Panorama

"Xavier" legt Bahnverkehr lahm Sieben Sturmtote im Norden und Osten

Heftig wütet Herbststurm "Xavier" am Nachmittag über Deutschland. In Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg sterben mehrere Menschen. Im Bahnverkehr im Norden und Osten sorgen Bäume und Äste auf Gleisen und in Oberleitungen für Stillstand.

Durch Sturmtief "Xavier" sind in Nord- und Ostdeutschland mindestens sieben Menschen ums Leben gekommen. Allein Brandenburg meldete vier Tote. Der Polizei zufolge starben drei Menschen, als Bäume auf ihre Fahrzeuge stürzten. Ein 72-Jähriger wurde zudem von einem Baum erschlagen, als er Äste von der Straße entfernen wollte.

f00ea044673e9c1a26cb0aca1e22b211.jpg

Leere Anzeigetafeln waren standardmäßig an den meisten Bahnhöfen im Norden und Osten zu sehen.

(Foto: dpa)

In Berlin-Heiligensee und Hamburg starben zwei Frauen ebenfalls, als Bäume auf ihre Autos stürzten. Eine zweite Frau aus dem Hamburger Auto kam schwer verletzt ins Krankenhaus.

Auf der Bundesstraße 191 in Neu-Karstädt in Mecklenburg-Vorpommern wurde ein Lastwagenfahrer von einem umstürzenden Baum erschlagen. Bei Bremen erlitt eine Frau durch einen ähnlichen Vorfall lebensgefährliche Kopfverletzungen.

Züge stehen still

Als Reaktion auf den Sturm hatte die Deutsche Bahn ihren Betrieb in Nord- und Ostdeutschland zeitweise vollständig eingestellt. Betroffen waren der Fern-, Regional- und Nahverkehr in Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Sachsen-Anhalt. In Mecklenburg-Vorpommern und in Sachsen kam es ebenfalls zu Einschränkungen.

a719271235b47eadf5253dba97b7d0a9.jpg

Nichts geht mehr: Am Berliner Alexanderplatz versuchen Reisende eine U-Bahn zu bekommen.

(Foto: dpa)

Zunächst war noch unklar, wann die Züge wieder planmäßig fahren können. "Es wird sicherlich im Laufe des Abends noch zu Problemen kommen", sagte eine Sprecherin. Für gestrandete Reisende stellte die Bahn etwa ein Dutzend leere IC- und ICE-Züge in Bahnhöfen bereit. Andere brachten Feuerwehr und Rotes Kreuz in Sporthallen unter, die zu Notunterkünften umfunktioniert wurden.

Flugreisende mussten ebenfalls Behinderungen hinnehmen. Die Flughäfen in Bremen, Hamburg und Hannover meldeten mehrere Ausfälle. An den Berliner Flughäfen Tegel und Schönefeld wurde vorübergehend die Abfertigung eingestellt.

Dauereinsatz in Berlin und Hamburg

Die Feuerwehren waren vielerorts im Dauereinsatz. Allein in Hamburg habe die Feuerwehr in zwei Stunden mehr als 700 sturmbedingte Einsätze gehabt, sagte ein Sprecher. Das sei normalerweise die Zahl eines ganzen Tages. Bis zum späten Nachmittag waren es dann bereits über 900 Einsätze. Die Berliner Feuerwehr arbeitete zwischen 16.00 Uhr und 19.00 Uhr 705 Einsätze ab.

91ba4165a3b558be455d4f38d6a858b3.jpg

Der Schaden wird auf mehr als eine Million Euro geschätzt.

(Foto: dpa)

Der öffentliche Nahverkehr brach durch die Behinderungen in beiden Städten vorübergehend fast vollständig zusammen. In Berlin fielen zwischenzeitliche alle S-Bahnen, Busse und Straßenbahnen aus. Auch die oberirdischen U-Bahn-Strecken wurden gesperrt. In Hamburg wurde der S-Bahnverkehr ebenso zeitweise eingestellt. U-Bahnen mussten auf oberirdischen Strecken langsamer fahren.

Hafenkran aus den Angeln gehoben

An der Küste schränkte "Xavier" den Fährverkehr zu den Nordseeinseln ein. Fünf Katamaran-Verbindungen nach Borkum seien abgesagt worden, berichtete der NDR. Im Schiffsverkehr mit Norderney und dem Fährverkehr nach Wangerooge seien ebenfalls Einschränkungen zu erwarten.

Behinderungen gab es ebenso in Niedersachsen. In Hannover meldete die Feuerwehr Notlagen wegen umgestürzter Bäume auf Straßen und abgerissener Dachverkleidungen. Ein Ast durchschlug die Windschutzscheibe eines fahrenden Autos. Im Landkreis Holzminden wurde eine Kreisstraße von einem umgestürzten Baum blockiert, außerdem stürzte ein Baum auf drei Autos - verletzt wurde jedoch niemand. In Werlte bei Osnabrück krachte ein Autofahrer in einen umgestürzten Baum.

In Wilhelmshaven hob "Xavier" einen rund 1000 Tonnen schweren Hafenkran aus den Angeln. Orkanböen der Stärke 12 hätten den auf Schienen laufenden Kran am Mittag angehoben, gedreht und umgekippt, sagte ein Sprecher der Wasserschutzpolizei. Der Kran stürzte ins Fahrwasser der Jade. Hafenarbeiter in der Nähe wurden nicht verletzt. Der Verladebetrieb für den Kohleumschlag an der Niedersachsenbrücke wurde vorsorglich eingestellt.

"Xavier" hatte Norddeutschland am Morgen erreicht und sollte am Polen und Tschechien erreichen. Bei dem Tief handle es sich um ein kurzes, aber schweres Sturmereignis, erklärte n-tv-Meteorologe Björn Alexander. Vereinzelt könne "Xavier" an Orkan "Kyrill" aus dem Jahr 2007 heranreichen. In Spitzen sind demnach Böen von 90 bis 130 Stundenkilometer möglich - im Flach- und Binnenland gar bis zu 140 Stundenkilometer.

Quelle: n-tv.de, chr/dpa/rts/AFP

Mehr zum Thema