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Hetzkampagne gegen EM-Spieler Das Netz lästert über Pegida-Fehltritt

Pegida empört sich über eine Werbeaktion mit den Fußball-Nationalspielern Jérôme Boateng und Ilkay Gündogan - ein peinlicher Aussetzer, der im Netz für Spott sorgt. Statt die Hetzer zu befriedigen, entlarvt Pegida mit der Aktion die eigene Einfältigkeit.

"Vor nichts wird Halt gemacht", empört sich der Pegida-Verband Bodensee via Facebook. "Gibt's die echt so zu kaufen? Oder ist das ein Scherz?" Nein, kein Scherz. Sowohl Jérôme Boateng als auch Ilkay Gündogan und etliche weitere Fußball-Nationalspieler zieren zwei Wochen vor Beginn der Europameisterschaft in Frankreich die Verpackungen von Kinderschokolade. Doch während die Aktion für den Süßwarenkonzern Ferrero schlicht eine Werbeidee zur EM ist, sieht besagter Pegida-Verband die "völkische" Identität gefährdet. Einwandererkinder auf der deutschen Kinderschokolade? Das geht den Nationalisten eindeutig zu weit.

In den Kommentaren zum Facebook-Post echauffieren sich Dutzende Anhänger der islamfeindlichen Bewegung - ohne offenbar die Hintergründe der Werbekampagne zu kennen. Denn auf den Verpackungen sind die EM-Spieler nicht etwa als Erwachsene, sondern als Kinder abgebildet. Ein Zusammenhang, der sich scheinbar nicht jedem Hetzer erschloss. "Die versuchen einem echt, die Scheiße als normal unterzujubeln, armes Deutschland", motzte einer. Und ein anderer fragte allen Ernstes: "Warum können da nicht mal nackte Frauen rauf, oder wenn man mal was für die Ausländer machen will, 'ne Ziege, oder so?"

Mit solchen und ähnlichen Reaktionen dürften die Pegida-Administratoren wohl gerechnet haben - wahrscheinlich waren sie sogar gewollt. Was sie aber nicht vorhersehen konnten, waren die Reaktionen der Netzgemeinde auf die plumpe fremdenfeindliche Aktion. Auf Twitter machten sich nach Bekanntwerden der Hasskommentare Tausende Nutzer mit einfallsreichen und überaus sarkastischen Bildmontagen über Pegida lustig - statt Boateng und Gündogan das Original, zierten Adolf Hitler und Heinrich Himmler eine "Pegida-Sonderedition", die natürlich damit wirbt, völlig frei von Kakao zu sein.

Für Pegida nur "deutsche Kakaobohnen"

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Der Facebook-Eintrag von Pegida ist mittlerweile gelöscht worden. Foto: Facebook

Auch auf die Ankündigung einiger Pegida-Anhänger, das Produkt künftig boykottieren zu wollen, reagierten viele mit offener Häme. "Was passiert eigentlich, wenn Pegida erfährt, dass Kinderschokolade ein italienisches Produkt ist und der Kakao dafür aus Westafrika kommt?", fragte eine Twitter-Userin. Ein anderer schrieb: "Über 'Ausländer' auf der Kinderschokolade beschweren sich die gleichen Leute, die bei der EM besoffen johlen, wenn Özil ein Tor schießt."

Auch der Konzern selbst will mit den Entgleisungen der Pegida-Anhänger nichts zu tun haben - und reagierte mit einem Statement via Facebook an seine Kunden. "Wir von Ferrero möchten uns an dieser Stelle ausdrücklich von jeglicher Form von Fremdenfeindlichkeit oder Diskriminierung distanzieren", hieß es. Ohnehin dürfte Pegida mit dem Fehltritt unfreiwillig dazu beigetragen haben, dass die Werbekampagne ein Erfolg wird. Nicht wenige Nutzer kündigten an, das Produkt allein aus Protest kaufen zu wollen. Für die rechte Bewegung war die Aktion also vor allem eines - ein Eigentor.

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Quelle: n-tv.de, jug

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