Politik

Downing Street in "blinder Panik" Brexit-Befürworter liegen weit vorn

Boris4.jpg

Allgegenwärtig auch bei seinen Kritikern: Brexit-Anhänger Johnson, wenngleich diesmal nur als Maske.

Die Sorge im Lager um Premierminister Cameron wächst und auch die EU dürfte beunruhigt sein. Schließlich zeigen die jüngsten Umfragen: Die Mehrheit der Briten ist für einen EU-Austritt. Nächste Woche haben sie die Wahl.

Die Brexit-Anhänger in Großbritannien sind siegesgewiss und sie haben auch allen Grund dazu: Nächste Woche Donnerstag entscheidet das Land über einen Verbleib in der EU und laut den jüngsten Umfragen führen die EU-Gegner inzwischen mit Abstand.

Wie eine Online-Umfrage von YouGov für die "Times" ergab, sind 46 Prozent der Befragten für einen EU-Austritt. 39 Prozent möchten dagegen in der EU bleiben. 11 Prozent sind noch unentschlossen, 4 Prozent enthalten sich. Im Vergleich zu Ende vergangener Woche haben die Brexit-Befürworter 3 Punkte hinzugewonnen, die Gegner 3 Punkte verloren.

Damit liegt das Lager der sogenannten Brexiteers, zu dem unter anderem Ukip-Chef Nigel Farage und der Londoner Ex-Bürgermeister Boris Johnson gehören, 7 Prozentpunkte vor dem "Remain"-Lager um den konservativen Premierminister David Cameron. Es ist der größte Vorsprung seit dem Beginn der Kampagne.

Zu einem ähnlichen Ergebnis kommen auch Erhebungen für die Zeitung "Guardian" vom Montag. Nach den ICM-Umfragen, die sowohl am Telefon als auch online geführt wurden, führen die Brexit-Befürworter um 6 Punkte. 53 Prozent befürworten demnach einen Brexit, 47 Prozent sind dagegen.

"Mehr und mehr Panik"

"In den letzten Tagen haben wir mehr und mehr Panik beim 'Remain'-Camp gesehen", sagte Johnson der Zeitung "The Sun", die offen für einen Brexit wirbt. "Sie bekommen Panik, weil die Leute plötzlich ihren Blick weiten und von einem Gefühl des Vertrauens und der Aufregung erfasst werden über die Dinge, die Großbritannien machen kann."

Auch wenn Johnsons Analyse des "Remain"-Lagers sicher mit Skepsis zu betrachten ist, so liegt die wachsende Besorgnis dort auf der Hand. Der "Guardian" zitiert aus deren Kreisen, dass sich in der Downing Street Nr. 10, dem Sitz von Premierminister Cameron, die Stimmung grundlegend gewandelt habe: von "völlig siegesgewiss" hin zu "blinder Panik".

Das Brexit-Lager hat unterdessen versucht, das Massaker in Orlando für seine Zwecke zu instrumentalisieren. In einem Tweet der "Leave-EU-Kampagne", der später entfernt wurde, hieß es zu dem Bild von bewaffneten IS-Kämpfern: "Islamistischer Extremismus ist die wirkliche Bedrohung für unsere Art zu leben. Handelt nun, bevor wir Grausamkeiten wie in Orlando bald hier erleben."

Lesen im Kaffeesatz

Die Briten entscheiden am 23. Juni über ein Ausscheiden ihres Landes aus der EU. Cameron hatte das Referendum angesetzt, um dem rechten Flügel seiner Partei entgegenzukommen. Er, wie die meisten Brexit-Gegner, argumentieren vor allem mit den negativen wirtschaftlichen Folgen eines EU-Austritts. Die Brexit-Anhänger dagegen führen an, dass die EU die Souveränität Großbritanniens massiv einschränke und zu Masseneinwanderung führe.

Allerdings sind die Umfragen in Großbritannien mit Vorsicht zu genießen. Beim schottischen Referendum 2014 sowie bei den Unterhauswahlen 2015 lagen die Meinungsforscher komplett falsch.

Quelle: n-tv.de, ghö

Mehr zum Thema