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Donnerstag, 19. Oktober 2017

Schönheit und Grausamkeit: Beste Naturfotos des Jahres gekürt

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Am 17. Oktober wurde in London im Natural History Museum der "Wildlife Photographer of the Year Award" verliehen. Der Preis, ... (Foto: REUTERS)

Am 17. Oktober wurde in London im Natural History Museum der "Wildlife Photographer of the Year Award" verliehen. Der Preis, ...

Am 17. Oktober wurde in London im Natural History Museum der "Wildlife Photographer of the Year Award" verliehen. Der Preis, ...

... der auch vom Museum vergeben wird, ist eine der renommiertesten Auszeichnungen für Naturfotografie. Fast 50.000 Beiträge von Profis und Amateuren aus 92 Ländern wurden eingereicht. Unter den Preisträgern sind auch deutsche Fotografen. In 16 Kategorien wurde jeweils ein Siegerbild gekürt - n-tv.de stellt sie vor.

Die Bilder sind allesamt sehr eindrucksvoll, aber nicht immer "schön" - sie weisen auch auf die Zerstörung der Natur durch den Menschen hin. So wie ... (Seepferdchen, das sich im Meer vor Indonesien ein Ohrstäbchen gegriffen hat; Bild von Justin Hofman)

... das Siegerfoto: "Memorial to a species" von Brent Stirton zeigt ein gewildertes Spitzmaulnashorn mit abgehackten Hörnern in einem Wildreservat in Südafrika. In der Begründung der Jury heißt es, Stirton habe die tragische Szene "beinahe majestätisch" dargestellt. Das Foto sei "symbolhaft für eines der verschwenderischsten, grausamsten und unnötigsten Verbrechen an der Natur".

In der Kategorie "Tierporträts" siegte Peter Delaney mit seinem Bild "Tagtraum" ("Contemplation"). Das Foto des sich ausruhenden Schimpansen entstand im Kibale-Nationalpark in Uganda. Er musste sehr lange warten, bis er den Affen mal am Boden und nicht in Bewegung erwischen konnte.

Das beste Bild in der Kategorie "Verhalten - Vögel" ist nach Meinung der Jury "The incubator bird" ("Der Brutkastenvogel") von Gerry Pearce. Das australische Buschhuhn ist einer von wenigen Vögeln, die ihre Eier nicht mit Körperwärme ausbrüten, sondern einen Brutkasten verwenden. Nur die Männchen überwachen das Bebrüten; "dieses hier hatte sich für einen Nisthügel in der Nähe von Gerrys Haus in Sydney an der Grenze zum Garigal-Nationalpark entschieden", heißt es dazu im Begleitbuch "Portfolio 27", das bei Knesebeck erscheint.

"Krabbenüberraschung" ("Crab surprise") von Justin Gilligan ist das Siegerfoto in der Kategorie "Verhalten - Wirbellose". "Wie aus dem Nichts tauchte plötzlich eine gewaltige Ansammlung von Dreieckskrabben, auch See- oder Meerspinnen genannt, auf und bedeckte eine Fläche von der Größe eines Fußballfelds. Im Grunde ist eine solche Anhäufung der Tiere in australischen Gewässern keine Seltenheit, doch hat man in der Mercury-Passage vor der Ostküste Tasmaniens noch nie welche gesehen", so der Fotograf.

Bei "Verhalten - Amphibien und Reptilien" siegte "Urzeitliches Ritual" ("The ancient ritual") von Brian Skerry: Eine Lederschildkröte schiebt sich mit ihren Flossen über den Strand ins Meer, aufgenommen im Sandy Point National Wildlife Refuge auf Saint Croix (Amerikanische Jungferninseln). "Lederschildkröten sind die größten, am tiefsten tauchenden und am weitesten schwimmenden Meeresschildkröten, die es gibt. Den Großteil ihres Lebens verbringen sie im Meer, viel weiß man über die Tiere bislang nicht", heißt es.

Das "Riesentreffen" ("Giant gathering") von Tony Wu ist Sieger bei "Verhalten Säugetiere" - eine Ansammlung von Pottwalen vor der Nordostküste Sri Lankas. "Hier ging zweifelsohne etwas ganz Besonderes vor sich, eine Versammlung von Dutzenden, wenn nicht Hunderten der Meeressäuger, die sich zu sozialen Verbänden zusammenschließen, wie ein Treffen von Clans."

