, der gegen den Weltmeister antritt, ist einer seiner größten Erfolge.

Es folgten fünf Fortsetzungen, die die Qualität des ersten Films aber nicht erreichten, …

… stattdessen die altbekannte Story aufwärmten und …

… sich am Ende in Hurra-Patriotismus erschöpften.

Nun gut, wenigstens der letzte Teil "Rocky Balboa" machte das bis zu einem gewissen Grad wieder gut.

Ganz anders war da "Wie ein wilder Stier" von Martin Scorsese. Der Film, gedreht in Schwarz-Weiß, schildert Auf- und Abstieg von Jake LaMotta, der von 1949 bis 1951 Weltmeister im Mittelgewicht war.

De Niro lieferte mit der Rolle eine Glanzleistung ab und kassierte seinen zweiten Oscar.

Immerhin hatte er 27 Kilo zugelegt, um den alten LaMotta darstellen zu können. Boxer waren nun nicht mehr nur muskulöse Helden oder Aufsteiger, auch ihre Schattenseiten wurden ausgiebig beleuchtet.

Mickey Rourke spielte 1988 in "Homeboy" einen heruntergekommenen Boxer.

Um ein besonders grausames Kapitel der Boxgeschichte ging es in "Triumph des Geistes". In dem Film nach tatsächlichen Begebenheiten spielt Willem Dafoe einen KZ-Insassen, der zur Belustigung der Wachen im wahrsten Sinne des Wortes um sein Leben boxen muss.

Fast zehn Jahre später spielte Daniel Day-Lewis in "Der Boxer" einen Kämpfer, dessen Leben vom Nordirland-Konflikt geprägt ist.

Denzel Washington verkörperte in "Hurricane" den schwarzen Boxer Rubin Carter, dem in einem skandalösen Verfahren 1966 ein Mord angehängt wird. Erst 20 Jahre später wird seine Unschuld bewiesen.

Schließlich eroberten vereinzelt auch weibliche Boxer die Filmleinwand. Zuerst Michelle Rodríguez in "Girlfight" …

… und dann natürlich Hilary Swank als "Million Dollar Baby" unter der Regie von Clint Eastwood.

Das Drama um die junge Boxerin, die vom erfahrenen Trainer zum Erfolg geführt wird, bevor ein Unfall beider Leben aus der Bahn wirft, wurde ein großer Erfolg.

Der Film räumte bei den Oscars die Preise für Film, Regie, Hauptdarstellerin und Nebendarsteller Morgan Freeman ab.

Dass Meg Ryan mit "Die Promoterin" dann eine ziemliche Gurke ablieferte, sei aber nur am Rande erwähnt. Auch wenn der Film auf dem realen Leben von Jackie Kallens beruht.

Überhaupt erlebten Boxfilme rund um die Jahrtausendwende ein Comeback. Will Smith spielte …

… in "Ali" die geniale wie großmäulige Sportlegende.

Russell Crowe stellte in "Cinderella Man" den Schwergewichts-Weltmeister Jim Braddock dar.

Zu den letzten bekannteren Boxfilmen zählen der mehrfach Oscar-prämierte "The Fighter" mit Mark Wahlberg und Christian Bale und …

… "Real Steel" mit Hugh Jackman.

Mit dem archaischen Kräftemessen im Ring haben diese Roboter aber nichts mehr zu tun. Da schauen wir doch lieber dabei zu, wie sich Stallone und De Niro gegenseitig beharken. Und seien sie auch noch so alt.

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