Panorama

Über 39 Grad in Sachsen-Anhalt Hitzerekord in Deutschland geknackt

Die Hitze macht Deutschland zu schaffen. Der bisher heißeste Sommertag bringt die Flüsse, Straßen und auch Schwimmbäder an ihre Grenzen. Aber wenn der Wasserpegel sinkt, kommen auch Relikte aus der Vergangenheit zum Vorschein.

Deutschland hat den bisher heißesten Tag dieses Jahres erlebt. In Sachsen-Anhalt hat es heute örtlich für etwas über 39 Grad gereicht. In Bernburg-Strenzeld waren es 39,4 Grad, in Bitterfeld-Wolfen wurden 39,1 Grad gemessen, sagte n-tv Metereologe Björn Alexander. Bisher hatte der Rekord bei 38 Grad gelegen, aufgestellt am 26. Juli in Duisburg-Baerl.

Der Juli wird als einer der heißesten seit Beginn der Messungen in die deutsche Wettergeschichte eingehen. Außerdem wird er vermutlich nach 2006 der zweitsonnigste seit 1951. Die Sonne schien im Schnitt schon mehr als 300 Stunden, das Soll beträgt 212 Stunden. Bundesweit herrschte Gluthitze, Millionen Menschen suchten Schatten oder Abkühlung.

Randale vor Schwimmbad

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Vor manchen Berliner Schwimmbädern bildeten sich wegen drohender Überlastung lange Warteschlangen. Zeitweilig musste der Einlass ganz gestoppt werden. Vor einem Bad im Bezirk Pankow war auch die Polizei im Einsatz, da es dort Unruhe und "Unmutsäußerungen" zahlreicher Menschen gab, die in das Bad hineinwollten. Die Einlass-Stopps seien nötig, weil die Schwimmbadtechnik bei hohen Besucherzahlen an der Kapazitätsgrenze arbeite - nur mit dem Stopp könne man die Wasserqualität garantieren, erklärten die Berliner Bäderbetriebe.

Außerdem musste in Berlin die Stadtautobahn 100 vorübergehend gesperrt werden, weil sich wegen der Hitze Blasen auf dem Asphalt gebildet hatten. Nach Angaben der Verkehrsinformationszentrale kam es zu der Vollsperrung, weil sich viele Autofahrer nicht an den Mindestabstand von 60 Metern hielten.

Frischwasser gegen Fischsterben

Landesweit bringt die Hitze auch auf Feldern, in Wäldern und in Gewässern verstärkt Probleme. Der Pegelstand in der Elbe ist bei Dresden inzwischen so niedrig, dass er unter der Mess-Skala liegt. In Bochum versuchte die Feuerwehr, ein Fischsterben abzuwenden. Seit mehreren Tagen pumpt sie Frischwasser in Teiche. In Hamburg ist erneut eine Tonne toter Fisch abgeschöpft worden.

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In Zürich in der Schweiz kapitulieren die Betreiber der Schiffe vor der Hitze: Weder Personal noch Passagieren könnten die Temperaturen zugemutet werden, deshalb werde der Betrieb eingestellt, teilte die Zürichsee Schifffahrtsgesellschaft mit. Ihre Schiffe mit Glasdächern verkehren auf dem Zürichsee und verbinden die Altstadt mit Orten entlang des Sees. Die Unterbrechung soll bis mindestens Samstagabend dauern. Die Schiffe haben Glasdächer, unter denen sich die Hitze staut.

Auch Atomkraftwerke in Deutschland haben ihre Leistung heruntergefahren. Beim Kernkraftwerk Philippsburg in Baden-Württemberg wurde die Leistung um bis zu zehn Prozent verringert, teilte der Versorger EnBW mit. Dadurch solle der Anstieg der Wassertemperatur im Rhein durch das eingeleitete Kühlwasser begrenzt werden. In Norddeutschland produzieren die Kernkraftwerke Grohnde und Brokdorf nach Angaben des Betreibers PreussenElektra wegen der leicht erhöhten Gewässertemperaturen etwas weniger als üblich.

"Atlantis"-Brücke taucht auf

Für ein interessantes Schauspiel sorgte die Hitze am Edersee in Hessen, wo wegen des niedrigen Wasserstands Teile des überfluteten Dorfs Berich wieder zum Vorschein kam. Mittlerweile ist auch die alte Aseler Brücke, Teil des "Edersee-Atlantis" aus den Fluten aufgetaucht. Die Ruinen aufgegebener Dörfer sind eine Attraktion, aber auch Warnsignal, wenn sie vor dem Herbst zu sehen sind. Der Füllstand des Edersees liegt derzeit nur noch bei 46 Prozent.

Engpässe in der Wasserversorgung haben die Deutschen trotz der Dauerhitze nicht zu befürchten: "Wegen der regenreichen Winter- und Frühjahrsmonate liegen die Grundwasserstände zumeist auf einem guten Niveau, auch die Trinkwassertalsperren sind gut gefüllt", sagte der Hauptgeschäftsführer Wasser/Abwasser des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft, Martin Weyand, der "Rheinischen Post". Auf eine kalte Dusche müsse daher niemand verzichten.

Quelle: n-tv.de, cam/dpa/AFP

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