"Natur in Schwarz-Weiß" heißt die Kategorie, in der "Polar pas de deux" von Eilo Elvinger zum Siegerbild gekürt wurde. Eine Eisbärin und ihr zweijähriges Junges stehen rücklings aneinander; der Fokus liegt auf den breiten Pfoten und den spikeartigen Krallen, mit denen sie auf dem Eis einen festen Stand finden.

"Das Eismonster" ("The ice monster") von Laurent Ballesta siegte in der Kategorie "Lebensraum Erde". Es zeigt Taucher an Eisblöcken - berghohen Stücken von Schelfeis - in der Nähe ...

... der französischen Forschungsstation Dumont d'Urville (im Bild) in der östlichen Antarktis. Drei Tage brauchte der französische Biologe, um 147 Bilder davon aufzunehmen. Die fügte er zum weltweit ersten Foto eines kompletten Eisbergs von unten zusammen.

In der Kategorie "Tiere in ihrem Lebensraum" kürte die Jury "Plünderer in der Nacht" ("The night raider") von Marcio Cabral zum Siegerfoto. Es wurde aufgenommen in der Cerrado-Region in der Savanne des brasilianischen Nationalparks Emas. Larven der Schnellkäfer locken mit ihren "biolumineszenten Scheinwerfern" an einem Termitenhügel ihre Beute - die Termiten - an; auf die ist auch ein Großer Ameisenbär scharf.

Kommen wir in "Das Reich der Pflanzen und Pilze" - hier siegte "Gobelin des Lebens" ("Tapestry of life") von Dorin Bofan. Es wurde aufgenommen auf der zu den Lofoten gehörenden Insel Hamnøy: felsige Abhänge, an denen es Zwergbirken und Zwergweiden gelingt, sich festzukralllen. Der Fotograf "wartete, bis eine Lücke in der Wolkendecke den Pflanzenteppich in seiner ganzen arktisch-alpinen Pracht erstrahlen ließ, und machte sein Foto. Ein kurzer Augenblick in einer Landschaft, in der Zeit keine Rolle zu spielen scheint."

Kategorie "Unterwasserwelten": Sieger ist hier "Der Quallen-Jockey" ("The jellyfish jockey") von Anthony Berberian, aufgenommen im Meer vor der Küste Tahitis in Französisch-Polynesien. Eine Hummerlarve umklammert den Schirm einer Leuchtqualle und lässt sich mit ihr in der Strömung treiben.

Sieger bei "Naturfotojournalist des Jahres: Einzelfoto" wurde Aaron Gekoski mit seinem Bild "An den Rand gedrängt" ("Palm-oil survivors"). Hier bahnen sich Borneo-Zwergelefanten ihren Weg über die Terrassen einer Palmölplantage auf der Insel Borneo, die zur Wiederbepflanzung gerade gerodet wird.

Der Preis für den "Jungen Naturfotografen des Jahres 2017" ging an Daniël Nelson. Sein Bild "Das gute Leben" ("The good life") wurde zum bemerkenswertesten unter allen Einsendungen junger Fotografen im Alter bis 17 Jahre gekürt. Es entstand im Nationalpark Odzala in der Demokratischen Republik Kongo. Ein Gorilla freut sich über die saftige Frucht des Okwabaums (auch Afrikanischer Brotfruchtbaum genannt).

Bei "Junge Naturfotografen: 11-14 Jahre" siegte Ashleigh Scully mit "Vergebliche Mühe" ("Stuck in"). Sie hielt eine Amerikanische Rotfüchsin im Yellowstone-Nationalpark fest, die bei der Jagd nach Beute unter der Schneedecke für einige Sekunden im Schnee steckenblieb.

Und schließlich die Jüngsten: In der Kategorie "Junge Naturfotografen: 10 Jahre und jünger" gewann die erst fünfeinhalbjährige Ekaterina Bee. Sie fotografierte auf einer Schiffsreise vor der Küste Zentralnorwegens "Neugierige Silbermöwen" ("In the grip of the gulls").

100 preisgekrönte Bilder - die 16 Einzelsieger und weitere Finalisten - sind in Ausstellungen zu sehen. Ab dem 20. Oktober werden sie in London gezeigt.

Den Deutschland-Auftakt macht am 25. November das Westfälische Pferdemuseum Münster (bis 3. April 2018).

Ab 1. Dezember wird die Ausstellung im Naturhistorischen Museum Basel gezeigt. Der Fotoband "Portfolio 27" erscheint bei Knesebeck, 160 Seiten, 34,95 Euro. (Coverfoto: "Eierdieb" von Sergej Gorschkow) (abe)

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