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Der Brexit und die Wirtschaft Das sind die Konsequenzen für Deutschland

Großbritannien-Touristen profitieren vom Werteverfall der britischen Währung und auch mit Einreisebeschränkungen ist nicht zu rechnen.

Großbritannien-Touristen profitieren vom Werteverfall der britischen Währung und auch mit Einreisebeschränkungen ist nicht zu rechnen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Nicht nur für die Briten hat der EU-Ausstieg weitreichende Folgen, auch in Deutschland sind besonders Regierung, Tourismus und Wirtschaft betroffen. Dabei gibt es sowohl Gewinner als auch Verlierer, doch vor allem auch eine große Ungewissheit.

Die Briten haben für den Ausstieg ihres Landes aus der Europäischen Union gestimmt. Die Folgen des Brexit für das Vereinigte Königreich sind bislang kaum zu übersehen. Doch auch an Deutschland wird der Ausgang des Referendums nicht folgenlos vorübergehen. Ein erster Überblick über die Konsequenzen für...

... die Bundesregierung

Deutschland verliert im Kreis der EU-Staaten einen engen Verbündeten und läuft Gefahr, künftig im Kreis der Mitgliedsländer isolierter zu sein. Auch ein proportionaler Machtzuwachs Deutschlands in der EU durch das Ausscheiden Großbritanniens ist nur auf den ersten Blick positiv.

Vielen EU-Staaten ist Deutschland ohnehin schon zu mächtig - sie sehen Forderungen und Positionen der Bundesregierung bereits grundsätzlich mit Misstrauen. Einer Studie der Bertelsmann-Stiftung zufolge drohen Deutschland zudem durch den Wegfall der britischen Beiträge zum EU-Haushalt zusätzliche Zahlungen in Höhe von 2,5 Milliarden Euro jährlich.

... deutsche Reisende

Für Großbritannien-Urlauber dürfte sich wenig ändern. Wer die Insel besucht, muss ohnehin seinen Personalausweise oder Reisepass vorzeigen, da Großbritannien nicht Mitglied im Schengen-Raum ist. Verschärfte Einreisebestimmungen für Deutsche und andere EU-Bürger in der Zukunft sind nicht zu erwarten, die wären zu schädlich für den Tourismus und die britische Wirtschaft insgesamt. Experten gehen allerdings davon aus, dass das britische Pfund dauerhaft an Wert verliert. Das würde einen Urlaub in Großbritannien für Reisende aus Deutschland billiger machen.

... deutsche Arbeitnehmer in Großbritannien

Im Vereinigten Königreich lebten im vergangenen Jahr nach Angaben der EU-Statistikbehörde Eurostat rund 2,99 Millionen gemeldete EU-Ausländer, darunter auch 133.000 Deutsche. Die EU-Freizügigkeitsregeln erlauben ihnen, in Großbritannien zu wohnen und zu arbeiten. Ihr künftiger Status ist nun unsicher. Für Geringqualifizierte wird es künftig wohl schwerer sein, in Großbritannien einen Job anzunehmen.

Fachkräfte dürften aber weiter willkommen sein - ebenso wie bereits jetzt von britischen Unternehmen angestellte und im Vereinigten Königreich lebende Deutsche. Allerdings ist unsicher, ob alles beim Alten bleibt. EU-Ausländer zahlen bisher Studiengebühren in selber Höhe wie die Briten - für Nicht-EU-Ausländer sind die Gebühren deutlich höher. Und viele Wissenschaftler kommen bislang nach ihrer Doktorarbeit mit EU-Stipendien nach Großbritannien.

... deutsche Unternehmen

Für die wirtschaftlichen Beziehungen drohen nach Ansicht vieler Experten, Verbände und Unternehmen durch den Brexit große Risiken. Der Außenhandelsverband BGA befürchtet "erhebliche Wohlstandsverluste". Durch den Austritt verliert Großbritannien aller Voraussicht nach auch die Vorteile des EU-Binnenmarkts.

Über 2500 deutsche Unternehmen haben eine Niederlassung im Vereinigten Königreich. Laut Statistischem Bundesamt ist Großbritannien im vergangenen Jahr mit knapp 90 Milliarden Euro der drittwichtigste Exportmarkt für Deutschland gewesen. Etwa 750.000 Arbeitsplätze in Deutschland hängen nach Angaben des Deutschen Industrie- und Handelskammertags von den Exporten auf die Insel ab.

Quelle: n-tv.de, Jan Dörner, AFP

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