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Gefährdet durch Erdogan-Anhänger? Böhmermann steht unter Polizeischutz

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Jan Böhmermann wird Donnerstag nicht sein "Neo Magazin Royale" präsentieren.

(Foto: dpa)

Das Schmähegedicht über den türkischen Präsidenten könnte ZDF-Satiriker Jan Böhmermann ins Visier von radikalen Erdogan-Anhängern gebracht haben. Das zumindest befürchtet die Kölner Polizei - und stellt den Komiker unter "Rund um die Uhr"-Bewachung.

Satiriker Jan Böhmermann steht nach seinem Schmähgedicht über den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan mittlerweile unter Polizeischutz. "Ein Streifenwagen steht vor der Tür", sagte ein Polizeisprecher in Köln. Man stehe auch mit anderen Sicherheitsbehörden im Kontakt. Zuvor habe es eine Beurteilung der Gefährdungslage gegeben. "Wenn man etwas nicht ausschließen kann, dann muss man etwas tun", sagte der Sprecher.

Zuvor hatte unter anderem die "Hamburger Morgenpost" berichtet, dass die Kölner Polizei mit Experten der Abteilung für Staatsschutz eine Gefährdungsanalyse im Falle Böhmermann durchgeführt habe. Der Polizeischutz beinhalte eine "Rund um die Uhr"-Bewachung, hieß es in dem Bericht. Nach Informationen von "Focus Online" sollen die Ermittler den Satiriker und seine Familie als gefährdet von möglicherweise radikalen Erdogan-Anhängern in Deutschland ansehen. Böhmermann selbst soll entgegen anders lautender Berichte nach wie vor in Köln sein. Er selbst hat sich bisher nicht geäußert. 

"Neo Magazin Royale" abgesagt

Zuvor hatten der 35-Jährige und die Produktionsfirma btf GmbH angekündigt, die nächste Sendung des "Neo Magazin Royale" nicht zu produzieren. Dies war auf der Facebook-Seite der Sendung angekündigt worden. Die Sendung sollte ursprünglich am Donnerstagabend im ZDF ausgestrahlt werden.

*Datenschutz

"Grund ist die massive Berichterstattung und der damit verbundene Fokus auf die Sendung und den Moderator", hieß es in dem Facebook-Eintrag. Die Entscheidung sei in Abstimmung mit dem ZDF erfolgt. "Wir respektieren die Entscheidung der Produktionsfirma und von Jan Böhmermann und haben Verständnis für deren Begründung", sagte ein Sprecher des Senders.

Die Grenzen der Satire

In der Sendung vom vergangenen Donnerstag hatte Böhmermann ein Gedicht über den türkischen Staatspräsidenten präsentiert, das er zuvor als verbotenes "Schmähgedicht" angekündigt hatte. Dieses löste diplomatische Verwicklungen zwischen Berlin und Ankara aus. Die Türkei forderte Deutschland auf, gegen Böhmermann wegen der Beleidigung eines ausländischen Staatsoberhaupts zu ermitteln. Die Bundesregierung prüft derzeit, ob dazu Ermittlungen eingeleitet werden. Zudem stellte Erdogan bei der Staatsanwaltschaft Mainz einen Strafantrag gegen Böhmermann wegen Beleidigung.

In der Folge entbrannte eine Debatte über die Grenzen der Satire. Kritik gab es aber auch am Verhalten von Kanzlerin Angela Merkel, die das Gedicht als "bewusst verletzend" bezeichnete. Zuspruch erhielt Böhmermann etwa von Springer-Chef Matthias Matthias Döpfner, dem Komiker Dieter Hallervorden und Moderator Oliver Welke. Im Internet startete eine Petition unter dem Schlagwort #FreeBoehmi, die bereits mehr als 100.000 Unterstützer gefunden hat.

Quelle: n-tv.de, mli/jug/dpa

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